Deutschland ist Weltmeister!

Bei ihrem Heimrennen in Hamburg drehten die deutschen Triathlonprofis auf: Im spannenden Team-Sprint holten Anja Knapp, Jan Frodeno, Anne Haug und Franz Löschke WM-Gold vor Neuseeland und den USA. Die britischen Titelverteidiger schieden nach einem Sturz in Führung liegend aus.

Von > | 21. Juli 2013 | Aus: SZENE

Team Germany | Deutschland ist Weltmeister: Jan Frodeno, Anne Haug, Anja Knapp und Frank Löschke

Deutschland ist Weltmeister: Jan Frodeno, Anne Haug, Anja Knapp und Frank Löschke

Foto >Silke Insel / spomedis

Das war ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen - und genau so ist eben der Mixed Team Sprint". Der frischgebackene Weltmeister Franz Löschke fasste damit im Ziel eines dramatisch spannenden Mannschaftsrennens der Deutschen in einem atemlosen Satz ziemlich treffend zusammen, was in den letzten knapp 78 Minuten passiert war. Denn zwischenzeitlich sah es gar nicht gut aus für das deutsche Viererteam - nicht einmal für einen dritten Platz und die ersehnte Medaille bei der ersten Heim-WM seit 2007, als Daniel Unger Gold holte.

Knapp verliert beim Laufen

Zwar biss sich die erste Starterin Anja Knapp über 300 Meter Schwimmen in der kleinen Alster und 6,6 Radkilometer durch die Hamburger Innenstadt gleich in der sich schnell bildenden Spitzengruppe fest. Beim abschließenden 1,6 Kilometerlauf über zwei Runden musste sie allerdings die auf dem Papier unschlagbaren Briten mit Jodie Stimpsen, Alistair Brownlee, Non Stanford und Jonathan Brownlee, die US-Girls um Sarah Groff, Neuseeland, die Niederlande und vier weitere Teams ziehen lassen.

Frodeno startet Aufholjagd

Als Zweiter machte sich dann der Olympiasieger von 2008 auf die Jagd. Und Jan Frodeno schaffte es tatsächlich, die Lücke nach vorn wieder kleiner werden zu lassen. Dort machten zwar die Briten in Person des London-Olympiasiegers Alistair Brownlee das, was alle von ihnen erwarteten: Sie dominierten. Doch dahinter konnte Frodeno einige der enteilten Teams wieder stellen. Besonders beim Laufen drehte Frodeno richtig auf und nahm Brownlee auf den 1,6 Kilometern sogar neun Sekunden ab. Was wohl schwerer fiel, als es von außen betrachtet aussah: "Das war eine Viertelstunde im zweistelligen Laktat-Bereich, die anderen Jungs sind ja keine Flaschen."

Großbritannien stürzt, Haug rennt nach vorn

Trotzdem sah alles nach einer erfolgreichen Titelverteidigung der Briten aus. Denn die dritte Starterin des Königreichs setzte sich sofort allein an die Spitze. Non Stanford war bereits auf über 15 Sekunden enteilt und hätte damit auch eine bereits verkündete 10-Sekunden-Zeitstrafe für ihr Team kompensiert. Doch dann stürzte sie auf dem Rad nach einem Fahrfehler so schwer, dass Großbritannien das Rennen aufgeben musste.

Nutznießer Nummer eins: das deutsche Team. Denn Anne Haug schloss die Lücke nach vorn mit einem Kraftakt und der zweitschnellsten Frauen-Einzelzeit des Tages und übergab hinter den USA auf Rang zwei an den Schlussläufer Franz Löschke. Der allerdings schwamm und radelte lange dem auf zehn Sekunden enteilten US-Amerikaner Cameron Dye hinterher, dessen knapper Vorsprung trotz aller Bemühungen nicht schmelzen wollte. Erst, als der Neuseeländer Ryan Sissons den Potsdamer eingeholt hatte und beide gemeinsam hinter Dye herjagten, wurde die Lücke langsam kleiner. Am Eingang der letzten Wechselzone waren Löschke und Sissons dran – und mit einem Blitzwechsel übernahm Löschke die Führung.

Löschke gnadenlos

Wer Löschke kennt, weiß, dass der 24-Jährige den Kampf Mann gegen Mann liebt. Aber diese Liebe wollte er dieses Mal wohl nicht besonders lang genießen: Schon auf den ersten Metern setzte sich Löschke an die Spitze und erkämpfte sich sofort einen kleinen Vorsprung. Als er mit seinem typisch kraftvollen Laufstil zum letzten Mal über dem Hamburger Rathausmarkt sprintete, war das erste deutsche Team-Sprint-Gold plötzlich greifbar nah. Und statt seinen Mini-Vorsprung zu verteidigen, legte Löschke nochmal nach, nahm sich erst auf der Zielgerade die Zeit, Hunderte sich ihm entgegenstreckende Hände abzuklatschen und feierte nach 1:17:55 Stunden vor 150.000 Zuschauern in der Hansestadt einen klaren Sieg seines Teams gegen Neuseeland und die USA. Die Schweizer – sonst eine Bank in dem noch relativ neuen Staffel-Format – erwischten keinen guten Tag. Nach einem Sturz des zu dem Zeitpunkt vorn liegenden Florin Salvisberg kamen die Eidgenossen diesmal „nur“ auf Rang sieben ins Ziel.

ITU WM Mixed Relay

  1. Juli 2012, Hamburg

Team

Gesamt

Starter 1

Starter 2

Starter 3

Starter 4

1

Deutschland

1:17:55

20:20

18:33

20:04

18:59

2

Neuseeland

1:18:14

20:08

18:34

20:27

19:06

3

USA

1:18:19

20:06

18:38

20:01

19:35

4

Australien

1:18:33

20:10

18:29

20:41

19:15

5

Frankreich

1:18:49

20:21

18:29

20:40

19:21

6

Italien

1:19:00

20:17

18:37

20:30

19:37

7

Schweiz

1:19:37

20:13

18:46

21:55

18:45

8

Russland

1:19:40

20:33

18:59

21:21

18:48

9

Kanada

1:19:46

20:22

19:09

21:04

19:13

10

Japan

1:19:51

20:19

18:54

21:09

19:30

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