"Zehnmal Zürich, das wäre schon was!“

Die Saison von Ronnie Schildknecht startete nach eigener Aussage "verkorkst". In Zürich kam der Schweizer in seinem Heimrennen zurück in die Erfolgsspur. Nächste Station ist für den 36-Jährigen die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.

Von > | 26. Juli 2016 | Aus: SZENE

Bilder vom Ironman Switzerland 2016 | Ronnie Schildknecht bei seinem neunten Ironman-Sieg in Zürich.

Ronnie Schildknecht bei seinem neunten Ironman-Sieg in Zürich.

Foto >Getty Images for Ironman

Seit 2007 hat Ronnie Schildknecht alle Auflagen des Ironman Switzerland gewonnen - mit Ausnahme von 2014, als er für Frankfurt auf einen Start bei "seinem" Ironman verzichtete, und stattdessen Boris Stein in Zürich seinen ersten Ironman-Erfolg feiern konnte. Im Interview mit tri-mag.de erzählt der neunfache Triumphator Schildknecht von einem besonderen Rennen, das eine bislang suboptimale Saison zurück in die richtige Spur bringt.

Ronnie Schildknecht, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neunten Sieg! Für manche wirkt es vielleicht recht normal, dass Sie hier in Zürich am Ende ganz oben auf dem Treppchen stehen. Aber für Sie selbst muss sich das sensationell anfühlen. Vor dem Rennen haben Sie gesagt, dass Ihre Saison bisher eher verkorkst war?
Ich hatte wirklich zwei verkorkste Rennen in Südafrika und Brasilien, und ich war nie richtig fit dabei, es hat nicht richtig gepasst vom Training. Aber seit Brasilien habe ich enorm gut trainiert. Von daher wusste ich, dass ich in einer anderen, in einer richtig guten Form bin. Aber du hast es trotzdem im Kopf, dass du nur Neunter und Siebter wurdest und es nicht lief. Und hier in Zürich habe ich noch dazu den Druck, auch zu gewinnen. Ich wusste, dass ich parat bin für dieses Rennen. Allerdings kamen dann Timo Bracht auf die Startliste und dazu Jan van Berkel – da wusste ich, dass dies die beiden Hauptkonkurrenten sind.

Der eine feuert am Anfang, der andere dreht am Ende noch einmal richtig stark auf?
Genau, und am Anfang lief es bei mir auf dem Rad auch nicht so rund. Ich bin zwar nach dem Schwimmen schnell vorgefahren, aber ich hatte nicht die Power wegzufahren und auch etwas Schmerzen im Gesäßbereich. Da dachte ich mir: Wenn du auf dem Rad nicht wegkommst, dann läufst du halt. Ich hatte wirklich großes Selbstvertrauen beim Laufen. Ich habe Timo ja auch schon mal auf der Halbdistanz beim Laufen geschlagen, und hier in Zürich schon oft beim Laufen gewonnen. Aber dass ich gleich so gute Beine hätte, hat mich selbst überrascht. Die sind ja nach dem Radfahren gleich abgegangen wie die Feuerwehr.

Es war kein ganz einfacher Tag, es wurde im Marathon noch richtig warm. Gab es dennoch Momente, das Rennen zu genießen?
Die ersten 20 Kilometer liefen richtig locker, aber die dritte Runde, die war wirklich etwas harzig. In der vierten Runde musste ich nicht mehr das Allerletzte riskieren und wurde auch langsamer. Aber als ich kurz vor Schluss war, habe ich gedacht, dass ich diesen Moment wirklich genießen muss. Ich mache das Ganze schon eine ganze Zeit lang, und so lange werde ich solche Momente nicht mehr genießen können. Vielleicht habe ich noch drei, vier Jahre. Deshalb habe ich die Situation auf den letzten drei Kilometern wirklich sehr genossen. Es ist schon geil, jeder ruft deinen Namen. Das kannst du dir nicht erkaufen, das gibt es nur im Sport.

Die Familie hat auf Sie gewartet im Ziel, Ihre Frau, Ihre Tochter und Ihr Vater waren da. War das noch spezieller, als Papa diesen Sieg zu feiern?
Ja logisch, vor allem meine Tochter im Ziel zu sehen, das war etwas ganz Besonderes, auch wenn sie vielleicht nicht so ganz genau wusste, was da eigentlich los ist. Hier in Zürich ist es sowieso speziell, aber es ist wirklich wunderschön, wenn du dann im Ziel noch deine Familie triffst.

Sie wurden zuletzt Schweizer Meister auf der Sprintdistanz. Hat Ihnen das den richtigen Kick gegeben für den neunten Sieg?
Es war eher ein gutes Training. Mit meiner Leistung war ich nicht so wirklich zufrieden, da war ich eher etwas verunsichert. Ich hatte mit Heuschnupfen Probleme und im Rennen Mühe beim Atmen. Ich habe zwar gewonnen, aber es waren ja auch nicht die Besten am Start. Mein Selbstbewusstsein für den Ironman habe ich mehr aus guten Trainings gewonnen und durch die Zusammenarbeit mit Lubos.

Die neue Zusammenarbeit mit Lubos Bilek, der unter anderem auch Sebastian Kienle und Andreas Böcherer coacht, hat Ihnen noch einmal einen Push gegeben?
Es tut richtig gut, vor allem der Austausch. Die Umfänge beim Laufen sind nun etwas höher, und das Training beim Radfahren ist noch etwas spezifischer. Es ist einfach auch super, dass Lubos ein ruhiger Typ ist – das brauche ich.

Für Hawaii sind Sie nun auf dem richtigen Weg?
Definitiv. Wir müssen jetzt noch viel kurz und hart trainieren, hat Lubos gesagt, damit ich noch tempofester werde. Ich habe auch so viele Kilometer, da müsste ich jetzt wirklich genügend Grundlagen haben. Ich gehe ja nicht kaputt im Rennen. Auch wenn ich hier auf der dritten Runde beim Laufen ein bisschen müde war und etwas durchhing, bin ich den Jungs hier ja schon noch etwas davongelaufen.

Jetzt bleibt natürlich noch eine Frage: Was ist mit Nummer zehn in Zürich?
Bei zehn habe ich gesagt, dass ich aufhöre. Jetzt will ich nächstes Jahr noch nicht aufhören mit dem Sport, aber zehn Mal in Zürich zu gewinnen, ja, das wäre schon was.