Zwischen Delfinen und Schildkröten

Die Naturpracht von Hawaii ist faszinierend und einzigartig. Ihre Erkundungstour führte unsere Autorin Laura-Sophie Usinger erst unter Wasser und dann bis auf den Mauna Kea.

Von > | 7. Oktober 2016 | Aus: SZENE

Wer stört hier wen? Laura-Sophie Usinger begegnet dieser Meeresschildkröte.

Wer stört hier wen? Laura-Sophie Usinger begegnet dieser Meeresschildkröte.

Foto >Privat

Auf der Erde gibt es 22 Klimazonen. Wenn man auf Hawaii unterwegs ist, kann man 21 von ihnen entdecken. Lediglich die Polargebiete sucht man hier vergeblich. Damit gibt es kein abwechslungsreicheres Stück Land auf dieser Erde – ein Ort der Kontraste. Dieser Archipel steckt voller Überraschungen und Gegensätze.

Alles was man sieht, tut und bewundert, ist von der Natur abhängig. Sie drückt der Insel den Stempel auf. Sie bestimmt, was wir erleben dürfen und was nicht. Ob wir Delfine und Schildkröten sehen oder nicht, ob die Vulkane gerade aktiv sind und wir den Lavafluss bestaunen können oder nicht, ob die Wellen uns surfen lassen oder nicht – wir können es nicht beeinflussen. Wir können abwarten, wir können uns auf die Suche machen. Aber wir müssen uns gedulden und letztendlich entscheidet die Natur, wie viel ihrer Schönheit sie preisgibt und wann.

Das macht ehrfürchtig und ist wohl ein Teil des Mythos Hawaii. Wie klein der Mensch und wie wunderbar mächtig die Natur ist, wird einem hier jeden Tag vor Augen geführt. Der Tag beginnt um 6:30 Uhr, wenn die Sonne aufgeht und endet, wenn sie zwölf Stunden später am Horizont verschwindet. Man richtet sich nach Licht und Sonne, um der Natur nahe zu sein. Als Early-Bird-Schwimmer stehen die Chancen in der Kealakekua Bucht nicht schlecht, auf Delfine zu stoßen und mit ihnen zu schwimmen.

Nicht jedem Schwimmer ist es vergönnt, einer Delfinschule zu begegnen.

Nicht jedem Schwimmer ist es vergönnt, einer Delfinschule zu begegnen.

Foto >Privat

Ich scheine genügend Ehrfurcht, Dankbarkeit und Geduld auf dieser Insel gelassen zu haben, denn ich wurde bereits beim ersten Anlauf mit einem Schwarm Dutzender Delfine belohnt. Es gelingt mir nicht in Worte zu fassen, was man fühlt, wenn man mitten unter ihnen ist; ein Teil der Gang ist, mit der man durch den Ozean schwimmt. Worte können viel, aber hier können sie nicht genug. Ähnlich faszinierend ist es mit grünen Meeresschildkröten rumzuturteln. Gänsehaut, Dauergrinsen unter Wasser garantiert. Momente, an die ich mich nun ein Leben lang erinnern kann.

Beim Stand-Up-Paddeln auf dem Meer fühlt man dann eine Stille und Ruhe, die ich sonst selten finde. Bewegt man sich aufmerksam, dann kann man hier und da beobachten, wie Schildkröten an die Oberfläche schwimmen und ihren Kopf aus dem Wasser strecken. Ulkig.

Verlässt man die Küste Richtung Norden, dann fährt man an riesigen Lavafeldern vorbei und erreicht irgendwann auf 400 Metern über Meereshöhe plötzlich saftig grüne Wiesen und Felder. Das Landschaftsbild verändert sich und erinnert auf einmal an Schottland. Wo eben noch Hitze und Lavasteine thronten, ist nun kaum noch Sonnenschein zu sehen. Es wird feuchter, regnerisch, nebelig und etwas milder. Weiter nordöstlich kann man bewachsene Steilküsten bestaunen, an deren Fuß sich ein schwarzer, einsamer Strand erstreckt.

An den Steilküsten von Hawaii geht\'s ruppiger zu.

An den Steilküsten von Hawaii geht's ruppiger zu.

Foto >Privat

Hilo, im Osten von Big Island, ist die regenreichste Stadt der USA und je näher man der Stadt kommt, desto tropischer wird es. Regenwälder mit über 100 Meter tiefen Wasserfällen lassen mich nicht schlecht staunen. Ich muss mich kurz vergewissern, dass ich noch immer auf der gleichen Insel bin.

Den Ursprung Hawaiis, nämlich die Vulkane, die glühende Lava ist ein weiteres Highlight. Auch mit Superlativen schmeißt das Paradies um sich. Immerhin findet man auf Big Island auch den höchsten Berg der Welt. Der Mauna Kea ist 4.205 Meter hoch, hat aber unter Wasser bereits knapp 6.000 Meter auf dem Buckel.

All das und noch so viel mehr kann man auf Big Island zu sehen bekommen und ich frage mich, wie so viel Vegetation und Leben auf 10.000 Quadratkilometer Landfläche passen.