Brownlee in eigener Liga, Justus Vierter

Alistair Brownlee hat das WM-Rennen in San Diego dominiert und überlegen gewonnen. Für Steffen Justus reichte es nach starker Vorstellung zum vierten Platz, Javier Gómez wurde an einem seiner schwächeren Tage Achter. Jan Frodeno stieg aus.

Von > | 21. April 2013 | Aus: SZENE

Alistair Brownlee | Alistair Brownlee dominiert in San Diego.

Alistair Brownlee dominiert in San Diego.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Fit fühle er sich eigentlich noch nicht, hatte Alistair Brownlee vor dem Start noch allen Ernstes beteuert, vor allem noch lange nicht so fit wie vor den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr. Lediglich sechs Wochen ernsthaften Trainings habe er zu diesem Punkt in den Beinen - mindestens drei mehr, sagte er, würde er sich wünschen, bevor er nächste Woche einen ersten Test über 10.000 Meter auf seinem möglichen Weg zu den Commonwealth Games in Glasgow 2014 läuft. "Ich schätze, ihr denkt jetzt alle, ich hätte gelogen", meinte Brownlee dann wenige Minuten nach seinem Zieleinlauf in San Diego. "Aber das habe ich nicht."

Zaferes spaltet das Feld

Das allerdings hatten die ITU-Kommentatoren schon nach wenigen Minuten des zweiten WM-Serienrennens des Jahres ernsthaft bezweifelt. An zweiter Position hinter dem US-Amerikaner Tommy Zaferes stürmte Brownlee in San Diego aus dem Wasser - also sogar noch vor seinem Kumpel Richard Varga (SVK), der sonst häufig für das Tempo auf den 1,5 Auftaktkilometern sorgt. Selbst Javier Gómez hatte bei diesem Tempo, das Zaferes an der Spitze vorgelegt hatte, Probleme - und hielt als Siebter nach dem Schwimmen den Abstand gerade noch so gering, dass er es in eine Radgruppe mit Brownlee schaffte, der auch in der zweiten Disziplin gleich gewohnt schnell loslegte.

Gemeinsam mit Gómez eröffnete der Brite auf den ersten Kilometern eine neun Mann große Radgruppe mit vielen guten Schwimmern, um sich von den zahlreichen starken Läufern weiter hinten im Feld zu lösen. Dort waren Jan Frodeno und Steffen Justus mit 40 Sekunden Rückstand auf Zaferes im vorderen Mittelfeld aus dem Wasser gestiegen und schafften so problemlos den Sprung in die erste, 25 Mann große Verfolgergruppe, während Sebastian Rank und Gregor Buchholz zwar nur wenige Sekunden mehr verloren, diese Gruppe aber knapp verpassten und sich in einer zweiten Verfolgergruppe wiederfanden. Der fünfte Deutsche, Franz Löschke, erwischte einen gebrauchten Tag, beendete das Schwimmen als Letzter und gab das Rennen im Laufe der 40 Radkilometer auf.

Frodeno fängt Gómez und Brownlee

So also musste sich Jan Frodeno auf dem Rad wieder etwas stärker engagieren, als er sich das vielleicht vorher erhofft hatte. Denn weil die Spitzengrruppe gut harmonierte, mit 37 Sekunden Vorsprung die erste Fünf-Kilometer-Runde hinter sich brachte, dauerte es über 25 Kilometer, bis die große Gruppe um Frodeno, Justus, Mario Mola (ESP), Sven Riederer (SUI) und Richard Murray (RSA) zur Führungsgruppe um Javier Gómez und Alistair Brownlee aufgeschlossen hatte - während Brownlee kurz vor diesem Zusammenschluss sogar noch eine Attacke versuchte, sich um einige Meter löste, aber bereits wenig später von Javier Gómez eingefangen wurde. So drehte eine Gruppe von 34 Athleten für de letzten 15 Kilometer ihre Runden bis zum zweiten Wechsel mit rund eineinhalb Minuten Vorsprung vor der Verfolgergruppe um den Deutschen Sebastian Rank, aus der DTU-Starter Gregor Buchholz, dessen Sattel sich bei einem Beinahe-Sturz verschoben hatte, allerdings schon während der ersten Rennhälfte zurückgefallen war und dem Feld fortan alleine hinterherjagte. Während die Favoriten im Feld selbst sich nun bereits auf den Zehn-Kilometer-Lauf konzentrierten - und den zweiten Wechsel im Kopf vorbereiteten.

Auch bei dem war es erneut Alistair Brownlee, der, dicht gefolgt von Steffen Justus und Jan Frodeno, am schnellsten den Weg an die Spitze fand, während der Galizier Gómez beim Wechsel in die Laufschuhe einige Sekunden auf Brownlee verlor - eine Chance, die der Brite sofort zu nutzen versuchte. Der Olympiasieger schlug sofort ein enorm hohes Tempo an, dem schon auf den ersten beiden Kilometern nur Joao Silva folgen konnte, bevor auch der Portugiese abreißen und Brownlee ziehen lassen musste. In 9:16 Minuten absolvierte der Brite die erste Runde von etwa 3,3 Kilometern - also in einem Tempo von rund 2:46 Minuten pro Kilometer. Zwar wurde auch Brownlee in der Folge zumindest ein wenig langsamer, sein Vorsprung von da an aber nur noch größer: Während sich in der Verfolgung Richard Murray und Joao Silva mit etwa einer halben Minute Rückstand um den zweiten Platz stritten, lag eine Fünfergruppe um Steffen Justus, Mario Mola und Javier Gómez nach einigen Kilometern bereits fast eine Minute hinter dem Briten. Zu dieser Gruppe gehörte auf den ersten Kilometern auch Jan Frodeno, der das Rennen aber vorzeitig aufgab, weil Cuts, die sich der Olympiasieger von 2008 in Auckland vor zwei Wochen am Fuß zugezogen hatten, nicht rechtzeitig verheilt seien und er die Polsterung darüber beim Schwimmen verloren hatte. "So hatte ich keine Chance, weiterzulaufen", twitterte Frodeno.

Justus taktiert auf Platz vier

So lief Brownlee einem einsamen Sieg mit einer Laufzeit von letztlich 29:30 Minuten entgegen, wobei der Brite sich auf der Zielgeraden sogar noch viel Zeit zum Jubeln und Abklatschen genommen hatte, die letzten 40 Meter dabei nur noch wandernd zurücklegte. Richard Murray hatte sich in der Verfolgung einige Kilometer vor dem Ziel um einige Meter von Joao Silva gelöst und rettete diesen Vorsprung und den zweiten Platz vor dem Portugiesen ins Ziel. Steffen Justus rannte auf dem letzten Kilometer der Gruppe um den Galizier Gómez davon, die wohl auch deshalb eine Minute auf Brownlee verlor, weil sie, anders als der Brite, nicht auf die schnellstmögliche Zeit, sondern taktisch um den vierten Platz hinter den drei Ausreißern an der Spitze gelaufen war. Gómez, der später berichtete, unter der Woche Fieber gehabt zu haben, beendete das Rennen als Achter und erreichte das Ziel somit als Letzter dieser Gruppe vor Sven Riederer, der sich von hinten noch an den Spanier herangeschoben hatte. Sebastian Rank lief als 37. über die Ziellinie, Gregor Buchholz wurde nach Problemen auf der Radstrecke trotz einer passablen Laufleistung nur 40..

World Triathlon Series San Diego | Männer

  1. April 2013, San Diego (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Alistair Brownlee

GBR

1:47:16

16:06

1:00:07

29:30

2

Richard Murray

RSA

1:47:38

16:53

0:59:25

29:50

3

Joao Silva

POR

1:47:52

16:47

0:59:32

30:03

4

Steffen Justus

GER

1:48:14

16:51

0:59:31

30:27

5

Mario Mola

ESP

1:48:18

16:48

0:59:32

30:27

6

Adam Bowden

GBR

1:48:22

16:47

0:59:31

30:31

7

Dmitri Polyanskiy

RUS

1:48:28

16:27

0:59:51

30:39

8

Javier Gomez

ESP

1:48:38

16:11

1:00:11

30:48

9

Sven Riederer

SUI

1:48:47

16:41

0:59:33

30:59

10

David McNamee

GBR

1:48:54

16:52

0:59:28

31:04

37

Sebastian Rank

GER

1:51:58

16:52

1:00:16

33:20

40

Gregor Buchholz

GER

1:54:44

16:56

1:04:56

31:23

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