Wie Achtsamkeit helfen kann

Achtsamkeitstraining - das klingt nach Hokuspokus. Doch vielleicht können Triathleten davon profitieren? Eine Bestandsaufnahme von Melanie Mack von Racing Aloha.

Von > | 28. März 2017 | Aus: TRAINING

Melanie Mack vom Team Racing Aloha.

Melanie Mack vom Team Racing Aloha.

Foto >Kilian Kreb

Achtsamkeitstraining – klingt irgendwie spirituell, unwissenschaftlich und nach Hokuspokus. Trotzdem wird es gerade gehypt. Es soll Stress reduzieren, zu mehr Wohlbefinden führen und letztlich die Leistungsfähigkeit im Alltag und sogar im Sport steigern. Aber was taugt es wirklich? Und können auch wir Triathleten davon profitieren?

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit kommt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition und Meditationslehre. Achtsam sein bedeutet eine nicht wertende und nicht geteilte Aufmerksamkeit auf die augenblickliche Erfahrung zu lenken, was konkret Folgendes bedeutet:

  • Wir sind uns bewusst, dass wir im Moment etwas bestimmtes tun und verlieren uns dabei nicht.
  • Wir lassen uns nicht von Grübeleien, Gefühlen oder anderen Dingen um uns herum ablenken.
  • Wir beurteilen oder bewerten nicht das Wahrgenommene, auch wenn wir Vorurteile und Vorerfahrungen diesbezüglich haben.
  • Wir sind uns bewusst, dass unsere Sichtweise nicht die einzig richtige ist und es unterschiedliche Perspektiven geben kann.

Was bedeutet das in der Praxis?

Aufmerksamkeit für das Detail

Bei der Summe der zu absolvierenden Trainingseinheiten kann man leicht mal die Aufmerksamkeit für das Detail vergessen. Eine Schwimmeinheit, die einfach abgespult wird, ohne dabei auf eine saubere Technik zu achten, bringt aber recht wenig. Wenn dies öfters der Fall ist, kann es sogar zu einer Leistungsverschlechterung kommen, da sich diese Technik irgendwann automatisiert. Ähnliches gilt für Intervalltraining: Wenn man sich nicht darauf konzentriert, die angegebenen Intervall- und Pausenzeiten einzuhalten, verändert sich der Effekt des Trainings und das Ziel der Trainingseinheit wird womöglich nicht erreicht. Aber nicht nur im Training, sondern auch im Wettkampf ist Achtsamkeit wichtig. Wir können nicht die volle Leistung aus uns herausholen, wenn wir währenddessen daran denken, was wir nächste Woche noch alles erledigen müssen.

Signale des Körpers deuten

Um die Verletzungsgefahr zu verringern und möglichst qualitativ hochwertig zu trainieren, ist es von Vorteil, die Signale unseres Körpers deuten zu können. Oft wird eine Trainingseinheit absolviert, obwohl uns gerade gar nicht danach ist. Wir sind müde von der Arbeit oder hatten schlecht geschlafen und sind deswegen noch nicht vollständig von der letzten Trainingseinheit regeneriert. Trotzdem quälen wir uns auf die Bahn, um Intervalle zu laufen. Viel sinnvoller wäre es aber wahrscheinlich, diese Trainingseinheit auf das kommende Wochenende oder einen entspannteren Tag zu schieben und stattdessen einfach einen lockeren Dauerlauf zu absolvieren, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Wenn man während des Trainings nicht in sich hineinhört und achtsam ist, steigt auch die Verletzungsgefahr. Beim Radfahren passieren schnell Unfälle, durch falsche Technik wird der Bewegungsapparat falsch belastet, aber auch Anzeichen einer Überlastungserscheinung werden nicht bemerkt oder sogar ignoriert.

Wie kann ich achtsamer werden?

Wenn wir uns vor jeder Trainingseinheit vornehmen, diese konzentriert und aufmerksam durchzuführen, und danach erörtern, ob wir das auch geschafft haben ist das schon einmal ein guter Anfang. Ansonsten sind Übungen zur Körperwahrnehmung eine gute Strategie um Achtsamkeit zu erlernen. Eine sehr schöne Partnerübung ist beispielsweise die Augen zu schließen und die andere Person zu bitten dich an einer beliebigen Stelle des Körpers anzutippen. Versuche, mit immer noch geschlossenen Augen mit deinem eigenen Finger so genau wie möglich auf die Körperstelle zu deuten. Yoga und Meditation sind ebenfalls gute Möglichkeiten, Achtsamkeit zu trainieren.

Außerdem gibt es auch extra für den Sport entwickelte achtsamkeitsbasierte Interventionsprogramme, zum Beispiel das „Mindful Sports Performance Enhancement“ (MSPE). Diese Programme enthalten verschiedene Techniken und Übungen, die speziell auf Sportler zugeschnitten sind, die Wirksamkeit solcher Programme wurde sogar wissenschaftlich überprüft und bestätigt.

Fazit

Durch das Training der Achtsamkeit können wir lernen, die Signale unseres Körpers besser zu deuten und die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was wir in diesem Moment tun. Dabei versucht man den ständigen Strom an Bewertungen und sonstigen Gedanken zu stoppen. Das macht uns nicht nur eigenständiger, weil wir lernen uns selber zu lesen und auf das Detail zu achten, sondern führt auch dazu, dass wir Aufgaben konzentrierter, schneller und dadurch besser bewältigen können. Mehr Achtsamkeit kann im Sport, aber auch in allen anderen Lebensbereichen hilfreich sein.