Der Commonwealth jagt die Brownlee-Brüder

Nach einer Auszeit von acht Jahren kehrt der Triathlon in die Commonwealth Games zurück: Im schottischen Glasgow werden zum dritten Mal die schnellsten Athleten im Commonwealth of Nations gesucht. Die Startliste der Männer liest sich allerdings eher wie ein Länderkampf zwischen Großbritannien, Südafrika und Australien.

Von > | 23. Juli 2014 | Aus: SZENE

Brownlee Brothers | Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Jonathan Brownlee sprintet beim ITU World Triathlon Hamburg 2013 seinen Bruder Alistair aus.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Der Weltmeistertitel ist für Alistair Brownlee außer Reichweite, doch für viele Sportler gibt es zwischen den Olympischen Spielen ohnehin eine noch größere Motivation: Während in Deutschland wohl nur die hartnäckigsten Sportfans die Commonwealth Games - ein vierjähriges Sport-Großereignis zwischen den 53 Mitgliedsstaaten des Commonwealth of Nations - aktiv verfolgen, gibt es für die meisten Sportler aus den Mitgliedsstaaten nur ein noch wichtigeres Ereignis: Die Olympischen Spiele.

Nach Indien-Auszeit erneut im Programm

So dürfte es Alistair Brownlee nicht schwer gefallen sein, seine Pläne früh in der Saison etwas abzuändern und sich ganz auf die Commonwealth Games in Glasgow am Donnerstag (Start 16 Uhr MESZ) einzustellen - zumal die Goldmedaille eine der wenigen Trophäen ist, die noch in Brownlees beeindruckender Sammlung fehlt: Zwar hat der Triathlon bei den Commonwealth Games in den Jahren 2002 (Manchester) und 2006 (Melbourne) bereits zwei Mal den Weg ins Programm dieses Großeregnisses gefunden, 2010 fiel der Ausdauerdreikampf bei der aus hygienischen und organisatorischen Gründen umstrittenen Austragung im indischen Delhi aber - auch mangels geeigneter Schwimmstätten - aus dem Programm.

Dafür steht der Triathlon 2014 aber gleich doppelt auf dem Plan: Denn neben den Einzelrennen der Männer und Frauen am Donnerstag wird am Samstag außerdem eine Mixed-Team-Staffel über 250 Meter Schwimmen, sechs Rad- und 1,6 Laufkilometer ausgetragen.

Südafrikanisches Taktik-Dilemma

Die Chancen, dass sich nach Siegen des Kanadiers Simon Whitfield (2002) und des Australiers Brad Kahlefeldt (AUS, 2006) der dritte Kontinent über eine Goldmedaille freuen darf, stehen dabei exzellent: Nicht nur, weil in den Briten Alistair und Jonathan Brownlee zwei der Olympia-Medaillengewinner von London 2012 als Favoriten in das Rennen über die olympische Distanz gehen werden und der ältere der beiden Brüder glaubt, dass ihm "der ehrliche, anspruchsvolle Kurs perfekt liegt". Sondern viel mehr, weil allein die Briten insgesamt neun Athleten ins Rennen schicken werden - und ernstzunehmende Konkurrenz auch aus Afrika kommt.

Denn auch wenn er läuferisch verletzungsbedingt noch nicht auf dem Niveau der Brownlee-Brüder mithalten kann, dürfte der Südafrikaner Henri Schoeman, ein herausragender Schwimmer, in Glasgow doch eine gewichtige Rolle spielen können, vielleicht sogar gemeinsam mit den Brownlees einen Fluchtversuch wagen - sofern er nicht vom eigenen Verband ausgebremst wird. Denn neben Schoeman schicken die Südafrikaner auch Richard Murray, dessen Stärken genau gegenteilig zu seinem Landsmann Schoeman verteilt sind: Im Schwimmen verliert er häufig noch etwas Zeit auf die Spitze - kann den Brownlees beim Laufen allerdings bereits Paroli bieten. Profitieren könnte Murray vom Start des Kiwis Tom Davison, der sich in den ersten WM-Rennen der Saison als aggressiver Radfahrer und Brownlee-Jäger in der zweiten Disziplin aufgedrängt hat.

Auch Wian Sullwald (RSA) und die erstarkten Australier um Ryan Bailie und Aaron Royle könnten bei der Vergabe der Medaillen eine Rolle spielen. Die Briten schicken in Daniel Halksworth und David McNamee weitere Podestkandidaten in das mit 45 Athleten besetzte Rennen. Athleten aus den weiteren Commonwealth-Nationen haben gegen die Übermacht aus Australien, Großbritannien und Südafrika nur Außenseiterchancen.