Das Ende des Laissez-faire

Widerwillig hat sich triathlon-Redakteur Daniel Eilers dazu entschlossen, auf dem Weg zu seinem Projekt „Ironman-Debüt unter 10 Stunden“ einem Trainer das Vertrauen zu schenken. Er vermutet darin den Schlüssel zum Erfolg.

Von > | 9. November 2016 | Aus: Szene

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Da ist das Ding – zumindest 2/39 davon. Der Trainingsplan für den Ironman Hamburg.

Foto > Daniel Eilers / spomedis

Ich mag keine Trainingspläne. Diese Manifeste maximaler Inflexibilität im Spalten- und Zeilengewand. Starr. Trocken. Langweilig. Wie Schulpläne, nur ohne Pausen, Ferien und Freistunden. Nein, ich genoss die Freiheit des Lust-und-Laune-Prinzips … vielleicht schon viel zu lange? Und ich muss gestehen: Eigentlich habe ich Trainingsplan-Sportler nie so recht verstanden. Spaß bringt doch, was Freiheit schafft? Daher war mein oberstes Trainingsprinzip nicht die Superkompensation, sondern das zu tun, worauf ich Lust hatte.

Doch so ein Langdistanz-Triathlon zwingt einen dazu, Routinen unter die Lupe zu nehmen, mit Gewohnheiten zu brechen und Verhaltensmuster zu reflektieren. Und das wissen viele Leser sicherlich besser als ich: Das Projekt ist deutlich zu umfangreich für eine sechswöchige Hauruck-Aktion. Während ich diese Zeilen schreibe (und ein letztes Mal bis zum 13. August leere Kalorien schaufle), schiele ich immer wieder auf den vor mir liegenden Trainingsplan.

Das, was Marc von STAPS mir für die erste Woche aufgeschrieben hat, sind keine brutalen Killer-Programme, wie ich sie erwartet hatte. Aber Marc weiß, was er tut. Und ich hinterfrage nichts, bin Trainingssoldat. Ich würde ja schon das Ironman-Tempo stundenlang auf der Rolle üben, gefolgt von einem langen Koppellauf. Stattdessen hat mir Marc einen FTP-Test in den Plan geschrieben: 5 Minuten lang Vollgas, danach 10 Minuten GA1, gefolgt von einem Zeitfahren über 20 min. Der Schmerz ging bis ins Ohrläppchen und die Aussicht aufs Bücherregal vor weißer Wand hätte auch motivierender sein können. Die Werte? Mein Garmin zeigte mir 317 Watt (5 Minuten) und 272 Watt (20 Minuten) an. Was das wert ist? Erfahre ich Montag.

Tag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
  1. Einheit

1 h Schwimmen

1,5 h Rad

30 min Stabi-Training

Rad: FTP-Test

Schwimmen: CSS-Test

16 km lockerer Dauerlauf

1,5 h Rad

  1. Einheit

30 min Stabi-Training

Swipe me

Meine Schwäche, ohne systematischen Aufbau über die Stränge zu schlagen, habe ich eineinhalb Jahre lang mit einer bitterbösen Quasi-Pause bezahlen müssen. Das war genug Zeit, um darüber nachzudenken, wieso ich mit systematischem Training auf Kriegsfuß stehe. Mein Fazit: Ein Trainingsplan ist ein Eingeständnis in die eigene Hilflosigkeit – und das wiederum erfordert die nötige Souveränität, Verantwortung abgeben zu können. Anders gesagt: Ich war mir sicher, es am besten zu wissen. Das Ergebnis war eine zähe Knieverletzung. Die Energie, die ich in die Gedanken ums richtige Training stecken müsste, fließt nun direkt in Marcs Einheiten. Pure Trainingseffizienz, nenne ich das. Ich glaube, darin liegt mein Schlüssel zum Erfolg: vom Besserwisser zum Trainingssoldat.

So, genug Abbitte geleistet! Jetzt wird trainiert: Schwimmen, Radfahren, Laufen, möglichst viel davon. 10 Monate lang, rund 10 Stunden wöchentlich, um unter 10 Stunden zu finishen. Ich habe mächtig Bock darauf, was mein Trainingsplan für mich bereithält und lasse mich Woche für Woche aufs Neue überraschen. In unserem triathlon-Strava-Club stehe ich momentan noch auf Rang 25. Und auch das wird sich bald ändern. Alles neu macht dieser Herbst!