Docherty siegt, Frodeno im Pech

Bevan Docherty hat die erste Etappe der World Championship Series in Sydney gewonnen. Mit einer Attacke im richtigen Moment sprengte der Neuseeländer das Feld der Favoriten und siegte knapp vor dem Russen Alexander Brukhankov und David Hauss aus Frankreich.

Von > | 11. April 2010 | Aus: SZENE

Bevan Docherty | Bevan Docherty

Bevan Docherty

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Wenige Hundert Meter vor dem Wechsel zum Laufen, im Schatten der Sydney Opera, endete Jan Frodenos Traum vom erfolgreichen Saisonstart. In einer der letzten engen Kurven wurde der Olympiasieger von Peking in ein Absperrgitter gedrückt und kam zu Fall. Im ersten Moment habe er abartige Schmerzen im Oberschenkel verspürt, so der 28-Jährige später. Doch Frodeno rappelte sich auf und startete aus aussichtsloser Position eine respektable Aufholjagd. Nur sieben der 58 gestarteten Athleten liefen die zehn Kilometer im Hafen von Sydney schneller als er. Dennoch überquerte der gebürtige Kölner die Ziellinie abgeschlagen auf Platz 32. "Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend, aber ich verlasse Australien mit dem Wissen, dass die Form stimmt", gibt sich Frodeno auf seiner Website zuversichtlich. Schon in Seoul wolle er zeigen, was wirklich in ihm steckt. Ernüchternd verlief der WM-Auftakt auch für Daniel Unger: Der Mengener kam in der hektischen Schlussphase auf dem Rad zwar glimpflicher davon als Frodeno, konnte beim Laufen aber das Tempo der schnellsten nicht mitgehen und rettete sich fast drei Minuten nach dem Sieger und knapp vor Frodeno als 29. ins Ziel.

Die Hauptdarsteller des ersten Rennens der neuen WM-Saison kamen aus Russland. Schon wenige Sekunden nach dem Startschuss übernahmen Valentin Meshcheryakov und Igor Sysoev an der Farm Cove das Kommando. Gefolgt vom Franzosen Frederic Belaubre zog das russische Duo das Feld der 58 Athleten am Fuße eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt schnell auseinander. Nach 18:25 Minuten verließ deren Landsmann Polyansky als Erster das 22 Grad warme Hafenbecken von Sydney. Im Sekundenabstand ging es dann auf den spektakulären Stadtkurs der australischen Metropole.

Übermut tut Chuchko gut

Auch dort dauerte es nur wenige Kilometer bis die ersten Attacken Unruhe in die Spitzengruppe mit allen Favoriten brachten. Zunächst hatte keiner der Ausreißer Glück. Als dann wiederholt der junge Russe Anton Chuchko einen Angriff lancierte und schnell Unterstützung vom Spanier Ivan Rana und Peter Croes aus Belgien bekam, drohte dem Hauptfeld zum ersten Mal ernsthafte Gefahr. Doch der etwas übermütige Chuchko sprengte nach wenigen Kilometern das Spitzentrio - damit war auch dieser Fluchtversuch gescheitert. Mehr Glück hatte etwas später der US-Amerikaner Hunter Kemper, der eine kurze Ruhephase im Hauptfeld zu einer weiteren Attacke nutzte. An seinem Hinterrad: der unermüdliche Anton Chuchko. Als das Duo den Tunnel unter dem Opernhaus nach 35 Kilometern zum vorletzten Mal passierte, lagen die Favoriten um Jan Frodeno und Brad Kahlefeldt schon fast eine Minute im Hintertreffen. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es schwer werden würde, noch ganz vorn einzugreifen - zumal sich mit Tony Moulai (FRA), dem schnellsten Radfahrer des Tages, und Matt Chrabot (USA) in der letzten Runde zwei weitere gefährliche Konkurrenten aus dem Hauptfeld lösen konnten.

Docherty lauert und siegt

Noch auf der ersten von vier Laufrunden mussten zunächst Chuchko und später auch Kemper für ihren mutigen, aber auch kraftraubenden, Vorstoß büßen. Während sich die schnellsten Läufer zunächst belauerten, nutzten Chrabot und Moulai die Gunst der Stunde. Doch weder beim US-Amerikaner noch beim Franzosen währte die Freude über die Führung lange, denn unterdessen war Bewegung in die prominente Verfolgergruppe gekommen. Bevan Docherty, der sich zuvor geschickt im Hintergrund gehalten hatte, läutete nach fünf Laufkilometern den großen Showdown ein. Eine kurze, aber aggressive Tempoverschärfung reichte dem Neuseeländer, um seine wichtigsten Konkurrenten abzuschütteln und den Rückstand auf die Spitze binnen weniger Minuten wettzumachen. Mit dem Russen Polyanski im Schlepptau übernahm der Olympia-Dritte von Peking drei Kilometer vor dem Ziel schließlich die Führung. Als auch Polyansky kurz darauf schwere Beine bekam, war das Rennen entschieden. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, ausgerechnet hier in Sydney zu gewinnen", sagte Docherty wenige Minuten nach seinem Sieg. Für das starke russische Team sicherte Alexander Brukhankov nach einem leidenschaftlichen Zielsprint gegen den Franzosen David Hauss den zweiten Platz. Für Polyansky blieb der undankbare vierte Rang.

Nach einer vierwöchigen Pause geht die Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series 2010 am 8. Mai im südkoreanischen Seoul in ihre zweite Runde. Dann greifen auch Maik Petzold und Steffen Justus ins Wettkampfgeschehen ein.

2010 Dextro Energy Triathlon - ITU World Championship Series

  1. April 2010, Sydney (Australien)

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

Gesamt

1

Bevan Docherty

NZL

18:44

1:00:07

31:20

1:51:27

2

Alexander Brukhankov

RUS

18:41

1:00:44

30:55

1:51:33

3

David Hauss

FRA

18:39

1:00:42

31:01

1:51:34

4

Dmitry Polyansky

RUS

18:25

1:00:58

31:07

1:51:40

5

Simon Whitfield

CAN

18:35

1:00:42

31:14

1:51:42

6

Tony Moulai

FRA

19:27

59:01

32:10

1:51:49

7

Greg Bennett

AUS

18:34

1:00:41

31:28

1:51:53

8

Laurent Vidal

FRA

18:33

1:00:41

31:30

1:51:54

9

Matt Chrabot

USA

18:32

1:00:01

32:15

1:51:56

10

Hunter Kemper

USA

18:30

59:39

32:51

1:52:07

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