Anne Haug löst das Ticket nach Rio de Janeiro

Anne Haug kann für ihre zweiten Olympischen Spiele planen. In Rio de Janeiro gelang ihr dank der besten Schwimmleistung ihrer Karriere die frühzeitige Qualifikation für 2016. Im Kampf um den Sieg war Gwen Jorgensen aber erneut nicht zu schlagen.

Von > | 2. August 2015 | Aus: SZENE

Anne Haug - London 2014 | Anne Haug fällt nach dem London-Sturz länger aus als erhofft.

Anne Haug fällt nach dem London-Sturz länger aus als erhofft.

Foto >DTU/ Petko Beier

Mit einem Paukenschlag hat Anne Haug dafür gesorgt, dass sich die Tür zu den Olympischen Spielen 2016 beim Testrennen in Rio de Janeiro schon früh weit öffnete: Während sie in dieser Saison beim Schwimmen sonst regelmäßig etwas um eine Minute auf die Spitze verlor, hielt sich die erfahrenste Athletin im Team der Deutschen Triathlon Union im Wasser diesmal schadlos. Mit nur 20 Sekunden Rückstand auf die schnellsten Schwimmerinnen glückte Haug beim Ausstieg an der Copacabana gar der Sprung unter die besten 30 Damen, die kompakt den Weg in die erste Wechselzone fanden und von dort aus eine große Spitzengruppe bildeten. Kurz hinter Haug dagegen war eine große Lücke gerissen: Rund 30 Sekunden trennten beim ersten Wechsel die 30 Spitzendamen von den restlichen über 30 Verfolgerinnen, zu denen auch die Deutschen Sophia Saller und Rebecca Robisch gehörten. Anja Knapp und Hanna Philippin dagegen hatten es wie Haug in die erste von zwei Schwimmgruppen geschafft.

Aufholjagd auf der Laufstrecke

Auf dem Rad setzte es dann nicht etwa die erwarteten Attacken der schwächeren Läuferinnen in der Spitzengruppe gegen Gwen Jorgensen, Katie Zaferes, Sarah True (alle USA), Non Stanford, Vicky Holland und Jodie Stimpson (alle GBR). Stattdessen formierte sich auf dem schwierigen Kurs aus den 30 Spitzenschwimmerinnen eine harmonische Gruppe, die ihren Vorsprung auf die Verfolgerinnen, die sich in zwei große Gruppen aufteilten, kontinuierlich ausbaute: Bis auf zwei Minuten distanzierten Haug und ihre zum zweiten Wechsel noch 25 verbliebenen Begleiterinnen die schnellsten Verfolgerinnen, zu denen auch Saller, Robisch und die aus der ersten Radgruppe nach einigen Kilometern zurückgefallene Hanna Philippin gehörten.

Das Rennen um die Olympiaqualifikation, für die DTU und Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) eine Top-Acht-Platzierung verlangten, war für diese drei Deutschen also vorbei - und auch Anja Knapp konnte beim Laufen nicht in diesem Bereich mithalten. Selbst für Anne Haug startete die letzte Disziplin mit einem Schock: Die Deutsche verlor in der Wechselzone über zehn Sekunden und startete als Letzte der 26 Spitzendamen auf die Laufstrecke, von wo aus sie nun eine nach der anderen Konkurrentin einsammeln musste.

Jorgensen ungefährdet, Holland kommt zurück

Eingangs der letzten von vier 2,5-Kilometer-Runden hatte sie es aber geschafft: Seite an Seite mit ihrer einstigen Trainingspartnerin Jodie Stimpson kämpfte Haug um den achten Rang, hatte wenige Sekunden vor sich in Annamaria Mazzetti (ITA) sogar die siebtplatzierte Dame in Sicht - und schlug sie auf der Schlussrunde beide. Mit dem siebten Rang erfüllte Haug somit die Qualifikationskriterien von DTU und DOSB fürs Erste und kann für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 planen - muss ihre Leistung allerdings noch einmal in einem Rennen im Jahr 2016 bestätigen. Die übrigen Deutschen beendeten das Rennen auf den Plätzen 23 (Philippin), 25 (Knapp), 29 (Saller) und 30 (Robisch).

Im Kamf um den Sieg war erneut kein Kraut gegen Gwen Jorgensen gewachsen: Bildete sich beim Laufen zunächst ein aus US-Amerikanerinnen und Britinnen bestehendes Spitzenquintett aus Gwen Jorgensen, Katie Zaferes, Sarah True, Vicky Holland und Non Stanford, schüttelte die Weltmeisterin auf dem Weg ins Ziel zuerst Landsfrau Zaferes, dann Holland - und auf der letzten Runde auch die beiden übrigen Verfolgerinnen ab, um sich erneut den Sieg zu sichern. Stanford lief hinter Jorgensen auf den zweiten Rang, Holland schob sich auf der letzten Runde wieder an der sie kampflos passieren lassenden True vorbei auf den dritten Rang: Die Britin benötigte diesen Podestplatz, um eine Chance auf die frühzeitige Olympiaqualifikation zu wahren, während der US-Amerikanerin Sarah True dafür auch der vierte Platz reichte.

ITU World Olympic Qualification Event

  1. August 2015, Rio de Janeiro (BRA)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Gwen Jorgensen

USA

1:58:46

19:38

1:03:42

33:57

2

Non Stanford

GBR

1:59:05

19:33

1:03:46

34:17

3

Vicky Holland

GBR

1:59:27

19:37

1:03:43

34:41

4

Sarah True

USA

1:59:46

19:29

1:03:47

35:01

5

Barbara Riveros

CHI

2:00:08

19:52

1:03:28

35:20

6

Katie Zaferes

USA

2:00:26

19:33

1:03:46

35:39

7

Anne Haug

GER

2:00:57

19:51

1:03:29

36:04

8

Annamaria Mazzetti

ITA

2:01:00

19:34

1:03:45

36:12

9

Rachel Klamer

NED

2:01:01

19:46

1:03:30

36:16

10

Jodie Stimpson

GBR

2:01:04

19:30

1:03:45

36:19

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