Brownlee-Brüderduell vor heimischem Publikum

Zum ersten Mal in dieser Saison treffen in London am Sonntag Alistair und Jonathan Brownlee aufeinander - und auf eine Reihe weiterer starker Konkurrenten. Die Deutschen um Gregor Buchholz haben nach schwachem Start die "Saison 2.0" ausgerufen.

Von > | 29. Mai 2015 | Aus: SZENE

Brownlee Brothers | Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Vor heimischem Publikum und an der Stätte ihres Olympia-Doppelerfolgs von 2012, im Londoner Hyde Park, treffen die Brüder endlich wieder aufeinander: Am Sonntagnachmittag werden Alistair und Jonathan Brownlee zum ersten Mal in dieser Saison wieder gemeinsam bei einem Rennen der World Triathlon Series starten. Ein Spektakel für die Zuschauer - und Brownlees Dauerrivalen Javier Gómez, der sich das am Computerbildschirm anschauen wird: Untypischerweise lässt der Spanier die sechste Station der WM-Serie aus, um sich im Training gezielt auf die restliche Saison vorzubereiten. Möglicherweise, weil seine Erfolgsbilanz auf Sprintdistanzen der auf den Olympischen Distanzen in der World Triathlon Series ohnehin etwas nachsteht.

Zurück zur Abteilung Attacke?

Die Brownlees müssen also ohne ihren ärgsten Rivalen auskommen - was dazu führen könnte, dass auch Alistair nach zwei zuletzt sehr vorsichtigen und zurückhaltenden Auftritten wieder zurück zur alten Offensive findet. Denn zusammen mit seinem zu Saisonbeginn nach wie vor offensiv agierenden Bruder, und ohne Gómez an ihren Hinterrädern, könnten die Brownlees in London schon früh auf Angriff setzen, um gute Läufer wie Mario Mola (ESP) oder Richard Murray (RSA) im Schwimmen und Radfahren auf Distanz zu halten. Auch Joao Silva (POR), Fernando Alarza (ESP), Jacob Birtwhistle (AUS) und Sven Riederer (SUI) gehören zu dieser Gruppe guter Läufer, die aber Probleme bekommen könnten, wenn die Brownlees von Anfang an attackieren.

Dafür spricht auch das übrige Startfeld: Denn neben dem starken südafrikanischen Schwimmer Henri Schoeman hat sich auch Jonathans guter Kumpel und zuletzt wertvollster Helfer im Schwimmen und Radfahren, Richard Varga (SVK), angekündigt. Ryan Bailie (AUS) und vor allem Vincent Luis (FRA) dürften es dagegen mit den Brownlees in eine mögliche Spitzengruppe schaffen und könnten, gerade auf der Sprintdistanz, in den Kampf um die Podestplatzierungen eingreifen.

Buchholz ruft die "Saison 2.0" aus

Im Duell zwischen den beiden Brownlee-Brüdern scheint derweil Jonathan derzeit die besseren Karten zu haben. Nicht nur, weil dem die kürzere Sprintdistanz in den vergangenen Jahren ohnehin etwas mehr entgegenkam als seinem Bruder Alistair. Der ältere der beiden Brüder gestand in den letzten Wochen auch freimütig ein, dass sein kleiner Bruder "Jonny" im Moment fitter sei als er selbst. Seit Mitte April hat Jonathan Brownlee allerdings kein Rennen mehr bestritten und sich nach zwei Siegen in Auckland und Gold Coast zurück ins Training begeben, um den Weg für das erfolgreiche Comeback seines Bruders frei zu machen.

Um Podestplatzierungen wird das deutsche Team in London unter normalen Umständen wohl noch nicht mitkämpfen, aber zumindest soll die Tendenz nach schwachem Saisonstart nun allmählich wieder nach oben zeigen - um "massiv Punkte für die Olympiaqualifikation zu sammeln", wie DTU-Cheftrainer Ralf Ebli sagt. Justus Nieschlag, Gregor Buchholz und Steffen Justus werden die DTU in London vertreten, auch wenn Justus sich im zweiten WM-Serienrennen nach langer Verletzungspause ein längeres Format gewünscht hätte. "Im Bereich dieser extremen Schnelligkeit hatte ich zuletzt noch Probleme", sagt Justus, der beim Comeback in Kapstadt prompt den starken elften Rang einlief. Auch hinter Nieschlags sportlichen Perspektiven stehen nach einer Zahn-Operation Fragezeichen, "aber solche Formate liegen ihm normalerweise", meint Ebli. Buchholz, hochambitioniert in die Saison gestartet und dann enttäuschend gelandet, hat für den Weg zurück in die Erfolgsspur zuletzt ein Rennen ausgelassen. "So konnte ich einen zusätzlichen Trainingsblock einschieben. Das hat mir definitiv gut getan", sagt Buchholz. "London leitet die Saison 2.0 ein. Die Frühsaison verlief wirklich nicht wie erhofft, aber ab jetzt stehen die Einzelergebnisse im Fokus."