Brownlee-Brüder gnadenlos, Top Ten für Frodeno

Jonathan und Alistair Brownlee haben bei ihrer Rückkehr nach Hamburg ihre Vormachtstellung im Kurzdistanztriathlon zementiert. Die beiden Briten kontrollierten das Feld vom ersten Radmeter bis auf die Zielgerade. Dort sprinteten sie dann den Sieg aus. Jan Frodeno landete nach einem soliden Rennen als bester Deutscher auf Platz zehn.

Von > | 20. Juli 2013 | Aus: SZENE

Brownlee Brothers | Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Man hätte es nicht treffender ausdrücken können als Maik Petzold es im Laufe des Rennens tat. "Die haben's einfach drauf", stellte der Bautzener - in Hamburg erstmals in neuer Rolle als Co-Kommentator - fest. Er meinte natürlich Alistair und Jonathan Brownlee, die sich sechs Jahre nach ihrem letzten Besuch in an der Alster auf dem Radkurs austobten als wären sie nie weggewesen. Macht- und ratlos ließen die Ausnahmekönner aus Leeds auch dieses Mal die versammelte Weltelite -darunter prominente Namen wie Dauerrivale Javier Gómez, Vorjahressieger Richard Murray aus Südafrika - und fünf Deutsche zurück. Die lieferten - abgesehen von Jan Frodeno - ihrem Heimpublikum nicht die Show, die die Fans von ihnen erwartet hatten.

Brownlees gnadenlos

Strahlend blauer Himmel, hochsommerliche 27 Grad, dazu die mit 24,5 Grad wohltemperierte Binnenalster: Perfektes Triathlonwetter, das die 65 Profis am frühen Samstagabend vorfanden. Der Slowake Richard Varga und Newcomer Henri Schoeman (RSA) krabbelten nach etwas mehr als achteinhalb Minuten als Erste aus der Kleinen Alster. Doch schon an den Fersen des Außenseiterduos lauerten die Topfavoriten: die Brownlee-Brüder, Gómez und die Franzosen Aurelien Raphael und Vincent Louis. Dazu der Neuseeländer Ryan Sissons, Alessandro Fabian (ITA) und Aaron Royle aus Australien. 13 Sekunden nach Varga löste Jan Frodeno die Zeitmessung aus - drei Sekunden zu spät, um den wichtigen Sprung in die Gruppe zu schaffen, die das Rennen in der folgenden Dreiviertelstunde bestimmen sollte. Auch die vier anderen Deutschen sahen allenfalls noch die Hinterräder von Brownlee und Co. Maximilian Schwetz saß mit Frodeno in der ersten Verfolgergruppe, Franz Löschke und Christian Prochnow kämpften noch ein Stück weiter hinten vergeblich um Anschluss. Am schlimmsten erwischte es aber Gregor Buchholz: Der Potsdamer stieg als einer der letzten aus dem Wasser, stiefelte 20 Kilometer in aussichtsloser Mission durch die Straßen von Hamburg, um beim zweiten Wechsel von einem Kampfrichter die Rote Karte zu sehen. "Ich bin wohl durch den falschen Tunneleingang geschwommen" erklärte er später gegenüber tri-mag.de.

Frodeno frustriert

Wie gewohnt alles richtig machten Olympiasieger Alistair Brownlee und sein zwei Jahre jüngerer Brüder Jonathan. DIe drückten gemeinsam mit Gómez und Fabian beim Radfahren derart auf's Tempo, dass die Nachführarbeit von Frodeno und seinem Schweizer Mitkämpfer Sven Riederer, erfolglos blieb. Er habe versucht, die Jungs in der Gruppe zu motivieren, erzählte Frodeno nach dem Rennen. Außer Riederer wollte oder konnte aber niemand helfen - auch nicht Mario Mola und Richard Murray, der Hamburg-Sieger von 2012. "Was soll man machen, wenn sie nicht wollen", ärgerte sich Frodeno. Schon nach 37 Rennminuten stellten die Führenden ihre Räder wieder vor dem Rathausmarkt ab. Fabian nutzte die Gunst der Stunde, die übermächtigen Brownlees einmal im Nacken zu haben und spurtete mit wenigen Metern Vorsprung aus der Wechselzone in Richtung Mönckebergstraße. Frodeno gelang es in der letzten der fünf Radrunden den Rückstand zumindest stabil zu halten. 28 Sekunden nach Fabian verließ der Olympiasieger von 2008 unter dem Jubel der Zuschauer die Wechselzone. Auch Schwetz konnte die Gruppe um Frodeno halten - beim Laufen fiel der Youngster dann aber auf den 27. Platz zurück. Dennoch dürfte sein erster Auftritt in der World Triathlon Series eine wichtige Erfahrung gewesen sein.

Bruderduell auf der Finishline

14 Minuten müsse er laufen, um die Brownlees ärgern zu können, hatte Jan Frodeno in den Tagen vor seinem Heimrennen erklärt. 30 Sekunden Rückstand hatte er bei diesem ambitionierten Plan allerdings nicht einkalkuliert. Sechs Sekunden büßte der einmal mehr beste der fünf Deutschen auf den ersten 2,5 Kilometern auf die Spitze ein. Die war inzwischen - ähnlich wie bei den Olympischen Spielen in London - auf ein Trio zusammengeschrumpft. Im Sandwich schienen sich die Brownlee-Brüder Javier Gómez für die entscheidende Tempoverschärfung zurechtzulegen. Einen Kilometer vor dem Ziel war es dann soweit. Doch ganz so leicht wollte sich der Galicier dieses Mal nicht in sein Schicksal ergeben. Gómez saugte sich 500 Meter vor dem Ziel noch einmal an die Briten heran. Gegen die zweite, noch härtere Attacke, war der tapfere Olympiazweite dann aber machtlos. Das Bruderduell, das danach vor ihm ausgefochten wurde, hat es so bisher noch nie gegeben. Zum ersten Mal sprinteten die beiden Seite an Seite und offensichtlich ohne vorherige Absprache um den Sieg. Den Angriff von Jonathan konterte Alistair - auch er hat in Hamburg noch nie gewonnen. Verbissen wehrte sich der ältere 200 Meter vor dem Ziel gegen die drohende Niederlage. Und als es so aussah als könne er den kleinen Bruder erstmals auch in einem Sprintrennen bezwingen, schlug der zurück und sicherte sich nach den Siegen in Yokohama und Madrid seinen dritten Titel in der World Triathlon Series 2013. Hinter Gómez, der sich einmal mehr mit dem dritten Platz begnügen musste, lief Vorjahressieger Murray noch auf Platz vier nach vorn, Mario Mola verteidigte als Fünfter seinen zweiten Platz im WM-Gesamtranking. Jan Frodeno blieb 43 Sekunden über der von ihm anvisierten Laufzeit. Er habe alles gegeben, so der Deutsche. Das reichte an diesem Tag zum zehnten Platz. In drei Wochen wartet der Ironman 70.3 Germany in Wiesbaden - für die letzte Vorbereitung geht es für den 31-Jährigen nun noch einmal ums Trainingslager.

Das durchwachsene Ergebnis des DTU-Teams rundeten Franz Löschke als 30. und Christian Prochnow auf dem 36. Platz ab. Für Prochnow war das Rennen in Hamburg der letzte internationale Auftritt im Dress der Deutschen Triathlon Union.

ITU World Triathlon Hamburg | Männer

  1. Juli 2013, Hamburg (GER)

Name

Nation

Gesamt

0,75 km Swim

20 km Bike

5 km Run

1

Jonathan Brownlee

GBR

51:05

8:47

27:18

14:14

2

Alistair Brownlee

GBR

51:06

8:45

27:15

14:15

3

Javier Gómez

ESP

51:14

8:52

27:14

14:23

4

Richard Murray

RSA

51:42

9:01

27:37

14:19

5

Mario Mola

ESP

51:46

8:57

27:40

14:22

6

Sven Riederer

SUI

51:50

8:55

27:39

14:29

7

Aurelien Raphael

FRA

51:53

8:50

27:12

15:00

8

Alessandro Fabian

ITA

51:55

8:51

27:11

15:05

9

Ryan Sissons

NZL

52:00

8:53

27:10

15:07

10

Jan Frodeno

GER

52:02

8:55

27:38

14:43

27

Maximilian Schwetz

GER

53:10

8:49

27:45

15:45

30

Franz Löschke

GER

53:12

9:22

28:12

14:51

36

Christian Prochnow

GER

53:26

9:21

28:12

15:02

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