Be happy oder lass es sein

Ich habe auch Liebe zu verschenken, nicht nur Mittelfinger bei Reizthemen. Liebe für diesen Sport. Ein Sport der mich persönlich zu einem besseren Menschen gemacht hat und das nach wie vor macht. Aber macht er dich auch glücklich? Also, wirklich glücklich? Ich meine nicht nur dieses Wort, dass so random benutzt wird wie das schlechte Wetter als Ausrede, wenn mal wieder eine lange Radfahrt ansteht.

Von > | 8. Juni 2016 | Aus: TRAINING

René Domke | René Domke ist glücklich mit seinem Sport.

René Domke ist glücklich mit seinem Sport.

Viele Dinge, die wir, ob Spaß-Triathleten oder ambitionierte Gestörte, machen, sind Automatismen. Zum Teil absurde, wenn ich nur dran denke, dass erfolgreiche Business-Manager neben der 70-Stunden-Arbeitswoche noch 15 bis 20 Stunden trainieren. Plus Schlaf. Ach ja, und inklusive Familie mit Frau Kindern. Jedem das seine, so lange es einen glücklich macht. Aber auch banale Dinge werden zur Normalität, obwohl sie vielen nicht gefallen. Man macht sie einfach, weil sie dazu gehören und hinterfragt es nicht. Wie oft höre ich folgende Sätze:

Das ist nur ein kurzer Querschnitt. Aber Leute. Überlegt doch mal. Warum denn? Ihr müsst das nicht machen. Wenn Euch was nicht Spaß macht, macht was anderes! Nur, weil es bei Frauen gut ankommt, wenn man sagt, dass man Triathlon macht (und das tut es), muss man sich nicht selbst dazu nötigen es zu tun, obwohl man viel lieber nur Radfahren würde. Oder im Zweifel mit 'nem Kölsch in der Kneipe sitzen. Was im Übrigen auch deutlich ungefährlicher in Bezug auf das Problem mit den Autofahrern wäre. Mal ganz nebenbei bemerkt. Wenn euch schwimmen keinen Spaß macht, weil ihr es nicht könnt oder euch nicht so verbessert, wie ihr das gerne wollt, aber den Sport mögt, dann sorgt dafür, dass Schwimmen eure Stärke wird, damit es mehr Spaß macht. Oder denkt über Triathlon nach. Mir kommt es mittlerweile so vor, als machten viele diese Sportart, um dazuzugehören. Wie früher auf dem Schulhof, wenn man Fußball hasste und trotzdem mitgespielt hat, um „cool“ zu sein, um dann flennend nach Hause zu laufen, weil man keinen Ball zugespielt bekommt. Gut, Triathlon ist in der Regel eine Einzelsportart. Da passt keiner einen Ball, man verpasst maximal die Strafbox auf der Radstrecke, wo die Zeitstrafe allein schon schlimm genug wäre. Aber um so wichtiger ist es doch, in dieser oft einsam geprägten Sportart maximalen Spaß zu haben. Oliver Kahn würde jetzt sagen „maximalen Erfolg“. Das im besten Fall auch. Was ich damit sagen will: 

Hinterfragt mal, was Euch euch wirklich glücklich macht. Und zwar ohne Euch dabei gleichermaßen zu stressen. Denn dann ist das eine Null-Rechnung. Kein Stress der Welt macht einen auf Dauer glücklich. Und für mich wäre es Stress schon am Abend vor der nächsten Einheit zu denken „Boah, nee. Keinen Bock auf morgen früh."

Ich weiß für mich mittlerweile, dass ich diesen Sport liebe. Aus mehreren Gründen. Aber auch das war nicht immer so. Aber was mich störte oder gestresst hat, habe ich geändert. Mir tut er gesundheitlich gut. Ich mag die Menschen, die mich dabei umgeben, dieser ganze Nerd-Stuff, der Wettkampf, meine zu schmale und enge Badehose, das Laktat, das in den Muskeln höllisch brennt. Das Herz, das nach einer Tempo-Einheit am Denksteiner Weiher überfordert wirkt, meine Plattfüße, die meinem Orthopäden am liebsten zurufen würden, er solle mir das Laufen verbieten. Ich liebe es, am Rennmorgen angespannt zu sein, meinen veganen Milchreis mit den Fingern zu essen, weil  ich mal wieder den Löffel vergessen habe. Oder der Plausch mit Rentnern im Schwimmbad auf Kölsch, obwohl die von Jan Wolfgarten vorgeschriebene Pause schon längst vorbei ist. Aber vor allem diese Freiheit und die Natur. Erst letzte Woche bin ich wieder mit meinen neuen Aeroad drei Stunden lang im Norden Kölns gefahren. Alleine, ohne hupende Autos. Schmale, nicht befahrene Feldwege entlang mit einer brise Wind im Gesicht. Diesen Moment habe ich ganz bewusst wahrgenommen und das Gefühl festgehalten, mit einen Lächeln im Gesicht. Die anstehende Schwimmeinheit am nächsten Morgen konnte mir das Lächeln auch nicht nehmen. Und selbst wenn, dann schwimme ich nicht. Hauptsache ich bin glücklich. Denn das ist es doch, worum es eigentlich geht. Nicht mehr!