DTU-Nachwuchs auf Medaillenjagd

Wenn der Triathlon-Nachwuchs auf Medaillenjagd geht, ist Aufmerksamkeit gefragt - vor allem in diesem Jahr. 2012 war für die DTU nach zehn erfolgsverwöhnten Jahren die erste Saison ohne WM-Medaille bei den Junioren oder U23-Jährigen. In London will das Team am Donnerstag versuchen, die Kräfteverhältnisse wieder gerade zu rücken.

Von > | 11. September 2013 | Aus: SZENE

Maximilian Schwetz | Maximilian Schwetz bei den U23-Europameisterschaften in Holten 2013.

Maximilian Schwetz bei den U23-Europameisterschaften in Holten 2013.

Foto >Fabian Fiedler

Steffen Justus gegen Javier Gómez (ESP), Vincent Luis (FRA) gegen Alistair Brownlee (GBR) und gegen dessen Bruder Jonathan. Mario Mola  (ESP) gegen Jonathan Brownlee - und Erin Densham im Kräftemessen mit Emma Moffatt (beide AUS). Was in der Gegenwart nach Normalität klingt, waren vor wenigen Jahren noch Platzierungskämpfe, die abseits der ganz großen Triathlon-Bühne stattgefunden haben. Dort, in den Rennen um die U23- und Junioren-Weltmeisterschaften, präsentieren sich seit vielen Jahren die hoffnungsvollsten Talente aus allen Nationen. Und beschnuppern sich erstmals gegenseitig - bevor sie sich in vielen Fällen schon im Jahr darauf erstmals in der World Triathlon Series wieder begegnen. Und sie mitunter dominieren.

Schwimmer gegen Läufer

Auch die Deutsche Triathlon Union (DTU) hatte in den vergangenen Jahren mit den mittlerweile im Elitebereich etablierten Franz Löschke, Rebecca Robisch oder Gregor Buchholz beim Kampf um die Medaillen zumindest ein heißes Eisen im Feuer, konnte nach den Weltmeisterschaften im mexikanischen Cancún im Jahr 2002 von jeder Triathlon-Weltmeisterschaft mindestens eine Medaille aus dem Nachwuchsbereich mit nach Hause bringen. Im vergangenen Jahr riss diese Serie - denkbar knapp. Denn Sarah Wilm verpasste in Auckland im Juniorenrennen als Vierte nur hauchdünn das Podest. Dass das Nachwuchsteam der DTU im Londoner Hyde Park wieder zurück in die Erfolgsspur findet, ist zwar nicht sicher - aussichtslos gehen die deutschen Triathleten aber auch nicht in ihre Wettkämpfe, die am Donnerstag ausgetragen werden.

Vor allem die U23- Starter können sich Chancen ausrechnen, im Kampf um die vorderen Platzierungen mitzumischen - auch wenn Bundestrainer Dan Lorang nach einer "aus verschiedenen Gründen nicht optimal verlaufenen Vorbereitung" zunächst einmal nur von Top-15-Platzierungen sprechen will. Doch auch dafür müssen sich seine Schützlinge schon in den ersten beiden Disziplinen richtig ins Zeug legen: Zwar gehören die beiden Deutschen Justus Nieschlag und der Europameisterschafts-Vierte Maximilian Schwetz zu den besten Schwimmern im Feld, trotzdem müssen auch sie von Anfang an hochkonzentriert sein. Denn neben diesem Duo stehen auch einige sehr starke Läufer am Start - und hochkarätige Schwimmer, die sich diese Laufspezialisten bis zum zweiten Wechsel sicher gern vom Hals halten würden.

U23-Europameister Florin Salvisberg (SUI), der Vorjahresvierte Pierre Le Corre (FRA), Junioren-Weltmeister Wian Sullwald (RSA), Ben Kanute (USA), Jelle Geens (BEL) und Vincente Hernandes (ESP) - sie alle haben Stärken in der Auftaktdisziplin, werden aber nur ungern mit dem laufstarken Italiener Davide Uccellari und dem Spanier Fernando Alarza auf die Laufstrecke wechseln wollen. Unkonzentriertheiten und leichtsinnige Zeitverluste dürfen sich die Deutschen auf den ersten Metern daher nicht leisten. "Ich werde in Zukunft definitiv meinen Rennanzug unter dem Neopren immer zumachen", sagt Maximilian Schwetz, der genau das bei der U23-EM in Holten nicht getan hatte, sich versehentlich den Rennanzug über die Hüfte abstreifte und deshalb den Anschluss an die Spitzengruppe verpasste. In London wird er nach einer kleinen Wettkampfpause, in der der Physik-Student einige Klausuren abarbeiten musste, nun wohl erstmals wieder mit Neoprenanzug am Start stehen - die Wassertemperatur im See "The Serpentine" liegt derzeit bei nur 16 Grad Celsius.

Elite-Europameisterin im U23-Feld

Auch im Rennen der U23-Damen stehen einige starke Schwimmerinnen am Start. Natalie van Coevorden (AUS) und Lucy Hall (GBR) gehören auch in der World Triathlon Series bereits zu den stärksten Schwimmerinnen, mit der U23-Ozeanienmeisterin Simone Ackermann (NZL), Wahl-Österreicherin Sara Vilic und U23-Europameisterin Lois Rosindale (GBR) haben sich außerdem noch einige weitere gefährliche Athletinnen angemeldet - auch wenn Rosindale beim WM-Serienrennen in Stockholm zuletzt Lehrgeld zahlen musste.

Die deutschen Farben werden in diesem Rennen Lisa Sieburger und Hanna Philippin vertreten. Während es für Sieburger eher schwierig werden dürfte, nach dem Schwimmen sofort den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen, hat die Junioren-Europameisterin von 2011, Philippin, nicht zuletzt mit dem starken neunten Rang beim WM-Serienrennen in Hamburg angedeutet, dass mit ihr an einem guten Tag zu rechnen ist. "Das darf man von ihr aber noch nicht regelmäßig erwarten", bremst Dan Lorang die Erwartungen. Auch Charlotte McShane (AUS) und die französische Elite-Europameisterin von 2011, Emmie Charayron, werden im U23-Rennen auf Medaillenjagd gehen.

Die europäische Top-Ten geschlossen dabei

Noch deutlich schwieriger vorherzusagen sind traditionell die Rennen der Junioren. Das liegt vor allem daran, dass die Youngster international bisher meist nur selten in Erscheinung getreten sind und bei den Weltmeisterschaften häufig erstmals ins kalte Wasser geworfen werden. Doch zumindest einige ihrer stärksten Konkurrenten durften die drei männlichen DTU-Starter bereits kennenlernen: Alle zehn Erstplatzierten der diesjährigen Junioren-Europameisterschaften haben sich für den Kampf ums WM-Gold angekündigt - zusätzlich der Norweger Kristian Blummenfelt, der bei der WM 2012 in Auckland Vierter wurde. Als bestplatzierter Deutscher (9. Platz) bei den Europameisterschaften geht in London Lasse Nygaard-Priester ins Rennen. Begleitet wird er vom Europameisterschafts-16., Jonas Breinlinger, und Jonas Schomburg, der in dieser Saison bereits unter anderem mit zwei Top-Ten-Platzierungen in Elite-Europacuprennen auf sich aufmerksam machen konnte - und sich dort vor allem beim Schwimmen stark präsentierte.

Auch im Juniorinnen-Rennen gehen drei DTU-Athletinnen an den Start: Anna Wagenknecht, Sophia Saller und Laura Lindemann hat die DTU für das Rennen in Großbritannien nominiert. Ein Rennen, das für die Deutsche Juniorenmeisterin Saller sogar ein Heimspiel ist: Denn die Münchnerin studiert in Oxford Mathematik, freut sich dementsprechend besonders auf diesen Wettkampf - und hat mit dem siebten Platz bei den Deutschen Elite-Meisterschaften in Hannover Ende August bereits eine gute Form bewiesen. Einen Platz und 20 Sekunden vor ihr lief dort Lindemann ins Ziel, die in diesem Jahr bereits bei den Junioren-Europameisterschaften die Silbermedaille gewinnen konnte - hinter der Britin Georgia Taylor-Brown, die ebenfalls in London starten wird. Die dritte Deutsche im Team, Anna Wagenknecht, habe sich eine Top-20-Platzierung vorgenommen, erzählte sie dem "Nordkurier".  Um Medaillen geht es dagegen für die Titelverteidigerin Fumika Matsumoto (JPN) und Leonie Perault (FRA) sowie Tamara Gormann (USA), die schon im vergangenen Jahr das WM-Podest stellten. Auch die starke Schwimm-Radfahrerin Emma Sharkey (IRL), Jaz Hedgeland (AUS) und Sumire Ohara (JPN) könnten das Rennen entscheidend beeinflussen.

tri-mag.de berichtet von den Entscheidungen am Donnerstag und den Folgetagen zeitnah aus dem Londoner Hyde Park. Die Juniorenrennen werden am Donnerstag um 9 (Frauen) und 11 Uhr (Männer) deutscher Zeit gestartet, die U23-Athleten gehen um 13 und 16 Uhr an den Start.