Haug, Saller, Robisch, Philippin, Knapp: Wer kämpft sich zu Olympia?

Fünf Bewerberinnen, aber maximal ein Platz: Nur die beste Deutsche unter den Top Acht qualifiziert sich beim Testevent in Rio de Janeiro am Sonntag für die Olympischen Spiele vor. Doch diese Platzierung gibt es nicht geschenkt: Fast alle Nationen senden ihre Topbesetzung.

Von > | 30. Juli 2015 | Aus: SZENE

Hamburg Triathlon 2015 | Anne Haug beim Hamburg Triathlon 2015

Anne Haug beim Hamburg Triathlon 2015

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Es gibt keinen einzigen Dollar Preisgeld, es werden auch keine Punkte für die Weltmeisterschafts- oder ITU-Punktelisten vergeben, über die sich die Sportler sonst so viele Gedanken machen. Und doch wird am Sonntag beinahe jede der Frauen, die auf der ITU-Kurzdistanz derzeit Rang und Namen hat, an der Copacabana über 1,5 Kilometer Schwimmen, etwas mehr als 40 sehr profilierte Radkilometer und zehn Kilometer Laufen an den Start gehen: Die Aussicht, zum vermutlich einzigen Mal vor den Olympischen Spielen den Olympiakurs zu testen, lässt die meisten Topathleten die fehlenden Preisgelder und Punkte verschmerzen. Zumal es nebenbei in vielen Nationen auch noch die ersten sicheren Startplätze zu erobern gibt.

DTU will einen Platz vergeben

Die Deutsche Triathlon Union ist einer dieser Verbände, die in der frühen Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele auf das Testevent, bei dem die drei Gesamt-Ersten jeden Geschlechts ihren Nationen Startplätze für Rio 2016 sichern, setzen: Eine Top-Acht-Platzierung verlangen DTU und Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), um - vorbehaltlich einer etwas milderen Leistungsbestätigung im Jahr 2016 -, das erste von bis zu drei Olympia-Tickets an die beste Deutsche zu vergeben. Gleich fünf Damen bewerben sich um dieses Ticket und sind deswegen frühzeitig nach dem Hamburger WM-Rennen nach Rio gereist, um sich an die örtlichen Begebenheiten zu gewöhnen: Anne Haug, Hanna Philippin, Anja Knapp, Rebecca Robisch und Nachwuchsathletin Sophia Saller bekommen vom Verband die Chance, sich zu beweisen. Laura Lindemann wird in Rio noch geschont - "das würde sonst etwas zu viel für sie", meint DTU-Cheftrainer Ralf Ebli im tri-mag.de-Interview.

Vor allem Anne Haug hätte vor ihrem Radsturz von London vor über einem Jahr als große Anwärterin auf diesen Platz gegolten: Eine schwierige Radstrecke mit mutmaßlich insgesamt etwa 800 Höhenmetern und 16 Anstiegen sollte der erfahrensten Deutschen eigentlich in die Karten spielen - doch die einzige Olympionikin im aktuellen DTU-Damenteam kämpft nach dem langen Trainingsausfall durch den Unfall von London weiterhin um den Anschluss an ihre Rad- und Laufform von 2013 und 2014. So könnte die Stunde von Hanna Philippin und Rebecca Robisch schlagen, die häufig im Gleichschritt durch die Rennen marschieren und sich - erwischten sie im Schwimmen einen guten Tag - schon häufig um die Top-Ten positionieren konnten. Auch Sophia Saller kratze in einem, wenn auch nicht ganz so stark besetzten, WM-Rennen bereits am Podest, schwimmt aber ebenfalls noch nicht konstant in der Spitzengruppe mit. Wogegen Anja Knapp wohl als einzige Deutsche auf ein sehr schnelles Schwimmen hofft - sofern sie beim ungewohnten Beachstart an der Copacabana nicht Zeit verliert.

Jorgensen unter Druck, Spirig lässt aus

Denn über einen schnellen Auftakt könnte sich die beste Schwimmerin im deutschen Team, die nach einer Knochenverletzung im Frühjahr noch nicht in bester Laufform ist, Luft verschaffen - und sich auf dem Rad zusammen mit einigen Begleiterinnen absetzen. Speziell die schnellen US-Amerikanerinnen um Gwen Jorgensen, Sarah True und Katie Zaferes sowie die Lokalmatadorin Pamela Oliviera (BRA) und Carolina Routier (ESP) dürften gewillt sein, die Konkurrenz bereits im Wasser abzuschütteln - denn auch für sie geht es um die Olympiaqualifikation: So vergeben die USA beispielsweise bis zu zwei Plätze an die zwei besten Damen unter den ersten Acht im Gesamtklassement. Auch die Spanier (u.a. Routier, Tamara Gomez Garrido, Ainhoa Murua), Kanadier (Paula Findlay, Sarah-Anne Brault, Kirsten Sweetland), Niederländer (Rachel Klamer), Australier (Emma Moffatt, Emma Jackson, Ashleigh Gentle, Erin Densham) und Portugiesen kämpfen darum, nächstes Jahr im August nach Rio zurückkommen zu dürfen. Die Briten brauchen dafür neben einer Podestplatzierung in Rio de Janeiro sogar noch eine weitere beim Grand Final in Chicago im September.

Um den ersten Schritt zu Olympia kämpfen in Rio für Großbritannien Non Stanford, Jodie Stimpson, Helen Jenkins und Vicky Holland, die sich alle in dieser Saison nur sporadisch bei Rennen gezeigt haben - Holland dabei im Kräftemessen mit Gwen Jorgensen in Hamburg aber beeindruckte. Auch die weiterhin ungeschlagene Weltmeisterin selbst muss sich auf dem schwierigen Kurs in Rio trotz überragender Saison erst noch gegen ihre starken Landsfrauen durchsetzen, um für Olympia planen zu dürfen. Etwas entspannter reist Andrea Hewitt nach Rio de Janeiro: Als einige von bislang wenigen Athleten hat die Neuseeländerin ihre Qualifikation für die Spiele bereits gesichert. Nicola Spirig, die sich ebenfalls bereits qualifiziert hat, wird dem Kräftemessen mit den Weltbesten erneut aus dem Weg gehen und auf einen Start verzichten.