Die Woche vor dem Ironman-Debüt

Am Sonntag startet Thorsten Schröder wieder beim Ironman in Frankfurt. 2012 brachte der Dienstplan seine Vorbereitung gehörig ins Wanken.

Von > | 4. Juli 2017 | Aus: TRAINING

Thorsten Schröder | Die Vorbereitung mit vielen Trainingsstunden im Wasser, auf dem Rad und in Laufschuhen lief perfekt für Nachrichtensprecher Thorsten Schröder, bis ihm eine Woche vor dem Start sein Dienstplan einen Strich durch alle Pläne machte.

Die Vorbereitung mit vielen Trainingsstunden im Wasser, auf dem Rad und in Laufschuhen lief perfekt für Nachrichtensprecher Thorsten Schröder, bis ihm eine Woche vor dem Start sein Dienstplan einen Strich durch alle Pläne machte.

Foto >Frank Wechsel

Der Tag der Wahrheit rückt unerbittlich näher, in einer Woche um diese Zeit sitze ich schon in Frankfurt auf dem Rad und kämpfe mich über die Langdistanz. Das ist die Phase, in der Trainer und Athletsich an die allerletzten Schritte der Vorbereitung machen: Taktikbesprechung für das Rennen. Trainer Steppke schwört mich auf den großen Tag ein. Sein wichtigster Satz gleich am Anfang: "Stell dir im Rennen vor, dass du einen langen, ruhigen Trainingstag absolvierst."
Eine halbe Stunde später habe ich eine lange To-do- und Zu-beachten-Liste erstellt:

  • In der Woche vor dem Rennen besonders auf die Ernährung achten: viele Kohlenhydrate, Proteine (zum Beispiel mehr Fisch), wenig Fett!
  • Am Tag vor dem Rennen viel trinken, Flüssigkeits- und Kohlenhy­dratspeicher auffüllen!
  • Am Abend vor dem Rennen frühzeitig essen, gegen 19 Uhr, und zwar leicht Bekömmliches, also Nudeln mit einfacher Tomatensoße beispielsweise, bloß keine Magenprobleme riskieren
  • Am Renntag zum Frühstück Toast mit Honig und Marmelade essen!
  • Vor dem Start die Wechselzone abgehen und mit den Wegen vertraut machen, auch die Schwimmstrecke angucken!
  • Zehn Minuten vor dem Start ein Kohlenhydratgel als Grundlage!
  • Maßgabe beim Schwimmen: entspannt ins Ziel kommen
  • Eigenes Tempo durchschwimmen, auf die Technik achten!
  • Beim Radfahren gleich zu Beginn etwas trinken und essen, später an jeder Verpflegungsstelle eine Flasche mitnehmen, abwechselnd Isogetränk und Wasser!
  • Auf dem Rad drei Gels oder eineinhalb Riegel pro Stunde essen!
  • Ab der Hälfte der Radstrecke Salztabletten lutschen, um den Mineral­verlust auszugleichen!
  • Tempo im GA1-/GA2-Bereich halten, nicht über die Schwelle!
  •  20 Kilometer vor der zweiten Wechselzone essen und trinken und mit einer höheren Trittfrequenz für lockerere Beine beim Laufen sorgen!
  • Das Laufen langsam und entspannt beginnen!
  • Die ersten Kilometer in einem Schnitt von 6 Minuten pro Kilometer laufen, später auf 5:30 Minuten steigern!
  • Zwei Gels pro Stunde, wenn der Magen mitspielt!
  • Kopf und Arme kühlen, wenn es heiß ist!
  • Und immer den Zieleinlauf auf dem Frankfurter Römer visualisieren. Das kann über kritische Momente hinweghelfen!

Die letzten Tage vor dem Wettkampf lasse ich ruhig angehen, nur noch wenige kurze Einheiten stehen auf dem Programm. Es geht darum, den Körper wach zu halten, damit er nicht denkt, er könne sich schon vollends auf die faule Haut legen. Nichts da! Er darf nur etwas kürzer treten, bevor er am Sonntag alles, wirklich alles geben muss.

Dienstplan-Debakel

Meine Vorbereitung ist fast abgeschlossen, ich bin fit und bereit – und dann dieses große Desaster! Monatelang plane ich minutiös den größten Sporttag meines Lebens und mache kurz davor einen unfassbaren, riesengroßen Fehler. Der kann mich teuer zu stehen kommen. Ich erlebe ein Dienstplan-Debakel, das ich mir selbst eingebrockt habe. Weil ich nicht im Traum daran gedacht habe, dass ausgerechnet kurz vor dem Frankfurt-Wochenende bei der "Tagesschau" Personalmangel herrschen könnte. Ich ärgere mich maßlos über mich selbst, denn ich hätte mir einfach rechtzeitig ein paar Tage freinehmen sollen. Oder mich zumindest von den Extremschichten befreien lassen sollen. Doch nun muss ich vor dem sportlich spannendsten Tag in meinem Leben Dienste schieben, die an die Substanz gehen: Dienst in der Nacht auf Donnerstag, letzte Sendung gegen fünf Uhr früh. Dann ausschlafen bis mittags, um abends schon wieder für den nächsten Einsatz fit zu sein. Denn ich stehe für die 20-Uhr-Sendung auf dem Dienstplan und für die "Tagesthemen". Dienstschluss um 23 Uhr. Wenn das alles wäre … Ist es aber nicht, ganz im Gegenteil, jetzt kommt das Schlimmste: Die Nacht wird ultrakurz, weil mich am nächsten Morgen der ­Wecker schon um Viertel nach vier aus dem Bett schmeißt: Antreten zu den "Tagesschau"-Frühausgaben im "Morgenmagazin", arbeiten bis um zehn Uhr.
Hatte ich jemals so verquere Dienste? Ich kann mich nicht erinnern. Aber selbstverständlich habe ich sie unmittelbar vor dem Tag, an dem ich so fit, frisch und wach sein muss wie nie zuvor. Großartig! Nach dem Frühdienst am Freitag werde ich mit gehörigem Schlafdefizit wie im Delirium in der Bahn nach Frankfurt sitzen. Grandiose Planung, Herr Schröder!