Alistair Brownlee gewinnt das Finale - Javier Gómez ist Weltmeister

Javier Gómez hat die World Triathlon Series 2014 für sich entschieden. Im WM-Finale dominierte zwar Alistair Brownlee, sein Bruder Jonathan musste sich am Ende aber mit WM-Bronze hinter Gómez und dessen Landsmann Mario Mola begnügen. Gregor Buchholz beendete die WM-Saison auf Platz elf.

Von > | 31. August 2014 | Aus: SZENE

Javier Gomez | Spitzenposition verteidigt: Javier Gomez bleibt Weltmeister.

Spitzenposition verteidigt: Javier Gomez bleibt Weltmeister.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Als erster männlicher Triathlet seit Einführung der WM-Serie im Jahr 2009 hat Javier Gómez seinen Weltmeistertitel verteidigt. In einem taktisch geprägten WM-Finalrennen in Edmonton reichte dem Galizier der dritte Rang, um sich zum vierten Mal zum ITU-Kurzdistanz-Weltmeister zu krönen. Den Tagessieg sicherte sich Alistair Brownlee, der sich zu Beginn des Rennens zunächst in die Dienste seines jüngeren Bruders Jonathan gestellt hatte, weil es für den im Dreikampf mit Javier Gómez und Mario Mola noch um den möglichen Gewinn der Weltmeisterschaft ging.

Jonathan Brownlee vergibt die unverhoffte Chance

Dafür hätte der jüngere der beiden Brownlee-Brüder das Rennen gewinnen müssen, während Gómez nicht besser als auf Rang fünf hätte ins Ziel kommen dürfen. Eine schwierige Aufgabe für Jonathan Brownlee - aber eine, die bei cleverer taktischer Zusammenarbeit mit seinem Bruder nicht unlösbar schien. Und so gingen die beiden das Rennen auch mit Fokus auf den möglichen Titelgewinn an, obwohl der jüngere der beiden Brüder beim Schwimmen sogleich die große Chance, Gómez zu distanzieren, ungenutzt ließ: Gómez verlor beim Schwimmen zwar rund 15 Sekunden auf die Spitze um Richard Varga (SVK) und Alistair Brownlee (GBR), doch Jonathan Brownlee hatte sich am Start direkt neben Gómez postiert, konnte sich aus dieser Position heraus ebenfalls nicht lösen und stieg an der Seite von Gómez aus dem Wasser. So mussten die beiden zunächst die Verfolgung einer sechs Mann großen Spitzengruppe um Alistair Brownlee aufnehmen, ehe sich an der Spitze eine 22 Mann große Gruppe zusammenfand, in der nur Mario Mola (ESP) und Joao Pereira (POR) fehlten, die 30 Sekunden hinter der Spitze in einer großen Verfolgergruppe fuhren. Gregor Buchholz und Richard Murray, zwei weitere gute Läufer, verloren beim Schwimmen deutlich über eine Minute und fielen auf der Radstrecke noch weiter zurück. Nach einer von vier Laufrunden nahm das DTU-Trainergespann den infektgeschwächten Buchholz letztlich aus dem Rennen, auch Franz Löschke gab den Wettkampf mit gesundheitlichen Beschwerden vorzeitig auf.

Die Brownlees hatten den Versuch, den WM-Titel wieder in die Familie zu holen, dagegen trotz der vergebenen ersten Chance noch nicht aufgegeben: Immer wieder setzte Alistair Brownlee Nadelstiche an der Spitze des Feldes und zog mehrere Athleten mit sich, doch Jonathan Brownlee konnte er damit nicht von Javier Gómez lösen. "Ich habe versucht, Johny irgendwie von Javier Gomez abzuschneiden, aber es hat nicht funktioniert", sagte Alistair Brownlee später im Ziel. "Es war ein sehr taktisches Rennen. Die Brownlees haben viel versucht und sie hatten einige Helfer in der Gruppe, die mich unter Druck gesetzt haben, aber ich wusste: Ich muss einfach nur an Jonathan dranbleiben", meinte Gómez. Die beiden britischen Brüder engagierten sich, anders als üblich, in der Tempoarbeit kaum, um auch die schnellen Läufer Pereira und Mola, die in der Verfolgergruppe stark von Steffen Justus' Tempoarbeit profitierten, nach 25 Kilometern zur Spitzengruppe aufschließen zu lassen. Dann attackierte der ältere der beiden Brownlee-Brüder noch einmal - und Gómez ließ ihn gewähren.

"Der Kampf gegen Alistair war heute nicht mein Krieg"

"Irgendwann habe ich realisiert, dass ich Jonathan nicht von Javier abschneiden kann. Deswegen habe ich meine eigene Siegchance gesucht - und weil ich mich läuferisch im Vorfeld nicht so gut gefühlt habe, konnten ein paar Sekunden Vorsprung da nicht schaden", begründete später Alistair, warum er sich, bald begleitet von Reinaldo Colucci (BRA) und Kristian Blummenfelt (NOR), vom Feld zu lösen versuchte - und spielerisch leicht wegzog. Binnen zehn Kilometern bis zum zweiten Wechsel erarbeiteten sich die drei Ausreißer 80 Sekunden Vorsprung auf die Verfolger. "Das war heute nicht mein Krieg", begründete Gómez, warum er dem älteren Brownlee nicht nachsetzte. "Für mich ging es in diesem Finale nur um den Titel."

So konnte Alistair Brownlee an der Spitze ungefährdet zum Sieg im Grand Final laufen, obwohl er auf den letzten vier Kilometern noch deutlich an Zeit auf die Verfolger verlor. Und auch der Kampf um die WM-Spitze, der knapp hinter Brownlee tobte, war schnell entschieden: Javier Gómez machte früh deutlich, dass er sich von seinen gesundheitlichen Problemen in Stockholm erholt hatte und setzte Jonathan Brownlee und Mario Mola an seinen Fersen unter Druck. Nach acht Laufkilometern, als die Ausreißer Colucci und Blummenfelt längst gestellt waren, musste dann sogar Brownlee selbst zurückstecken: Er verlor den Anschluss an seine beiden spanischen Begleiter und rutschte somit sogar noch vom Silberrang, den mit dem stärkeren Schluss-Spurt im Duell mit seinem Landsmann der überglückliche Spanier Mario Mola übernahm. Alistair Brownlee schob sich mit dem Tagessieg im Gesamtklassement auf Rang vier hinter seinen Bruder Jonathan, Gregor Buchholz beendete die WM-Saison 2014 auch ohne Final-Ergebnis auf dem guten elften Rang. Steffen Justus lief aus dem großen Hauptfeld heraus trotz verletzungsbedingt geringer Laufumfänge auf den 24. Platz und beendete die WM-Saison damit als zweitbester Deutscher auf Platz 20.

ITU World Triathlon Series Grand Final

  1. August 2014, Edmonton (CAN)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

43,2 km Bike

10 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

1:48:44

17:10

0:59:11

30:57

2

Mario Mola

ESP

1:49:04

17:50

1:00:03

29:49

3

Javier Gómez

ESP

1:49:07

17:26

1:00:27

29:57

4

Jonathan Brownlee

GBR

1:49:22

17:23

1:00:24

30:12

5

Joao Pereira

POR

1:49:44

17:50

1:00:04

30:34

6

Crisanto Grajales

MEX

1:49:48

17:52

0:59:55

30:31

7

Jarrod Shoemaker

USA

1:49:50

17:35

1:00:15

30:35

8

Joao Silva

POR

1:49:55

17:56

0:59:54

30:36

9

Dmitry Polyanskiy

RUS

1:50:19

17:25

1:00:30

31:05

10

Reinaldo Colucci

BRA

1:50:29

17:56

0:58:23

32:41

24

Steffen Justus

GER

1:51:06

17:38

1:00:12

31:52

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