Die Brownlee-Show

Fast zwei Monate hatte Alistair Brownlee Zeit, sich von seinem missglückten Saisonauftakt in Sydney zu erholen. Gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan versetzte er beim zweiten WM-Rennen in Madrid nicht nur die Deutschen in einen Schockzustand.

Von > | 4. Juni 2011 | Aus: SZENE

Kühlung | Den Bedingungen trotzen

Den Bedingungen trotzen

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Platz sechs für Jan Frodeno, Maik Petzold auf neun, Steffen Justus Zehnter – kein Team war am Samstag erfolgreicher als die Deutschen. Bundestrainer Roland Knoll könnte also mit dem deutlichen Aufwärtstrend bei seinen besten Männern zufrieden sein. Doch der Blick hinter die Platzierungen ist ernüchternd, denn der Abstand zur absoluten Weltspitze ist so groß wie seit Jahren nicht mehr: Über 90 Sekunden trennen - Ausnahme: Steffen Justus - die derzeit stärksten Athleten der deutschen Triathlon-Nationalmannschaft in Madrid allein auf der Laufstrecke vom britischen Spitzenduo, dem Brüderpaar Alistair und Jonathan Brownlee. "Schlicht sensationell" nannte der deutsche Olympiasieger Jan Frodeno die Vorstellung der beiden später im Interview mit dem ZDF, und die eigene Leistung "ein langsames Herantasten" an die Weltspitze.

Kräftemessen der Asse

Die Deutschen stehen damit keineswegs allein. Auch die anderen großen Triathlon-Nationen - Australien, Neuseeland, die USA oder Frankreich - müssen nun, zwei Monate vor der Olympiaqualifikation in London, überlegen, wie sie das Problem Brownlee lösen wollen. Mit purer Athletik allein wohl nicht - zu deutlich war auf dem selektivsten Kurs der gesamten Serie die körperliche Überlegenheit der beiden Briten, die gemeinsam mit dem Spanier Javier Gomez den Rhythmus bestimmten. "Es war das Kräftemessen der Asse", meinte der jüngere der beiden Brownlee-Brüder, Jonathan, im Ziel. Besser hätte man den Rennverlauf kaum auf den Punkt bringen können.

Nur zehn Sekunden hinter dem Russen Dimitri Polyanski und dem Franzosen Aurélien Raphael hatten die drei zurzeit besten Kurzdistanz-Triathleten der Welt die beiden 750-Meter-Schwimmrunden nach gut 18 Minuten hinter sich und versuchten sofort, das Feld zu sprengen; der mehrere Hundert Meter lange und bis zu zwölf Prozent steile Anstieg gleich zu Beginn der acht Mal zu fahrenden Runde war dafür wie gemalt. Nur mit einem gewaltigen Kraftakt gelang es Jan Frodeno, seinen 15-sekündigen Rückstand aus dem ersten Wechsel zu neutralisieren. Als Letzter schaffte er eingangs der zweiten Radrunde gerade noch den Anschluss an die nun zwölfköpfige Spitzengruppe, zu der auch der zweimalige Europameister Fréderic Belaubre und der WM-Dritte von 2009, Maik Petzold, gehörten. Ums Tempo allerdings wollte - oder konnte - sich keiner der Genannten mehr verdient machen. Allein Gomez und die beiden Brownlees zeichneten dafür verantwortlich, dass sich der Abstand zur Verfolgergruppe mit jeder Runde um rund zehn Sekunden auf über 1:30 Minuten zum zweiten Wechsel vergrößerte.

"Ich hatte gehofft, die werden langsamer"

Was dann passierte, war nach dem Rennverlauf zwar irgendwie erwartbar, in dieser Deutlichkeit aber dann doch ein Schock: Innerhalb von nur einer Runde rissen Alistair Brownlee und sein jüngerer Bruder Jonathan ein Loch von mehr als 20 Sekunden zum viertplatzierten Russen Alexander Brukhankov auf, Jan Frodeno büßte auf Platz fünf auf den ersten 2,5 Kilometern gar über 30 Sekunden ein. Ein Rückstand, wie ihn der 29-Jährige in der vergangenen Saison über die gesamten zehn Kilometer nur selten hatte. Und Javier Gomez, der Weltmeister? Er kämpfte im Windschatten der beiden Briten darum, nicht ebenfalls schon zu Beginn abgehängt zu werden. "Die sind so unglaublich schnell losgerannt, viel zu schnell für mich", gestand der Spanier später, er habe "gehofft, dass die irgendwann mal langsamer werden." Nach vier Kilometern musste auch er reißen lassen.

Da war es endlich, das erste große Brownlee-Finale in einem WM-Rennen. Es fand sein Ende erst gut 1.000 Meter vor der Finishline, als der ältere der beiden Brüder, Alistair, mit einer letzten Tempoverschärfung den jüngeren, Jonathan, schließlich doch noch überraschend deutlich hinter sich ließ. Fast 20 Sekunden, die der Weltmeister von 2009 im Zielkanal seinen dritten Erfolg in Madrid feierte. Um schließlich doch Hand in Hand mit seinem jüngeren Bruder den ersten Doppelsieg zu feiern. "Geplant", meinte er, "haben wir das so nicht. Die Zeit war einfach gekommen."

2011 Dextro Energy Triathlon - ITU World Championship Series

  1. Juni 2011, Madrid (Spanien)

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

Gesamt

1

Alistair Brownlee

GBR

18:09

1:01:25

30:08

1:51:06

2

Jonathan Brownlee

GBR

18:12

1:01:27

30:13

1:51:09

3

Javier Gomez

ESP

18:13

1:01:21

30:57

1:51:51

4

Alexander Brukhankov

RUS

18:10

1:01:24

31:02

1:52:02

5

Dmitry Polyansky

RUS

18:02

1:01:36

31:33

1:52:30

6

Jan Frodeno

GER

18:12

1:01:23

31:48

1:52:43

7

Frederic Belaubre

FRA

18:12

1:01:23

31:49

1:52:45

8

Aurélien Raphael

FRA

18:07

1:01:24

31:53

1:52:49

9

Maik Petzold

GER

18:06

1:01:29

32:00

1:53:01

10

Steffen Justus

GER

18:47

1:02:19

30:38

1:53:04

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