Gómez und die Brownlees: Der ewige Dreikampf

Vor dem Königlichen Palast von Stockholm geht es am Sonntag um die perfekte Ausgangsposition für das Grand Final der World Triathlon Series 2013. Javier Gómez nimmt das Rennen aus der Pole-Position in Angriff. Doch in seinem Rückspiegel lauern die Brownlee-Brüder - und die dürften nach dem Doppelsieg von Hamburg auch in Schweden mit vollem Tank und breiter Brust auflaufen.

Von > | 23. August 2013 | Aus: SZENE

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Trio Brownlee, Gómez

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Ein Triathlon besteht aus drei Disziplinen und am Ende gewinnen immer die Brownlees. Vor dem 38. Rennen der Geschichte der World Triathlon Series am kommenden Sonntag in Stockholm müssten die Gegner der beiden britischen Überathleten eigentlich verzweifelt in der Ecke sitzen und darüber nachdenken, warum sie sich überhaupt noch mit dem Olympiasieger und seinem zwei Jahre jüngeren - kaum minder erbarmungslosen - Bruder an ein und dieselbe Startlinie stellen. 37 Rennen gab es bisher in der 2009 eingeführten WM-Serie der International Triathlon Union (ITU). 24 Mal stand einer der Brownlees am Start und unglaubliche 20 Mal später auch auf dem Siegertreppchen. Drei Mal schaffte der Spanier Javier Gómez das Kunststück, einen der Briten niederzuringen, einmal trabte Alistair nach einer Zeitstrafe lustlos über den Zielstrich. Ein einmaliger Siegeszug in der Geschichte des internationalen Triathlons. Und das - zumindest für die Konkurrenten - Frustrierende daran: Es ist kein Ende in Sicht.

Gómez und der Brownlee-Fluch

Noch liegen Jonathan und Alistair Brownlee in der Gesamtwertung des WM-Serie auf den Plätzen fünf und sechs. Allerdings nur, weil beide erst drei der bisher fünf WM-Stationen angeflogen haben. Und natürlich kein einziges Mal bezwungen wurden. Gewinnt einer der beiden auch das letzte Rennen vor dem Grand Final Mitte September im Londoner Hydepark reist er als WM-Führender nach London, um dort den vierten WM-Titel für die Familie einzutüten. Allein Javier Gómez - dem aktuell Führenden - ist zuzutrauen, genau das zu verhindern. Dass er seine britischen Dauerrivalen in diesem Jahr noch kein einziges Mal schlagen konnte, dürfte für den 30-jährigen Galicier Ansporn genug sein. Aus seinem Kopf verbannen, sollte Gómez allerdings das Stockholmer Regenrennen von 2012. Damals verpasste er nach einer Prügelei im Wasser die Spitzengruppe beim Radfahren und musste Jonathan Brownlee, trotz schnellster Laufzeit, die Krönung vor dem schwedischen Königspalast überlassen. Will Gómez dort am Sonntag als Erster über den Zielstrich laufen, sollte die Brownlees auf den 1,5 Auftaktkilometern durch den "Stockholm Ström" dieses Mal möglichst nicht aus den Augen verlieren. Die Chancen dafür stehen gut - denn nach der Sprint-Premiere im vergangenen Jahr steht am Wochenende erstmals ein Rennen über die klassische Kurzdistanz auf dem Programm. Gewinnt Gómez das Rennen in der schwedischen Hauptstadt tatsächlich hätte er vor dem Finale der Serie 3.080 Punkte (zwei Siege, zwei zweite Plätze) auf seinem Konto. Dann könnte ihm nur Jonathan mit einem zweiten Platz die Spitze abjagen. Der hätte in diesem Fall nämlich einen Sieg und damit 60 Punkte mehr auf seinem Konto.

Mehr als schmückendes Beiwerk?

Neben dem britisch-spanischen Trio kämpfen 56 weitere Profis um gute Ausgangspositionen fürs Finale - auch wenn die Chancen, dort dann ernsthaft um die Medaillen mitzukämpfen äußerst klein sind. Selbst Gómez' Teamkollege Mario Mola, der Südafrikaner Richard Murray und Portugals Joao Silva müssen wohl eher auf ein Missgeschick der Dominatoren aus Leeds hoffen, wollen sie in London zum ersten Mal WM-Edelmetall mit nach Hause nehmen. Von den Medaillenrängen sind die beiden deutschen Stockholm-Starter weit entfernt. Gregor Buchholz liegt nach dem unglücklichen Rennen in Hamburg auf Platz 26, Jonathan Zipf, der nach der kurzfristigen Hamburg-Absage nur den zwölften Platz aus Kitzbühel in die Wertung bringt, liegt auf Rang 46 der Gesamtwertung. Für beide geht es am Sonntag darum, wichtige Punkte für die internationalen Rankings zu sammeln und sich zugleich eine gute Ausgangsposition auf der "Road to Rio" zu sichern. Die Teamkollegen von Zipf und Buchholz verzichten aus verschiedenen Gründen auf das Rennen in Stockholm. Steffen Justus, der derzeit bestplatzierte Deutsche, trainiert nach einer längeren Laufpause zwar schon wieder - hat aber erst das Finale in London wieder auf dem Plan. Darauf muss sich auch Franz Löschke, der umjubelte Schlussstarter des Weltmeister-Teams von Hamburg, konzentrieren. Der Potsdamer musste seinen geplanten Start in Stockholm aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Bevor es im September nach London geht, will der 24-Jährige am 31. August in Hannover aber nach dem Titel über die Kurzdistanz 2012 auch den Deutschen Meistertitel auf der Sprintdistanz nach Potsdam holen.

tri-mag.de berichtet am Sonntag aktuell von den Rennen in der schwedischen Hauptstadt.