Haug, Stanford, Jorgensen: Titeljagd geht in die heiße Phase

Am Samstag kommt die World Triathlon Series in Europa an. Sechs Frauen können dann im madrilenischen Casa de Campo einen entscheidenden Schritt in Richtung Weltmeistertitel machen - auch Anne Haug, die mit dem Wettkampf beste Erinnerungen verbindet.

Von > | 28. Mai 2013 | Aus: SZENE

Non Stanford | Drei der zur Zeit wohl besten Acht: Non Stanford, Jodie Stimpson und Anne Haug.

Drei der zur Zeit wohl besten Acht: Non Stanford, Jodie Stimpson und Anne Haug.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Es ist noch nicht lange her, da reichten Laufzeiten zwischen 34 und 35 Minuten über die abschließenden zehn Kilometer auf der olympischen Triathlon-Distanz, um in der Spitze der Kurzdistanz-Elite der Frauen eine tragende Rolle zu spielen. Genauer gesagt war es erst vor knapp fünf Jahren, da lief die Australierin Emma Snowsill - über Jahre hinweg die überragende Läuferin im Triathlonsport schlechthin - die zehn Kilometer bei den Olympischen Spielen in Peking in 33:16 Minuten und gewann mit über einer Minute Vorsprung vor der Portugiesin Vanessa Fernandes. Sogar nur zweieinhalb Jahre sind seit dem Grand Final in Budapest 2010 vergangen, bei dem Snowsill eine Zeit von 33:08 Minuten rannte und die Konkurrenz somit mit über eineinhalb Minuten Vorsprung deklassierte. Im Jahr 2013 ist eine solche Dominanz wohl Geschichte.

Achtkampf um den WM-Titel

Und das nicht nur, weil die Australierin wegen gesundheitlicher Probleme nun schon seit einem Jahr nicht mehr als Aktive an der Startlinie stand: Seit einigen Monaten sind solche Laufzeiten, mit denen Snowsill früher die Konkurrenz demontierte, beinahe Normalität. In 33:05 Minuten absolvierte erst vor wenigen Wochen beim WM-Serienrennen in Yokohama die junge Britin Jodie Stimpson die zehn Kilometer - und wurde damit sogar nur Dritte hinter den noch schnelleren Emma Moffatt (33:00) und Gwen Jorgensen (32:44). Und das auf einer Strecke, die, wie der Galizier Javier Gómez nach dem Rennen der Männer in Yokohama via Twitter beteuerte, nicht zu kurz gewesen sei - sondern nach seinen Informationen sogar eher noch 100 Meter zu lang. Es ist eine enorme Entwicklung, die der überwiegend neuen Generation ITU-Athletinnen speziell im läuferischen Bereich in den letzten beiden Jahren zu gelungen sein scheint. Und irgendwie auch eine, die für Anne Haug zur Unzeit kommt.

Denn mit ihrer Laufstärke wäre die Deutsche, die sich in den letzten Rennen beim Schwimmen erneut verbessert präsentierte, noch vor zwei Jahren wohl erste Anwärterin auf den Weltmeistertitel gewesen. So aber muss sich die Süddeutsche kurz vor der Halbzeit der World Triathlon Series 2013 im Gesamtklassement gleich mit sieben ernstzunehmenden Konkurrentinnen herumschlagen: Emma Moffatt (AUS), Maaike Caelers (NED), Jodie Stimpson, Felicity Abram (AUS), Non Stanford (GBR) und Andrea Hewitt (NZL) liegen im Kampf um den Weltmeistertitel nach drei von insgesamt acht WM-Rennen in diesem Jahr alle nicht weit hinter der Deutschen. Und die US-Amerikanerin Gwen Jorgensen, die als Läuferin erst über das US-Collegesystem für den Triathlon gescouted wurde, sogar noch einige Zähler vor der 30-jährigen Vizeweltmeisterin. Sechs Athletinnen dieses Oktetts, alle bis auf Moffatt und die junge Niederländerin Caelers, werden Haug das Leben auch beim Europa-Auftakt der World Triathlon Series am Samstag in Madrid wieder möglichst schwer machen.

Drei Deutsche in Spanien, ARD live dabei

Die Deutsche allerdings geht mit Rückenwind geht in das Spanien-Rennen. Nicht nur, weil ihr die hügelige Radstrecke im Gegensatz zur US-Amerikanerin Jorgensen entgegenkommt, ihr in Madrid vor einem Jahr der Durchbruch gelang und sie sich im Casa de Campo dabei in beeindruckender Manier das Ticket zu den Olympischen Spielen sicherte. Sondern auch wegen ihres starken Saisonauftakts - und eines französischen Grand Prix-Rennens am Wochenende in Dunkerque, das Haug hinter einer Rad-Fluchtgruppe zwar nur als Zehnte beendete, bei dem sie aber erneut auf Augenhöhe mit Jorgensen und auch nicht viel langsamer als Rennsiegerin und U23-Weltmeisterin Non Stanford lief. Und vor allem: Bei dem die Deutsche beim Schwimmen, ihrer wohl einzigen noch verbliebenen Schwäche, nur 20 Sekunden auf die Spitze verlor, obwohl gerade die Auftaktdisziplin in den französischen Ligarennen gefürchtet ist.

Gwen Jorgensen | Läuferisch zuletzt eine Nasenlänge voraus: Gwen Jorgensen

Läuferisch zuletzt eine Nasenlänge voraus: Gwen Jorgensen

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Gute Schwimmerinnen werden aber auch in Madrid am Wochenende erwartet. Vor allem Jessica Harrison (FRA), Rachel Klamer (NED) und die Deutsche Anja Knapp gehören zu den stärksten Schwimmerinnen und auch zu den besseren Radfahrerinnen im ITU-Zirkus und werden auch in Madrid am Start erwartet. In den Kampf um eine Podestplatzierung könnten außerdem auch Sarah Groff (USA), Aileen Reed (IRL), Barbara Riveros Diaz (CHI) und Nicky Samuels (NZL) eingreifen. Das DTU-Team komplettiert neben Knapp und Haug wie schon bei den ersten beiden WM-Rennen die Neubrandenburgerin Anja Dittmer, für das österreichische Team geht nach ihrem zweiten Platz beim Weltcup im mexikanischen Huatulco vor zwei Wochen erneut Lisa Perterer ins Rennen. Ihren ersten Serien-Auftritt in diesem Jahr sollen in Madrid Emmie Charayron (FRA) und Paula Findlay geben - die Kanadierin konnte nach langwierigen Verletzungsproblemen bei dem französischen Ligarennen am Wochenende allerdings läuferisch noch nicht ganz mit den Besten mithalten.

Anwärterinnen auf den WM-Titel 2013

Name

Wertungen (max. 4)

Punkte

Gwen Jorgensen

2

1.600

Anne Haug

2

1.433

Emma Moffatt

2

1.425

Maaike Caelers

2

1.326

Jodie Stimpson

2

1.271

Non Stanford

1

740

Felicity Abram

1

685

Andrea Hewitt

1

542

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Das Rennen der Frauen wird am Samstag um 15:30 Uhr gestartet. Die ARD Sportschau überträgt ab 17 Uhr, also pünktlich zur Entscheidung auf den letzten Kilometern, live. tri-mag.de berichtet wie gewohnt zeitnah nach dem Zieleinlauf.