Densham siegt, Haug hat Olympia im Visier

Nicht Moffatt oder Snowsill, sondern Erin Densham hat sich beim Start zur World Triathlon Series in Sydney den Sieg vor heimischer Kulisse geschnappt. In einem über weite Strecken ereignisarmen Rennen schüttelte die Australierin mit einem phänomenalen Steigerungslauf eine Konkurrentin nach der anderen ab. Eine überzeugende Leistung bot Anne Haug, die den Olympischen Spielen als Siebte ein Stück näher gekommen ist.

Von > | 14. April 2012 | Aus: SZENE

Frauensiegerin Erin Densham

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Dieses Luxusproblem hätte DTU-Bundestrainer Roland Knoll sicher auch gern: Gleich vier Australierinnen liefen beim WM-Auftakt vor dem Opernhaus von Sydney unter die besten 15 - nur drei von ihnen darf das Trainerteam der Aussies für London nominieren. Seit Emma Moffatt ihren Startplatz zugesichert bekam, sind es nur noch zwei. Doch selbst Densham, die nach ihrem Sieg beim Weltcupstart in Mooloolaba nun auch in Sydney die versammelte Weltelite düpierte, wollen sie das Ticket noch nicht geben. Dabei würde die 26-Jährige in ihrer derzeitigen Form am 4. August in London zweifellos zu den Medaillenanwärterinnen gehören.

Doch der Reihe nach. Nach den krankheitsbedingten Absagen von Paula Findlay und Rebecca Robisch meldeten sich kurz vor dem Start auch die Schweizerin Daniela Ryf und Barbara Riveros Diaz aus Chile, die Sydney-Siegerin von 2010, aus gesundheitlichen Gründen ab. Beim 1.500 Meter langen "Aufwärmen" im Freiwasserpool vor der Skyline Sydney wagte dann die Japanerin Mariko Adachi schon nach wenigen Minuten einen Ausreißversuch. Laura Bennett (USA) und die anderen starken Schwimmerinnen reagierten darauf nicht. Offenbar war allen klar, dass die kleine Asiatin ihre Flucht auf dem Rad kaum lange durchhalten würde. Beachtliche 28 Sekunden eroberte Adachi schließlich bis zum Schwimmausstieg, dahinter brachten sich mit Weltmeisterin Helen Jenkins, Emma Moffatt und der Irin Aileen Morrison schon einige der besten Radfahrerinnen in Position. Was man von den deutschen Damen - abgesehen von Svenja Bazlen - zunächst einmal nicht behaupten konnte.

Bazlen arbeitet erfolglos

Nur der 28-Jährigen glückte der Sprung in die 29 Athleten große erste Gruppe, die den Ausflug von Adachi schon nach wenigen hundert Metern ohne große Mühe beendete. Während Anja Dittmer und Kathrin Müller in einer kleinen Gruppe dahinter um den Anschluss nach vorn kämpften, brachten sich Ricarda Lisk und Anne Haug in der dritten Verfolgergruppe schon früh in Zugzwang. Doch dort saßen auch Emma Snowsill und Nicola Spirig. Vor allem der radstarken Schweizerin war es schließlich zu verdanken, dass bei Halbzeit ein Peloton aus 50 Athletinnen geschlossen durch die Hafenstadt an der australischen Ostküste pedalierte. Das Rennen war wieder offen. Da half auch die engagierte Führungsarbeit von Svenja Bazlen nichts. Nicht ganz freiwillig brachte die nun nicht nur Snowsill und Spirig, sondern auch Anne Haug, die stärkste Läuferin im DTU-Team, in eine glänzende Ausgangslage für den entscheidenden 10-Kilometer-Lauf. Weil man sich danach nur noch belauerte und offenbar keine ihre Körner verschießen wollte, rollte das riesige Hauptfeld nach etwa 90 Rennminuten geschlossen zurück in die Wechselzone.

Densham düpiert alle

Dort fackelten die Favoriten dann nicht lange. Schnell bildete sich eine Gruppe aus sieben Athletinnen, darunter Jenkins, Spirig, Andrea Hewitt, Laura Bennett und Mooloolaba-Siegerin Erin Densham. Nicht ganz vorn, aber noch immer in Schlagdistanz: Ein deutsches Trio mit Svenja Bazlen, Anne Haug und Anja Dittmer. Den Sieg machten aber andere unter sich aus. Densham erhöhte von einem Wendepunkt zum nächsten das Tempo und zermürbte damit zuerst Bennett und Moffatt, später noch Spirig. An der letzten Wende, etwa einen Kilometer vor dem Ziel, musste dann auch Andrea Hewitt abreißen lassen. Wie 2011 blieb für die Neuseeländerin Platz drei. Densham dagegen krönte ihre überragende und taktisch brillante Laufeinlage (34:28 Minuten) mit einer letzten Tempoverschärfung, die auch die tapfere Jenkins nicht mehr kontern konnte.

Erfolgreicher WM-Auftakt | Jenkins, Densham, Hewitt: Das Podium der Frauen des Dextro Energy World Triathlon Sydney

Jenkins, Densham, Hewitt: Das Podium der Frauen des Dextro Energy World Triathlon Sydney

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Haug stark, dritter Olympiaslot in weiter Ferne

Mit ihrer besten Platzierung in einem Rennen der World Triathlon Series hat Anne Haug die Tür zu den Olympischen Spielen im August aufgestoßen. Die Ende 2011 nach Australien abgewanderte 29-Jährige kämpfte sich auf den letzten beiden Runden noch bis auf Platz sieben nach vorn. Immer wahrscheinlicher wird aber, dass es beim entscheidenden Rennen im Mai in Madrid für Haug, Bazlen und die anderen Damen nur um ein weiteres Olympiaticket geht. Denn Kathrin Müller verpasste als 44. den Sprung in die wichtigen Punkteränge. Damit bleibt das DTU-Team trotz des Ausfalls von Daniela Ryf weiter hinter den Schweizerinnen und vor allem auch den Neuseeländerinnen zurück und wäre die erste Nation, die nur zwei Starterinnen nach London schicken darf.

Ob Olympiasiegerin Emma Snowsill dort die Chance zur Titelverteidigung bekommt, bleibt ebenfalls weiter offen. Den geforderten Sieg verpasste sie als vierte Australierin deutlich - musste sogar Ashleigh Gentle noch den Vortritt lassen. Und da ist es wieder: Das Luxusproblem von Triathlon Australia.

Dextro Energy Triathlon Sydney 2012 | Frauen

  1. April 2012, Sydney (Australien)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Erin Densham

AUS

2:01:29

19:43

1:05:24

34:28

2

Helen Jenkins

GBR

2:01:38

19:35

1:05:33

34:32

3

Andrea Hewitt

NZL

2:01:45

19:40

1:05:24

34:38

4

Gwen Jorgensen

USA

2:02:12

19:59

1:05:06

34:56

5

Nicola Spirig

SUI

2:02:19

20:28

1:04:35

35:16

6

Ainhoa Murua

ESP

2:02:26

19:42

1:05:15

35:21

7

Anne Haug

GER

2:02:32

20:32

1:04:31

35:26

8

Kathy Tremblay

CAN

2:02:34

19:43

1:05:25

35:27

9

Mariko Adachi

JPN

2:02:39

19:07

1:05:55

35:30

10

Ashleigh Gentle

AUS

2:02:40

20:31

1:04:40

35:30

11

Non Stanford

GBR

2:02:43

20:05

1:04:58

35:35

12

Nicky Samuels

NZL

2:02:51

19:46

1:05:26

35:38

13

Emma Moffatt

AUS

2:02:55

19:35

1:05:26

35:52

14

Emma Snowsill

AUS

2:02:59

20:09

1:04:55

35:46

15

Laura Bennett

USA

2:03:02

19:37

1:05:24

36:01

20

Anja Dittmer

GER

2:03:16

20:11

1:04:47

36:09

26

Svenja Bazlen

GER

2:03:41

19:44

1:05:20

36:34

40

Ricarda Lisk

GER

2:05:05

20:29

1:04:38

37:51

44

Kathrin Müller

GER

2:05:15

20:12

1:04:55

38:07

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