Benson gewinnt Gold, aktiver Breinlinger unzufrieden

Gordon Benson ist der erste Sieger der "Europaspiele". In Baku profitierte der 21-Jährige von der Teamtaktik seiner britischen Mannschaft und einem beherzten Jonas Breinlinger. Doch fast hätte ihm der Portugiese Joao Silva noch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Von > | 14. Juni 2015 | Aus: SZENE

Siegerehrung European Games Baku Männer | Gordon Benson gewinnt Gold bei den Europaspielen in Baku

Gordon Benson gewinnt Gold bei den Europaspielen in Baku

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Auf eine kleine Spitzengruppe nach dem Schwimmen hatte Jonas Breinlinger für das Triathlon-Rennen der Herren bei den ersten European Games gehofft, und eine kleine Spitzengruppe sollten die wenigen Zuschauer an der Strecke in Baku beim Schwimmen auch zu sehen bekommen - doch Jonas Breinlinger selbst fehlte darin. Wie bei den Damen am Vortag wurde auch bei den Männern beim "Schwimmen" nach dem Landstart noch beinahe 100 Meter weit im Wasser abwechselnd gelaufen und gehechtet, bevor das Wasser endlich tief genug war, um in die Kraullage zu wechseln. Und wie bei den Frauen war das mitentscheidend, um große Abstände beim Schwimmen herbeizuführen.

Breinlinger agiert auf dem Rad

Denn mit diesem ungewöhnlichen Start kamen die russischen Polyanskiy-Brüder und Richard Varga (SLO) am besten zurecht, der auch in der Folge einmal mehr das Tempo bestimmte und Lücken riss. Rund 40 Sekunden erarbeitete er sich mit fünf Verfolgern um den Briten Thomas Bishop an seinen Füßen auf das große Hauptfeld, in dem sich Breinlinger wie auch der für die Türkei startende Niedersachse Jonas Schomburg weit vorne aufhielt. "Im Schwimmen war für mich der Einstieg nicht so optimal, die Delfinsprünge im Flachen lagen mir nicht sonderlich. Daher war ich bei der ersten Boje in der großen Menge und dann ist es schwer, den Überblick zu behalten. In Runde zwei habe ich noch ein wenig Boden gutmachen können", meinte Breinlinger. Dennoch musste er nun zunächst einmal mit rund 30 Begleitern eine Verfolgerrolle der sechs Spitzenleute aufnehmen.

Dort zeigte er sich auf den ersten Radkilometern äußerst aktiv und führte das Feld schnell näher an die sechs Ausreißer heran. Nach 20 von 40 Radkilometern hatte er das Loch mit der großen Gruppe an seinem Hinterrad bereits geschlossen - und blieb weiter auf dem Gaspedal. Denn nun, da Thomas Bishop nicht mehr in einer Ausreißergruppe lag, durfte der offenbar als Rad-Helfer nominierte Brite und ehemalige Langdistanzler Philip Graves die Initiative übernehmen: Er initiierte eine Attacke, der unter anderem seine beiden Landsmänner Bishop und Gordon Benson, Andrea Salvisberg (SUI), Jonas Breinlinger und Jonas Schomburg folgten. In der Nachführarbeit zuvor noch höchst aktiv, nahm sich Breinlinger dabei nun clever etwas mehr zurück und ließ Graves die Arbeit für dessen beiden Teamkollegen erledigen. Und das mit Erfolg: Insgesamt neun Mann setzten sich so vom großen Hauptfeld bis zum zweiten Wechsel um über 90 Sekunden von den schnellen Läufern um Fernando Alarza (ESP), Joao Pereira und Joao Silva (beide POR) ab.

Silva wütend, Graves joggt locker aus

Auf der Laufstrecke konnte Breinlinger, gehandicapt von einer Fußverletzung aus dem Lauftraining, aber nicht mehr an der Spitze mitmischen, während Graves unmittelbar nach dem zweiten Wechsel sogar mit dem regenerativen Auslaufen begann und den 10-Kilometer-Lauf in über 47 Minuten beschloss. Stattdessen bildete sich an der Spitze nun ein Quartett: Der 21-jährige Gordon Benson, der wie die Brownlee-Brüder aus Leeds stammt und dort von den selben Trainern betreut wird wie die beiden Überflieger, bestimmte das Tempo, an seiner Ferse versuchten Richard Varga, Andrea Salvisberg und Jonas Schomburg zu folgen. Doch schon nach rund zwei Kilometern musste Varga seine Begleiter ziehen lassen, einen Kilometer später ließ auch Schomburg abreißen. Und noch einen Kilometer weiter, also nach insgesamt vier Kilometern, steckte auch Salvisberg, der wie Schomburg noch eine 15-Sekunden-Strafe auf der Laufstrecke zu verbüßen hatte, gegenüber dem Briten etwas zurück.

So sah es lange nach einem sicheren Sieg des britischen Talents aus - doch von hinten drohte noch Gefahr. Denn der Portugiese Joao Silva war nach dem Radfahren mit Wut im Bauch auf die Laufstrecke gestartet und setzte, da vom portugiesischen Verband ein Olympiaspot für den Sieger des Rennens ausgeschrieben wurde, alles auf eine Karte. Auf der letzten von drei Laufrunden stürmte er mit gefletschten Zähnen an Salvisberg und Schomburg vorbei, schob sich deutlich an Benson heran - doch der konnte unter der brennenden Sonne Aserbaidschans ebenfalls noch einmal etwas draufsetzen und verteidigte auf den letzten Kilometern noch gut zehn Sekunden Vorsprung vor dem Portugiesen, bevor er sich im Ziel glücklich und erschöpft Eis zum Kühlen reichen ließ. Auf den dritten Rang hinter Benson und Silva lief mit der zweitschnellsten Laufzeit überraschend der für Aserbaidschan startende Rostyslav Pevtsov. Jonas Breinlinger beendete das Rennen auf dem 26. Platz. "Ich bin nicht so wirklich zufrieden. Das Schwimmen war ok, das Radfahren war gut, aber das Laufen hat nicht funktioniert heute", sagte Breinlinger selbst.

1st European Games | Männer

  1. Juni 2015, Baku (Aserbaidschan)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Gordon Benson

GBR

1:48:31

19:17

56:05

31:58

2

Joao Silva

POR

1:48:42

19:30

57:40

30:25

3

Rostyslav Pevtsov

AZE

1:49:04

19:30

57:44

30:40

4

Aleksandr Latin

EST

1:49:21

19:31

55:51

32:44

5

Richard Varga

SLO

1:49:32

18:39

56:42

33:01

6

Jonas Schomburg

TUR

1:49:34

19:15

56:08

33:02

7

Alexander Bryukhankov

RUS

1:49:42

19:24

57:46

31:20

8

Joao Pereira

POR

1:49:46

19:28

57:42

31:30

9

Andrea Salvisberg

SUI

1:50:07

18:42

56:35

33:34

10

Yegor Martynenko

UKR

1:50:11

19:28

57:37

31:55

26

Jonas Breinlinger

GER

1:52:55

19:25

55:59

36:19

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