Alistair Brownlee gewinnt in London, Bruder Jonathan frustriert

Alistair Brownlee hat sich in seinem Heimrennen seinen zweiten Saisonsieg gesichert. In London fackelte der Olympiasieger auf der Laufstrecke nicht lang und ließ der Konkurrenz keine Chance. Bruder Jonathan zeigte sich nach einem frühen Defekt frustriert, das deutsche Team erkämpfte solide Ergebnisse.

Von > | 31. Mai 2015 | Aus: SZENE

Alistair Brownlee | Die \"White rose of York\" in der Hand: Alistair Brownlee gewinnt in London

Die "White rose of York" in der Hand: Alistair Brownlee gewinnt in London

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Wenn sie in London ins Ziel kommen, haben sich Jonathan und Alistair Brownlee selten Nettigkeiten füreinander ausgedacht. Im Jahr 2013, als Jonathan beim Grand Final im Hyde Park den WM-Titel im Zielsprint gegen Javier Gómez verlor, bezeichnete ihn sein Bruder Alistair vor den Kameras der BBC als "taktischen Idioten". Nach Alistairs Triumph in diesem Jahr rächte sich der jüngere Brownlee und verkündete gegenüber den Pressevertretern, "zu gewinnen, ohne, dass Javier Gómez hier war, ist kein vollwertiger Erfolg." Und vielleicht wollte er zwischen den Zeilen auch sagen: Ein Sieg, ohne, dass ich selbst in das Rennen eingreifen durfte, ist für Alistair höchstens die Hälfte wert.

Jonathan Brownlee kämpft vergeblich

Denn während Gómez das Rennen in London gänzlich ausließ, war Alistair im Hyde Park auch seinen jüngeren Bruder schnell los. Zwar schwammen die Brüder auf den 750 Metern gewohnt stark. Sie stiegen nur kurz nach den Spezialisten Henri Schoeman (RSA) und Richard Varga (SVK) aus dem Lake Serpentine und schienen auf dem besten Wege, eine kleine Spitzengruppe zu eröffnen, da Mario Mola (ESP) und Richard Murray (RSA) erwartungsgemäß einige Sekunden auf die Spitze verloren hatten. Doch bereits nach wenigen Metern in der zweiten Disziplin musste der jüngere der beiden Brownlee-Brüder anhalten und ein Rad wechseln: Ein Platten warf ihn über eine Minute weit zurück, wodurch das Rennen für ihn auf der rasanten Sprintdistanz praktisch gelaufen war, auch wenn er bis zum Schluss verbissen kämpfte, um der Spitze wieder etwas näher zu rücken. Das Rennen beendete er letztlich auf dem 42. Platz.

"Ich habe das zunächst gar nicht mitgekriegt. Ich habe nach ihm gesucht, aber ihn nicht gefunden. Nach einer Runde habe ich einen Coach angeschrien und gefragt, wo Jonathan ist. Erst dann habe ich von dem Platten gehört", erzählte Alistair im Ziel. Dennoch wurde sich an der Spitze nicht zurückgehalten, weswegen die Aufholjagd von Jonathan Brownlee zum Scheitern verurteilt war: Eine 18 Mann große Spitzengruppe um Alistair Brownlee, den Deutschen Justus Nieschlag, die "ehemaligen" Deutschen Jonas Schomburg (TUR) und Stefan Zachäus (LUX) sowie unter anderem Fernando Alarza (ESP) und die Franzosen Vincent Luis und Dorian Coninx sorgte für ein hohes Tempo. Sie hielten sich so auch die große Verfolgergruppe mit Mola, Murray und den beiden Deutschen Steffen Justus und Gregor Buchholz vom Leib, die konstant rund 40 Sekunden hinter der Spitze fuhr. Bis zum zweiten Wechsel nach 20 Radkilometern sollte sich an dieser Konstellation nicht viel ändern.

Alistair Brownlee greift früh an

Auch beim zweiten Wechsel leistete sich keiner der Männer in der Spitzengruppe eine Schwäche - und so zog ein geschlossenes, 18 Mann großes Feld auf die Laufstrecke. Tony Dodds sorgte dort zunächst für das Tempo und dünnte die Gruppe etwas aus, bis es Alistair Brownlee zu langweilig wurde: Nach zwei Kilometern zog der Brite an, blickte sich über die Schulter um - und sah, dass seine größten Konkurrenten Alarza und Luis nicht sofort folgen konnten. Also intensivierte der Olympiasieger seine Attacke und setzte sich deutlich vom Feld ab. Einen Kilometer lang kämpften der Franzose und der Spanier gemeinsam mit Ryan Bailie (AUS) noch um den Anschluss an Brownlee, dann gaben sie sich doch geschlagen und konzentrierten sich auf den Kampf um Silber. Mit der weissen Rose von Yorkshire auf einer Flagge hinter seinem Oberkörper aufgespannt, feierte Brownlee auf den letzten 500 Metern mit dem Publikum seinen Sieg. Den zweiten Rang erkämpfte mit einem furiosen Antritt etwa 600 Meter vor dem Ziel Fernando Alarza vor Vincent Luis, der auf den letzten Metern den Australier Bailie übersprintete.

“Zum ersten Mal seit einer sehr langen Zeit habe ich mich heute in einem Rennen wirklich wieder körperlich fit gefühlt. Dass Mola und Murray die Spitzengruppe verpasst haben, hat mir das Leben dann natürlich gleich eine ganze Ecke erleichtert", erzählte im Ziel Alistair, der auch Jonathans kleiner Stichelei nicht widersprechen wollte. Justus Nieschlag sicherte sich aus der Spitzengruppe heraus als Neunter die erhoffte Top-Ten-Platzierung, auch Gregor Buchholz und Steffen Justus zeigten auf der Laufstrecke gute Rennen und machten noch Platzierungen gut. Läufer des Tages aber war Richard Murray: 20 Sekunden schneller über die fünf Laufkilometer als Alistair Brownlee, stürmte der Südafrikaner aus der Verfolgergruppe noch bis auf Rang fünf nach vorn. „Wir sind angetreten, um Punkte zu sammeln, und das haben wir geschafft“, erklärte DTU-Cheftrainer Ralf Ebli im Ziel zufrieden.

ITU World Triathlon London

  1. Mai 2015, London (GBR)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

20 km Bike

5 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

50:39

8:41

26:11

14:32

2

Fernando Alarza

ESP

50:51

8:49

26:11

14:43

3

Vincent Luis

FRA

50:57

8:47

26:14

14:50

4

Ryan Bailie

AUS

50:58

8:42

26:18

14:51

5

Richard Murray

RSA

51:01

9:21

26:18

14:12

6

Dorian Coninx

FRA

51:06

8:45

26:14

14:58

7

Henri Schoeman

RSA

51:08

8:34

26:24

14:58

8

Tony Dodds

NZL

51:10

8:43

26:17

15:03

9

Justus Nieschlag

GER

51:12

8:52

26:07

15:06

10

Tyler Mislawchuck

CAN

51:14

8:54

26:05

15:05

16

Gregor Buchholz

GER

51:23

9:13

26:21

14:36

18

Steffen Justus

GER

51:30

9:05

26:32

14:39

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