Noch 99 Tage Sport. Und dann? Weiter Sport!

99 Tage sind es (nur) noch bis zur Premiere des Ironman Hamburg. Darf man da schon einen Blick auf die Zeit danach wagen? Ja, verbunden mit einem kurzen (selbstkritischen) Blick zurück.

Von > | 6. Mai 2017 | Aus: TRAINING

Der Trainingsplan definiert nicht nur die Dauer, Intensitäten und Inhalte des Triathlontrainings, sondern auch den Tagesablauf und das soziale Leben eines Triathleten.

Der Trainingsplan definiert nicht nur die Dauer, Intensitäten und Inhalte des Triathlontrainings, sondern auch den Tagesablauf und das soziale Leben eines Triathleten.

Foto >STAPS / TrainingPeaks

Noch 99 Tage bis zur Premiere des Ironman Hamburg. Oder heißt es: nur noch 99 Tage? Der Countdown läuft, jetzt nur noch zweistellig. Und mir ist klar: Die nächsten Wochen werden hart! Sie beginnen mit einem ersten Wettkampftest über die Sprintdistanz, morgen Vormittag beim Campus-Triathlon in Flensburg.

Für mich ist klar: Den Aufwand, den ich in diesem Jahr für den Sport betreibe, kann ich nur noch diese 99 Tage aufrecht erhalten. Mein Leben war auch ohne Leistungssport schon nicht langweilig. Viele nehmen in diesem Jahr auf mich Rücksicht, müssen zurückstecken. Ohne Egoismus wäre Triathlon für einen berufstätigen Familienvater wie mich auf diesem Niveau nicht möglich. Nach der enormen Belastung, die eine Langdistanzvorbereitung auf diesem Niveau mit sich bringt, muss danach auch wieder Platz für andere Dinge sein. Umso motivierter gehe ich in die Saison, denn ich weiß: Auf diesem Fitnesslevel werde ich mich so bald nicht wieder bewegen. Aber für mich ist auch klar: Nach diesen 99 Tagen werde ich weiter Triathlon machen, sportlich und fit bleiben. Auch ohne Langdistanz-Planungen, vielleicht mit der einen oder anderen Mitteldistanz oder mal einem Marathon. Als Breitensportler. Ja, ich sage "Sportler". Und muss ein paar Tage zurückblicken ...

"Reden wir über eine Zeit von über zwölf Stunden oder reden wir über Sport?", fragte mich STAPS-Chef Björn Geesmann damals. Wir reden über Sport, so viel war damals schon klar. So stand es in meinem Blogbeitrag vom 24. April 2017.

Das war eine Anekdote - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ging um meine Zielstellung für diese Saison und die Frage, ob Trainer und Athlet zusammenpassen. Das tun sie, denn meine Ziele, meine Art der Vorbereitung auf das Abenteuer Ironman Hamburg sind leistungssportlich - und der Ansatz von STAPS ist es auch. Dieses eine Jahr passen der wissenschaftliche, am Optimum orientierte Ansatz von STAPS und ich zusammen. Und es zeigt nicht nur erste Früchte, zumindest auf dem Papier, sondern macht auch verdammt viel Spaß, auch wenn es so unglaublich anstrengend ist, was mir mein Coach Marc Sauer in den Trainingsplan schreibt. 

Wenn sich von dieser Anekdote jemand davon auf den Schlips getreten fühlt (und die Resonanzen auf den Blogeintrag haben gezeigt, dass es so ist), dann tut mir das wirklich leid - auch wenn manch persönliche Anfeindung als Reaktion sicher übertrieben war. Das Augenzwinkern, den Kontext haben viele nicht verstanden und wenn ich die Reaktionen hätte voraussehen können, wäre ich vielleicht etwas sensibler mit dieser Anekdote umgegangen - denn natürlich fängt auch für mich der Sport da an, wo Menschen sich bewegen, um sich etwas Gutes zu tun. Genau darum habe ich nach meinem Medizinstudium nicht die ärztliche Laufbahn eingeschlagen, sondern die des Journalisten und Publizisten - mit dem Ziel, so viele Menschen wie möglich zur Bewegung zu motivieren und damit gesund und fit zu halten.

Mit den Medien unserer triathlon-Gruppe mit all ihren Zeitschriftenausgaben, der Website, den Büchern stellen wir stets den Leser und User in den Vordergrund. Dessen Bedürfnisse - Ihre Bedürfnisse - sind es, die uns antreiben und über die wir berichten. Diese Bedürfnisse sind uns (und das ist in der heutigen Medienwelt, auch im Triathlon, nicht selbstverständlich) wichtiger als die der Industrie, von Verbänden und Veranstaltern. Darum hatte ich vor drei Jahren auch kein Problem damit, mich übergewichtig und untertrainiert an die Startlinie meiner ersten Mitteldistanz nach 16 Jahren zu stellen und darüber einen Selfie-Film zu machen. Oder ich scheue auch nicht die Mühe, am Ende eines schon fast 20-stündigen Arbeitstages noch einmal die Kamera anzuschalten und an der Ziellinie einer Langdistanz auf die letzten Finisher zu warten, auch wenn andere Journalisten schon längst geduscht und gefüttert im Hotelzimmer schlummern. Denn für mich sind natürlich alle Triathleten Sportler - und das Augenzwinkern, das in der Anekdote steckte, galt auch mir.

Und so ist für mich die Frage, was ich nach Ablauf der nächsten 99 Tage machen werde, jetzt schon beantwortet: Sport! Wahrscheinlich ohne Leistungsdiagnostiken, Diätpläne und Bikefittings, ohne Langdistanzziele und wohl auch viel öfter ohne Pulsgurt. Aber ganz sicher mit genauso viel Spaß!