Auf alles oder nichts im Londoner Hyde Park

Am 14. und 15. September werden im Londoner Hyde Park die Weltmeistertitel vergeben - auf den Strecken der Olympischen Spiele von 2012. Nie zuvor in der fünfjährigen Geschichte der ITU World Triathlon Series hat sich der Titelkampf derart auf das Finalrennen zugespitzt.

Von > | 28. August 2013 | Aus: SZENE

WTS Madrid_04 | Angespannt ist auch sie: Anne Haug, WM-Zweite. Vor einem Jahr gelang ihr genau hier, in Madrid, in beeindruckender Manier der Durchbruch.

Angespannt ist auch sie: Anne Haug, WM-Zweite. Vor einem Jahr gelang ihr genau hier, in Madrid, in beeindruckender Manier der Durchbruch.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Als die World Triathlon Series 2009 von der International Triathlon Union eingeführt wurde, da war ein Gedanke dahinter, den Weltmeisterschafts-Kampf über Monate hinweg spannend zu halten. Am Ende sollte er gipfeln - in einem großen Finalrennen, bei dem es das Anderthalbfache der normalen Punktzahl zu holen gibt. Ein Rennen um alles oder nichts. Die Realität sah in den ersten vier Jahren der World Triathlon Series häufig anders aus.

Nur drei Mal wurde der Finalsieger Weltmeister

In der Wirklichkeit haben nur zwei der bisherigen Weltmeister bei ihrem Titelgewinn auch das Grand Final für sich entschieden: 2009 gelang es sowohl Emma Moffatt (AUS), als auch dem Briten Alistair Brownlee - wobei in jenem Jahr keiner der beiden zum Siegen verdammt war.

WM-Podium Stockholm | Die Podestplätze sind wohl schon vergeben. Aber in welcher Reihenfolge?

Die Podestplätze sind wohl schon vergeben. Aber in welcher Reihenfolge?

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Alistair Brownlee gelang das Doppel aus Final- und WM-Sieg 2011 noch einmal. In den fünf anderen WM-Entscheidungen bis inklusive 2012 reichte dem späteren Weltmeister im Finale eine schwächere Platzierung - der Schwedin Lisa Nordén für den Titel im vergangenen Jahr sogar schon der vierte Platz. Diese Statistik wird im Kalenderjahr 2013 wohl deutlich aufpoliert. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der World Triathlon Series kommt es im Grand Final wirklich zu dem, was man sich seitens des Weltverbandes von der Serie versprochen hatte als man sie 2009 einführte: Zu echter Dramaturgie, einem richtigen Showdown - dem Kampf Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, ohne Taktieren und ohne Rechenschieber. Wer Weltmeister werden will, muss im Hyde Park gewinnen. Noch dazu vor szenischer Kulisse, auf dem Kurs der Olympischen Spiele des vergangenen Jahres.
WM-Podium Stockholm | Haben den Titel alle in der eigenen Hand: Non Stanford, Gwen Jorgensen und Anne Haug.

Haben den Titel alle in der eigenen Hand: Non Stanford, Gwen Jorgensen und Anne Haug.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

1.200 Punkte werden im Finalrennen an die beiden Sieger vergeben, 90 weniger an den Zweitplatzierten. Aktuelle Abstände von weniger als 90 Punkten sind damit unbedeutend - was dazu führt, dass bei den Frauen mit Gwen Jorgensen (USA), Anne Haug und Non Stanford (GBR) gleich drei Athletinnen faktisch gleichauf liegen. Jede von ihnen wäre Weltmeisterin, wenn sie gewinnt - und kann sich trotzdem noch nicht einmal einer Medaille sicher sein. Denn auf dem topfebenen, technisch kaum anspruchsvollen Kurs - wie gemalt für starke Schwimm-Läuferinnen wie Jorgensen - lauert nur etwa 170 Punkte hinter dem Spitzentrio auch noch Haugs ehemalige Trainingskollegin Jodie Stimpson auf ihre Medaillenchance. Schon den kleinsten Ausrutscher einer der drei Spitzendamen könnte sie sofort bestrafen. Jede der drei könnte also am Ende leer ausgehen - und das mit einer Punkteausbeute, die im vergangenen Jahr noch zum Weltmeistertitel gereicht hätte. Damals kam Nordén im Schnitt auf 716 Punkte pro Serienrennen - in diesem Jahr kommt schon die derzeit Viertplatzierte Stimpson auf durchschnittlich 714 Punkte pro Rennen.

ITU World Triathlon Series 2013 | Frauen

Stand vor dem Grand Final

Name

Nation

Punkte

1

Gwen Jorgensen

USA

3.033

2

Anne Haug

GER

3.025

3

Non Stanford

GBR

3.020

4

Jodie Stimpson

GBR

2.855

5

Andrea Hewitt

NZL

2.309

10

Felicity Abram

AUS

1.601

15

Nicky Samuels

NZL

1.441

22

Anja Knapp

GER

1.269

34

Rebecca Robisch

GER

790

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Unverhoffte Chance für Jonathan Zipf

Kaum weniger spannend ist die Situation im Kampf um den Weltmeistertitel der Männer. Denn dort wird es im Hyde Park zum britischen Traumduell um den Titel kommen - Alistair gegen Jonathan Brownlee, also großer gegen kleiner Bruder, Gold- gegen Bronzemedaillengewinner der vergangenen Olympischen Spiele. Wer sich durchsetzt, ist Weltmeister - sofern ihnen nicht der Galizier Javier Gómez einen Strich durch die Rechnung macht. Auch der Spanier hat noch realistische Chancen auf den Titel, den Gewinn des selben aber nicht in der eigenen Hand. Denn im Falle eines Sieges Gómez' müsste sich noch mindestens ein Athlet zwischen ihn und Olympiasieger Alistair Brownlee schieben, da der mit 120 Punkten Vorsprung auf den Galizier ins Finale startet.

WM-Podium Stockholm | Die Podestplätze sind wohl schon vergeben. Aber in welcher Reihenfolge?

Die Podestplätze sind wohl schon vergeben. Aber in welcher Reihenfolge?

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Die deutschen Männer liegen im WM-Ranking nach einer durchwachsenen Saison fernab der Top-Ten-Plätze. Während die Dettingerin Anja Knapp mit dem sechsten Rang bei den Europameisterschaften im türkischen Alanya bereits ihren Platz im Nationalteam für das kommende Jahr gesichert hat, in London nun außerdem noch eine Top-15-Platzierung in der Serie erreichen kann, geht es für ihre männlichen Kollegen in London vor allem darum, die wichtigen Kaderplätze für das kommende Jahr abzusichern. Grundsätzlich gilt dabei eine Serien-Platzierung unter den besten 25 nach dem Grand Final als Eintrittskarte in den B-, eine Platzierung unter den besten Zehn als die in den A-Kader. Eine Top-Ten-Platzierung ist für die DTU-Athleten zwar kaum mehr möglich - dafür kämpfen aber gleich vier Deutsche um die Top-25-Platzierung. Steffen Justus, Gregor Buchholz und Franz Löschke haben nach einer teilweise von Verletzungen und Krankheiten geprägten Saison allesamt noch gute Chancen. "Bei mir werden wir wohl eine andere Regelung finden müssen, nachdem ich in diesem Jahr kaum Rennen bestreiten konnte", hatte Jonathan Zipf gegenüber tri-mag.de nach seiner kurzfristigen Absage des Rennens in Hamburg im Juli erklärt. Nach dem starken elften Rang in Stockholm am Wochenende liegt aber auch er trotz nur zweier Serienergebnisse in dieser Saison wieder in Schlagdistanz zu einer Top-25-Platzierung.

ITU World Triathlon Series 2013 | Männer

Stand vor dem Grand Final

Name

Nation

Punkte

1

Alistair Brownlee

GBR

3.140

2

Jonathan Brownlee

GBR

3.085

3

Javier Gomez

ESP

3.020

4

Mario Mola

ESP

2.699

5

Richard Murray

RSA

2.501

10

Henri Schoeman

RSA

1.811

23

Steffen Justus

GER

934

25

Gregor Buchholz

GER

890

29

Franz Löschke

GER

794

30

Jonathan Zipf

GER

706

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