Brownlee und Gómez suchen das nächste Level

Nach ihrem Triumph beim World Triathlon in Auckland wollen die Topstars Jonathan Brownlee und Javier Gómez das Siegertreppchen der WM-Serie wieder dauerhaft für sich reservieren. In Gold Coast müssen sie dafür im Kampf unter anderem mit Mario Mola allerdings das nächste Leistungslevel erklimmen. Aus dem DTU-Team kommen nach dem bescheidenen WM-Start dagegen kleinlaute Töne.

Von > | 9. April 2015 | Aus: SZENE

Javier Gómez - Auckland 2015 | Javier Gómez

Javier Gómez

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Er werde nun von Rennen zu Rennen fitter, jedes Mal etwas schneller - und bald stehe er vielleicht schon wieder ganz oben: So hat es Javier Gómez nach dem WM-Serienrennen vor zwei Wochen in Auckland erzählt, als er nach Rang sechs in Abu Dhabi bereits wieder auf den Silberrang hinter Jonathan Brownlee gelaufen war. Und wenn die Pläne des Galiziers aufgehen, wird er spätestens Ende April wieder zu gewohnter Hochform auflaufen. Denn nur zwei Wochen nach dem anspruchsvollen Rennen von Auckland wartet am Samstag bereits die nächste Kurzdistanz in Gold Coast, bevor der Triathlonzirkus nach Kapstadt (RSA) weiterzieht. Ein anspruchsvolles Programm - selbst im Verhältnis zu den ohnehin chronisch überfüllten Kalendern der Kurzdistanz-Triathleten. Nur für Routinier Gómez, der sich an ein solch umfangreiches und reiseintensives Programm auch über die WM-Serie hinaus seit Jahren gewohnt hat, ist das nichts Neues.

Wirkt das Berg-Rezept auch in der Ebene?

Vielleicht war der verhältnismäßig schwache WM-Start in Abu Dhabi also auch ein wenig trainingswissenschaftliches Kalkül. Dort hielt er sich auf dem Rad gezwungenermaßen noch zurück, ganz anders als kurz darauf in Auckland: Dort bestimmte er mit dem Briten Jonathan Brownlee in gewohnter Manier das Geschehen auf der schwierigen Radstrecke - und hielt so seinen Freund, Landsmann und großen Konkurrenten, Mario Mola, erfolgreich auf Distanz. Auch wenn es am Ende im Duell mit Brownlee, der Gómez mit einem offensiven Start auf die Laufstrecke überrumpelte, nicht zum Sieg reichte, möchte der Spanier auf diesen physischen Fortschritten und der taktischen Leistung von Auckland aufbauen.

Und das wird er auch tun müssen: In Australien wartet auf die beiden früheren Dominatoren nämlich der nächste Kampf gegen die vielen guten Läufer, die ihnen das Leben seit einigen Monaten schwer machen. Nach dem hügeligen Kurs von Auckland, der Brownlee und Gómez geradezu perfekt in ihr Stärkenprofil passte, müssen sie in Gold Coast nun auf einer flachen Strecke beweisen, dass sie das Heft des Handelns wieder in der Hand halten. Und zwar, indem sie die Konkurrenz nach dem Schwimmen, bei dem sich unter dem Tempodiktat von Richard Varga (SVK) und Ben Kanute (USA) wieder deutliche Abstände zu den direkten Konkurrenten um Mola ergeben könnten, auf Distanz halten. Oder aber, indem sie im direkten läuferischen Kräftemessen miteinander beweisen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

"Top Ten macht uns nicht glücklich, aber zufrieden"

Dafür bedarf es allerdings ausgeprägten Selbstvertrauens, denn es ist längst nicht mehr nur Mario Mola, dem sich Gómez und Brownlee beim Laufen erwehren müssten: Auch mit Richard Murray (RSA), Fernando Alarza (ESP), Joao Silva, Joao Pereira (beide POR), Crisanto Grajales (MEX), Pierre Le Corre und David Hauss (beide FRA) ist zu rechnen, sofern sie sich nach dem Radfahren noch in Schlagdistanz befinden. Und vielleicht reiht sich sogar bald wieder ein Deutscher in diese immer länger werdende Liste von Podestanwärtern ein: Denn auch Gregor Buchholz hat das Potenzial, sich auf internationalem Spitzenniveau durchzusetzen. Vor dem Rennen in Australien äußert sich der zu Saisonbeginn hoch gehandelte DTU-Athlet allerdings vorsichtig.

Nachdem er vor dem WM-Auftakt in Abu Dhabi gestürzt war und das Rennen auslassen musste, lief es in Auckland in keiner Disziplin nach Plan. Bereits nach dem Schwimmen war das Rennen für den Wahl-Saarbrücker gelaufen. Später berichtete er, sein Körper habe ihm am Renntag einige Gänge vorenthalten. "Die letzten Tage waren schwierig. Die Motivation, es besser zu machen, war nach diesem Auftakt natürlich riesig, die Leistungen aber eher schwankend", gesteht Buchholz ein. Eine Top-Ten-Platzierung gibt Cheftrainer Ralf Ebli für Australien als Teamziel aus. "Das würde uns zwar nicht glücklich machen, aber zufrieden", sagt er. Dabei muss der routinierte Trainer aber gar nicht auf Buchholz allein setzen: Auch Justus Nieschlag, der sich in Auckland nach starkem Schwimmen in der Radgruppe um Brownlee und Gómez absetzte und auf Rang elf ins Ziel lief, hat bei taktisch ähnlich günstigem Rennverlauf Top-Ten-Chancen - auch wenn er sich so kurz nach dem Auckland-Rennen noch nicht ganz frisch fühlt. "Ich sollte dafür auch wieder so schnell schwimmen und müsste etwas Puffer mit vom Rad nehmen. Das könnte auf dem flachen Kurs schwierig werden", meint der junge Niedersachse. Der holprig in die Saison gestartete Potsdamer Franz Löschke und Christopher Hettich, der in Gold Coast seine Premiere in der World Triathlon Series feiert, komplettieren das DTU-Männerquartett.

Das Rennen der Männer wird am Samstagmorgen um 6:06 Uhr gestartet. tri-mag.de berichtet wie gewohnt zeitnah nach dem Zieleinlauf vom dritten Rennen der World Triathlon Series 2015.