Anne Haug kämpft um die Pole-Position

Das WM-Rennen in Stockholm ist die letzte Chance für die Konkurrenz, Anne Haug vor dem Grand Final noch etwas näher zu rücken - und für die Deutsche die Gelegenheit, sich sogar noch ein klein wenig weiter abzusetzen. Die Vorzeichen könnten für Haug kaum besser stehen.

Von > | 23. August 2013 | Aus: SZENE

Anne Haug siegt in Hamburg | Anne Haug siegt beim ITU World Triathlon Hamburg 2013.

Anne Haug siegt beim ITU World Triathlon Hamburg 2013.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Zwingend nötig hätte Anne Haug den Flug nach Stockholm eigentlich nicht, sie könnte sich auch guten Gewissens ganz fokussiert auf das Weltmeisterschafts-Finale in London in drei Wochen vorbereiten. Doch wenn sie nun schon tatsächlich die Chance hat, sich als erste Deutsche zur Kurzdistanz-Weltmeisterin zu krönen, will Haug auch alles dafür tun - und nichts dem Zufall überlassen. Selbst wenn der Erfolg letztlich nur darin bestehen sollte, zu verhindern, dass die größten Konkurrentinnen ihr Punktekonto vor dem Grand Final auf dem Olympiakurs noch ordentlich aufstocken - also auch ohne selbst zwingend in Form von weiteren Punkten zu profitieren.

Strecke, Fraktur, Ergebnisse - viel spricht für Haug

Denn stark verbessern kann Anne Haug sich in Stockholm nicht mehr: Bis zu vier Ergebnisse aus normalen Serienrennen zählen bis zum Finale in die Wertung - und ihr schwächstes dieser vier Ergebnisse ist Anne Haugs dritter Platz vom Bergrennen in Kitzühel. Maximal 115 Zähler könnte sie im Falle eines Sieges so noch auf ihre zur Zeit 3.025 Punkte drauflegen, bevor es in London um die anderthalbfache Punktzahl - also bis zu 1.200 Zähler - geht. Um bis zu diesem Rennen im Ranking auch wirklich die Gejagte zu bleiben, möglichst mit einem kleinen Polster in den Hyde Park zu reisen, ist es für die 30-Jährige also sinnvoll, das Rennen in Stockholm für die größten Konkurrentinnen so schwierig wie nur möglich zu gestalten. Und beispielsweise auf der Radstrecke womöglich noch etwas mehr zu riskieren als ohnehin schon.

Diese Konkurrentinnen im Kampf um die Weltmeisterschafts-Krone sind in erster Linie die Britinnen Non Stanford, Jodie Stimpson und die US-Amerikanerin Gwen Jorgensen - und Anne Haug hat tatsächlich gute Chancen, sie alle auf Distanz zu halten. Denn die ehemalige Trainingskollegin der Deutschen und wohl stärkste Radfahrerin dieses Trios, Jodie Stimpson, müsste wie Haug auch mindestens Zweite werden, um das schwächste ihrer vier Ergebnisse zu toppen - hat also nicht mehr viel Potenzial für Verbesserungen. Jorgensen, die angesichts des topfebenen Kurses im Hyde Park und ihrer enormen läuferischen Stärke wohl als Favoritin auf den Final-Sieg gelten muss, hat häufig noch Probleme auf anspruchsvollen Radstrecken. Und eine solche wartet auch wieder in Stockholm, wo das Feld binnen 40 Kilometern neun Mal den steilen Anstieg vor dem Königspalast, den Slotsbakken, hinaufklettern muss. Die Dritte im Bunde, Non Stanford, hätte im Ranking noch am meisten Luft nach oben. Allerdings hatte sie sich bei ihrem Unfall beim Team-Rennen in Hamburg den Arm gebrochen, was die Ärzte erst mit über einwöchiger Verspätung diagnostizierten. Ob sich Stanford so tatsächlich richtig vorbereiten konnte, und ob sie den Mut haben wird, an den Bojen auch in den berüchtigten ITU-Nahkampf zu gehen, darf zumindest bezweifelt werden.

World Triathlon Series 2013 | Frauen

Stand nach 6 von 7 Serienrennen

Name

Nation

Mögliches Streichergebnis

Gesamtpunkte

1

Anne Haug

GER

  1. (685)

3.025

2

Jodie Stimpson

GBR

  1. (685)

2.855

3

Gwen Jorgensen

USA

  1. (542)

2.775

4

Non Stanford

GBR

  1. (248)

2.528

5

Ashleigh Gentle

AUS

  1. (429)

2.077

6

Andrea Hewitt

NZL

  1. (269)

2.077

15

Anja Knapp

GER

  1. (144)

1.269

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Nordén kehrt zurück, DTU-Trio auf Top-Ten-Jagd

Und es ist ja nicht nur Anne Haug selbst, die den Konkurrentinnen Punkte stehlen könnte - in Stockholm kommen kurz vor dem Grand Final auch einige weitere der besten Kurzdistanzlerinnen zusammen, auch wenn die im Ranking wegen verpasster Rennen, Stürzen oder Defekten zum Teil nur noch geringe Podestchancen haben. Andrea Hewitt (NZL) und Rachel Klamer (NED) dürfte vor allem an einem schnellen Schwimmen und Radfahren Interesse haben. Sie könnten sogar einen Fluchtversuch, beispielsweise mit der starken Schwimm-Radfahrerin Pamela Olivier (BRA) und der angriffslustigen US-Amerikanerin Sarah Groff, wagen. Klamers Nationalmannschaftskollegin und Vorjahreszweite Maaike Caelers dagegen, noch unkonstant in der Auftaktdisziplin, könnte nach dem Schwimmen unter Umständen gemeinsam mit Haug erst die Verfolgungs-, dann die Tempoarbeit an der Spitze übernehmen - und letztlich, wie die Deutsche, das Rennen auch läuferisch für sich entscheiden. Bei ihrem Heimspiel greift außerdem erstmals seit dem Grand Final 2012 die amtierende Weltmeisterin Lisa Nordén wieder ins Renngeschehen ein. Team Großbritannien entsendet in U23-Europameisterin Lois Rosindale zudem eine nur schwer einzuschätzende, mindestens aber hochtalentierte Athletin.

Wohl kaum in den Kampf um den Sieg, wohl aber in den um Top-Ten-Platzierungen können zudem Anja Knapp, Rebecca Robisch und die Überraschungs-Neunte von Hamburg, Hanna Philippin, eingreifen. Zumal sie alle auch gute Chancen haben, nach dem Schwimmen in der Führungsgruppe zu landen, von wo aus sie das Rennen auch taktisch zu ihren eigenen oder den Gunsten Anne Haugs mitsteuern könnten. Gestartet wird in Stockholm am Samstag um 13:20 Uhr, tri-mag.de berichtet zeitnah nach dem Zieleinlauf. Ab 16:30 Uhr soll es außerdem einen 25-minütigen Nachbericht zum Wettkampf in der ARD Sportschau geben.