Haug Dritte - Jorgensen bringt sich in Favoritenstellung

Mit einem dritten Platz beim letzten WM-Serienrennen vor dem Grand Final hat Anne Haug erneut ihre gute Form bewiesen - in der WM-Wertung aber an Boden verloren. Denn der wie entfesselt laufenden US-Amerikanerin Gwen Jorgensen war in Stockholm keine Konkurrentin gewachsen.

Von > | 24. August 2013 | Aus: SZENE

Gwen Jorgensen | Gwen Jorgensen gewint in Stockholm.

Gwen Jorgensen gewint in Stockholm.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Es ist eine Saison, wie es sie im Triathlonsport wohl noch nicht gegeben hat. Mit einem dritten Platz beim letzten Rennen vor dem Grand Final in London in drei Wochen hat Anne Haug erneut ein beeindruckende Leistung abgerufen - und könnte sich mit Blick auf das Gesamtklassement doch ein wenig wie die "Verliererin" des Tages fühlen. Denn ein dritter Platz, so eng geht es in diesem Jahr an der Spitze zu, reicht ihr nicht, um sich im Klassement weiter zu verbessern - wogegen vor ihr ihre schärfsten Konkurrentinnen Gwen Jorgensen (USA) und Non Stanford (GBR) große Wertungen absahnten. Und nun vor dem alles entscheidenden Rennen im WM-Klassement gleichauf mit Haug liegen.

Drei auf Augenhöhe

3.033 Punkte für Gwen Jorgensen, 3.025 für Anne Haug, 3.020 für Non Stanford - nur 13 Pünktchen also nur trennen den ersten vom dritten Rang. Eine winziger Abstand, der bei der Entscheidung im Finale keine Rolle spielen wird, da dort deutlich höhere Punktabstände zwischen den ersten Platzierungen liegen. "Es war ohnehin schon klar, dass sich alles erst im Finale entscheiden wird", zeigte sich Anne Haug nach dem Rennen in Stockholm trotzdem optimistisch. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem dritten Platz."

Denn für diesen Podestrang hatte die Neu-Saarbrückenerin zu Beginn des Rennens hart arbeiten müssen. "Beim Schwimmen war es sehr wellig", erklärte Haug, auch deshalb wohl spaltete sich das Feld früh in zwei große Gruppen: Vorne setzten sich 19 Damen um die Britin Jodie Stimpson, Andrea Hewitt (NZL), Gwen Jorgensen und die Deutschen Anja Knapp und Rebecca Robisch ab - dahinter folgte am ersten Wechsel mit über einer Minute Rückstand eine 25 Frauen große Verfolgergruppe unter anderem mit Anne Haug, Non Stanford, Kate McIlroy (NZL) und Maaike Caelers (NED). Hanna Philippin verlor noch wenige Sekunden mehr als Teamkollegin Haug - und fand in der Folge nie mehr den Anschluss an die Gruppe vor ihr.

Andrea Hewitt beweist Mut

Denn dort wurde prompt hart gearbeitet. Während sich an der Spitze eine zwölf Frauen große Gruppe bildete, drückten in der Verfolgung auf der anspruchsvollen Radstrecke vor allem die Neuseeländerin McIlroy und Haug auf das Tempo. Und das mit Erfolg: Schnell machten sie Zeit auf die Spitze gut, wo sich niemand wirklich in der Tempoarbeit engagieren wollte: Die Deutschen versteckten sich im Feld, um nicht gegen Anne Haug zu arbeiten - und Andrea Hewitt, um Kräfte zu sparen für das, was nach vier der neun Runden folgte. Nämlich wenige Sekunden, bevor es zum Zusammenschluss der Führungs- mit der Verfolgergruppe kam: Eine Attacke.

Gemeinsam mit der Britin Vanessa Raw löste sich Andrea Hewitt zwar nur langsam vom Feld - aber sie löste sich. Bis auf etwas mehr als 40 Sekunden distanzierte das Duo das Verfolgerfeld, aus dem sich keine der Favoritinnen in der Tempoarbeit engagieren wollte. Und in der so auch niemand ernsthaft versuchte, Gwen Jorgensen, die überragende Läuferin mit Schwächen auf dem Rad, in Probleme zu bringen.

"Geschockt, dass ich vorne dabei war"

Das dankte die US-Amerikanerin den Konkurrentinnen wenig später auf ihre Weise: Sofort nach dem zweiten Wechsel setzte sie sich ab, während sich hinter ihr eine Vierergruppe aus Anne Haug, Non Stanford, Jodie Stimpson und Maaike Caelers bildete. Nach nur zweieinhalb Kilometern hatte Jorgensen dann bereits Hewitt überholt und somit die Spitze übernommen - und gab sie mit einer überlegenen, beeindruckenden läuferischen Leistung nicht mehr ab. "Ich war fast schon etwas geschockt, dass ich nach dem Radfahrten in der ersten Gruppe war", erklärte Jorgensen ihren furiosen Start auf die Laufstrecke. "Die harte Trainingsarbeit, auch auf dem Rad, scheint sich langsam auszuzahlen. Das fühlt sich gut an."

Nach drei Kilometern griff dann auch die Britin Non Stanford an - und löste sich prompt von Haug, Stimpson und Caelers. "Nach meinem Handgelenksbruch hat sich das Schwimmen in den letzten zwei Wochen überhaupt nicht gut angefühlt", sagte sie, "daher war mir klar, dass ich heute um mein Leben fahren muss." Zwei Kilometer später tat es auch Anne Haug Stanford gleich und löste sich von Caelers und Stimpson, die auf den letzten Kilometern außerdem von Vicky Holland (GBR) überholt wurden. "Meine Beine waren nach dem Radfahren fast tot, beim Laufen hatte ich anfangs daher echte Probleme", meinte Haug. "Später wurde es aber wieder besser, dann konnte ich zulegen." Als zweitbeste Deutsche erreichte Rebecca Robisch als 15. das Ziel, für die beiden anderen Deutschen endete das Stockholmer Rennen nicht wie erhofft. Hanna Philippin wurde 37., Anja Knapp erwischte beim Laufen einen schlechten Tag und beendete das Rennen auf Platz 31.

World Triathlon Stockholm 2013

  1. August 2013, Stockholm (Schweden)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Gwen Jorgensen

USA

1:55:31

20:38

1:01:17

31:41

2

Non Stanford

GBR

1:56:20

21:35

1:00:16

32:26

3

Anne Haug

GER

1:56:45

21:42

1:00:15

32:54

4

Vicky Holland

GBR

1:57:02

20:40

1:01:16

33:07

5

Jodie Stimpson

GBR

1:57:06

20:45

1:01:11

33:15

6

Maaike Caelers

NED

1:57:09

21:40

1:01:12

33:16

7

Andrea Hewitt

NZL

1:57:38

20:45

1:00:27

34:24

8

Sarah Groff

USA

1:57:41

20:33

1:00:25

33:44

9

Aileen Reid

IRL

1:57:44

20:39

1:01:16

33:48

10

Alice Betto

ITA

1:57:48

20:34

1:01:26

33:54

11

Lisa Perterer

AUT

1:57:54

21:36

1:00:20

33:59

15

Rebecca Robisch

GER

1:58:35

20:44

1:01:12

34:41

31

Anja Knapp

GER

2:03:13

20:36

1:01:18

39:20

37

Hanna Philippin

GER

2:04:05

21:57

1:03:54

36:09

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