Calima ist wie Mumuku mit Sand

Am drittletzten Radfahrtag seines Trainingslagers auf Fuerteventura begegnete unser Herausgeber Frank Wechsel dem Calima. Das ist so etwas wie der Mumuku mit Sand.

Von > | 1. April 2017 | Aus: TRAINING

Kaffeepause im Radfahrerziel Pulido Alonso in Antigua auf Fuerteventura.

Kaffeepause im Radfahrerziel Pulido Alonso in Antigua auf Fuerteventura.

Foto >Andrea Schnitzius

Nicht der Wecker, sondern der Wind weckt mich am sechsten Tag meines Trainingslagers auf Fuerteventura. Er rüttelt bereits an den Palmen und Fensterscheiben und kündigt an: Heute wird es ungemütlich. Dabei sind die ersten Schritte vor meiner Vivienda alles andere als das – denn im Gegensatz zu anderen Morgenstunden ist es schon ziemlich warm. Es herrscht Calima-Wetterlage. Wüstenwind.

2 Kilometer Technique

Der Wüstenwind ist mir jedoch am frühen Morgen egal. Im Pool merkt man zwar auch, ob man gerade mit oder ohne Rückenwind schwimmt. Aber eine Gerade hat eben nur diese 50 Meter und so ist das Gegendenwindschwimmen immer schnell vorbei. Zumal es heute sehr viel um Technik geht, oder Technique, wie die bezaubernde Trainerin Julie es ausdrückt. Eine Stunde, über zwei Kilometer, Technik, bis zum Ausschwimmen. Schon ausschwimmen? Mooooment, nicht so schnell: Rolf und ich protestieren. Wir wollen sprinten. Zweimal dürfen wir noch über 25 Meter antreten, zweimal kassiere ich eine Niederlage – wenn auch knapp! Wenn ich weiter so aufhole: Am kommenden Sonntag, lieber Rolf, da hätte ich dich geknackt! Aber dann bist du schon abgereist. Gutes Timing ist im Sport viel wert. Revanche im kommenden Jahr?

Sand in der Luft

Bei dieser warmen Luft habe ich kaum Frühstückshunger. Heißer Kaffee geht natürlich trotzdem, ich habe es mehrfach ausprobiert. Und dann heißt es umziehen, meine Mitstreiter für die zweitlängste Etappe dieses Trainingslagers warten. Um 10.30 Uhr treffen wir uns am Kreisel: Thorsten, der auf die Hawaii-Quali hinarbeitet, Marcus, der die Hawaii-Quali quasi mit jedem Start in der Tasche hat, und dessen Frau Andrea, die wie ich in Hamburg starten wird. Fünf Stunden wollen wir radeln – die ersten drei geht es erst mal gegen den Wind. Der Calima ist der Mumuku der Kanaren – ein lokales Windphänomen, das, egal in welche Richtung man radelt, immer von vorn kommt. Es ist diesig, die Luft ist voller Sand. Die Nase läuft, und knirscht es nicht so langsam auch zwischen den Zähnen?

Cafe con leche sin azucar

Ich muss mir den Mund freispülen, erst mit (kohlenhydratfreien) Getränken aus der Radflasche, dann mit Kaffee (sin azucar, wie sich versteht). Nur auf Sandkuchen habe ich keine Lust, aber die Bäckerei Pulido Alonso, die Radfahrer so magisch anzieht, hat heute Apfelkuchen in der Auslage. Nur noch zwei Stücke liegen dort, und draußen fährt gerade ein großer Pulk radelnder Briten vor. Die Bestellung ist quasi Notwehr. Nach vier zuckerfreien Stunden wird mein Coach Marc Sauer von STAPS hoffentlich nicht gleich anrufen, wenn er diesen Beitrag liest.

Nach zwei Tempoeinheiten Kaffee und Kuchen verabschiede mich von meiner unterwegs um zwei weitere Triathleten gewachsenen Gruppe und fahre die letzten 32 Kilometer allein nach Hause. Es sind die schnellsten Kilometer des Tages – nicht, weil die anderen nicht mehr dabei sind, sondern weil der Calima nun mein Freund ist. Pünktlich zu einem verabredeten Fotoshooting bin ich mit 120 Kilometern in den Beinen zurück in Las Playitas, wo es am Abend immer windiger wird. Ob ich den Calima auch morgen bezwingen kann?

Franks Trainingslager auf Fuerteventura 2017

Las Playitas, Fuerteventura (Spanien)

Tag

Swim (km)

Bike (km)

Bike (HM)

Run

Total (h)

So., 26.3.

3,2

82,6

1.332

6,7

4:54

Mo., 27.3.

2,5

92,9

1.473

12,1

5:59

Di., 28.3.

2,5

109,0

1.541

5:48

Mi., 29.3.

0:00

Do., 30.3.

2,2

87,0

1.363

3,7

4:47

Fr., 31.3.

2,3

120,7

1.246

5:42

Sa., 1.4.

82,3

993

5,0

4:01

So., 2.4.

200,5

2.949

7:57

Mo., 3.4.

2,4

0:54

Summe

15,1

775,0

10.897

27,5

40:02

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