Haug und Zipf erstmals Deutsche Meister

Anne Haug und Jonathan Zipf haben beim Maschsee-Triathlon in Hannover erstmals in ihrer Karriere die Deutschen Meistertitel gewonnen. Allerdings machten es beide bis zum Schluss spannend - Anne Haug sogar noch nach dem Zieleinlauf.

Von > | 31. August 2013 | Aus: SZENE

Anne Haug | Anne Haug wird erstmals Deutsche Triathlon-Meisterin.

Anne Haug wird erstmals Deutsche Triathlon-Meisterin.

Foto >Fabian Fiedler

Echte Freude war es nicht, die aus Anne Haugs Gesicht sprach, als sie am Hannovereraner Maschsee am frühen Samstagnachmittag über die Ziellinie lief, das Siegerbanner kurz in die Höhe riss und anschließend sofort zur Seite fallen ließ. Gerade hatte sie sich zum ersten Mal zur Deutschen Triathlonmeisterin gekrönt - ihr Kopf aber war in diesem Moment ganz woanders.

"Den Triathlon als Schwimmwettkampf betrachtet"

Warum, zeigte sich schon wenige Augenblicke später: Haug entledigte sich nach einem schnellen Siegerbild mit den beiden weiteren Podest-Damen, Rebecca Robisch und Hanna Philippin, ihres Schuhs - und suchte mit blutender Zehe sofort das Sanitätszelt auf. "Beim ersten Wechsel waren meine Zehen so kalt, dass ich die Füße gar nicht richtig gespürt habe", erklärte Haug dann eine halbe Stunde später, nach der Siegerehrung. "Beim Aufspringen aufs Rad habe ich mir dann richtig den Zeh gestoßen. Beim Laufen hatte ich riesige Schmerzen" - trotzdem versuche sie, daran jetzt erst einmal nicht zu denken. "Ich kann jetzt nur abwarten und hoffen, dass es innerhalb der nächsten ein, zwei Tage wieder verschwindet." Denn in nur 15 Tagen geht es für die Erlangerin im Londoner Hyde Park um den Gewinn des Weltmeistertitels. Und die Generalprobe dafür war in Hannover - mit Ausnahme jenes Missgeschicks beim ersten Wechsel - geglückt.

Vor allem in ihrer einzigen verbliebenen schwächeren Disziplin, dem Schwimmen, präsentierte sich Haug in Hannover stark. Nur zehn Sekunden verlor sie auf den 750 Metern auf die Schwimmspezialistin Carina Brechters - und stieg so gemeinsam mit ihren Nationalmannschaftskolleginnen Rebecca Robisch und Hanna Philippin aus dem knapp 22 Grad Celsius warmen Maschsee. "Ich hatte heute die Aufgabe, das als Schwimmwettkampf zu betrachten", sagte Haug. "Also habe ich dort alles investiert." Mit dem Preis, dass sie auf dem Rad "zunächst einmal völlig kaputt" gewesen sein.

Nur die Spitzengruppe harmoniert

Das allerdings sollte sich nicht rächen. Denn die etwas mehr als zehn Frauen große Spitzengruppe um Haug, Robisch und Philippin harmonierte, anders als die immer wieder diskutierenden Verfolgergruppen, gut - und fuhr sich auf den 21 Radkilometern so ein komfortables Polster heraus. Auch auf der Laufstrecke hielt sich Haug zunächst zurück: Auf der ersten der zwei zu laufenden 2,5-Kilometer-Runden lief sie gemeinsam mit Rebecca Robisch und Irina Abysova (RUS) an der Spitze - erst auf der zweiten Runde erhöhte die Deutsche das Tempo und schüttelte Abysova somit sofort, später dann auch Robisch ab. Auch Hanna Philippin lief auf der zweiten Runde noch an der Russin vorbei und sicherte sich als Tages-Dritte den Deutschen U23-Titel. "Wir haben die ganze Woche gemeinsam trainiert", erklärten Haug und Philippin im Ziel überglücklich, "und wir hatten schon Bedenken, ob wir nach der Vorbelastung überhaupt ins Ziel kommen. Aber es lief richtig gut - gemeinsam aufs Rad, gemeinsam davon wieder runter, und als Zweite und Dritte ja fast auch gemeinsam ins Ziel." Titelverteidigerin Anja Knapp beendete das Rennen mit Magenproblemen auf dem fünften Rang.

Das Buschhüttener Team um Robisch und Philippin sicherte sich erwartungsgemäß auch in der Bundesliga den Meistertitel. Sie gewannen die Ligawertung deutlich vor den Mannschaften vom Stadtwerke Team Witten und dem Schwalbe Team Krefelder Kanu Klub.

Maschsee Triathlon - Bundesliga und DM | Frauen

  1. August 2013, Hannover

Name

Verein

Gesamt

750 m Swim

21 km Bike

5 km Run

1

Anne Haug

TV 1848 Erlangen

1:02:47

10:10

33:23

17:39

2

Rebecca Robisch

EJOT Team TV Buschhütten

1:02:58

10:10

33:24

17:53

3

Hanna Philippin

EJOT Team TV Buschhütten

1:03:09

10:10

33:22

18:04

4

Irina Abysova

RUS / Schwalbe Team Krefelder Kanu Klub

1:03:20

10:13

33:21

18:10

5

Anja Knapp

Stadtwerke Team Witten

1:03:29

10:07

33:25

18:24

6

Lisa Sieburger

algemarin Team TuS Griesheim

1:03:36

10:29

33:04

18:25

7

Laura Lindemann

Triathlon Potsdam

1:03:46

10:06

33:27

18:38

8

Sophia Saller

SC Delphin Ingolstadt

1:04:12

10:21

33:14

18:56

9

Mateja Simic

SLO / EJOT Team TV Buschhütten

1:04:20

10:35

33:34

18:35

10

Kathrin Müller

Stadtwerke Team Witten

1:04:26

10:17

33:14

19:14

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"Schlägerei, wie ich sie selten erlebt habe"

Auch bei den Männern ging der Meistertitel in der Ligawertung nach Buschhütten, auch dort wurde das Stadtwerke-Team aus Witten Zweiter - das Drittplatzierte Team war am Ende aber das vom WMF BKK-Team AST Süßen. Auch, weil die Angriffsversuche der Jungspunde aus Saarbrücken nicht belohnt wurden.

Jonathan Zipf | Jonathan Zipf sicherte sich den Titel des Deutschen Meisters.

Jonathan Zipf sicherte sich den Titel des Deutschen Meisters.

Foto >Fabian Fiedler

Denn im Männerrennen hatten sich beim Schwimmen zunächst einige unerwartete, wenn auch kleine Abstände ergeben - vor allem, weil der Weg zur ersten Wendeboje mit knapp 250 Metern eher kurz war. "Furchtbares Schwimmen. So eine Schlägerei habe ich an der Boje schon lange nicht mehr erlebt", sagte später Steffen Justus - der sich danach gemeinsam mit unter anderem Gregor Buchholz, Jonathan Zipf und Franz Löschke zunächst nur in der zweiten Gruppe hinter einer zwölfköpfigen Spitzengruppe um Maximilian Schwetz und Maik Petzold wiederfand. "Die Schwimmleistung war eigentlich gar nicht so schlecht. Wir haben es nur verpasst, nach dem Wechsel sofort die kleine Lücke von fünf, sechs Sekunden zur Spitze zu schließen", sagte im Ziel Franz Löschke. "Schade, dass wir nicht von Beginn an gut zusammengearbeitet haben. So musste ich mich über drei der vier Radrunden richtig mit reinhängen. Das hat schon einige Kräfte gekostet", sagte Gegor Buchholz.

Zipf und Löschke setzen sich gegenseitig unter Druck

Dass es drei Runden dauerte, bis die Verfolger zur Spitzengruppe aufgeschlossen hatten, lag aber auch an den jungen Athleten vom Bromelain POS Team Saarland. Die nämlich hatten im Kampf um eine Podestplatzierung im Gesamtklassement lange das Tempo in der Spitzengruppe hochgehalten - und nach Zusammenschluss der beiden schnellsten Gruppen in Person von Benedikt Seibt sogar einen Ausreißversuch gewagt. Doch der Saarländer setzte sich bis zum Wechsel zwar um einige Sekunden vom Feld ab, wurde dort aber binnen weniger Meter von den starken Läufern gestellt und überholt, belegte am Ende den 20. Rang.

Als erster war es der Potsdamer Franz Löschke, der Seibt stellte - und der sich prompt um einige Meter von den schnellsten Verfolgern um Jonathan Zipf löste. "Das ist meine Art, Rennen zu gestalten", sagte Löschke im Ziel. "Ich wollte die anderen damit unter Druck setzen." Und das gelang. Nur Zipf konnte binnen der ersten zweieinhalb Kilometer wieder zu Löschke aufschließen, setzte den Potsdamer anschließend selbst unter Druck. "Ich hatte heute eigentlich so wenig Vertrauen in meine Laufform wie wohl noch nie zuvor bei den Meisterschaften, wo ich zuletzt auch zwei Mal auf dem Podest war - aber da hat die Form mein Gefühl wohl Lügen gestraft", sagte Zipf. Er setzte sich leicht von Löschke ab und konnte das Tempo bis ins Ziel hoch halten. "Als ich gemerkt habe, dass Franz Probleme hat und leicht an Boden verliert, konnte ich mich damit immer wieder pushen", meinte der Sieger. Den dritten Rang hinter Zipf und Löschke sicherte sich Gregor Buchholz. Im Zielspurt setzte der sich gegen Titelverteidiger Christian Prochnow durch, der in Hannover sein letztes Profirennen bestritt. "Ein schöner Abschied. Auch wenn ich knapp am Podest vorbeigeschrammt bin - aber Gregor im Sprint zu unterliegen ist keine Schande", sagte Prochnow. Sogar noch etwas euphorischer bejubelte Maik Petzold, der im letzten Rennen seiner Karriere noch einmal unter die besten Zehn wollte, im Ziel seinen achten Rang direkt hinter den beiden besten Unter-23-Jährigen, Justus Nieschlag und Stefan Zachäus. "Das war eine tolle Abschiedstour mit einem schönen Abschluss", sagte Petzold.

Maschsee Triathlon - Bundesliga und DM | Männer

  1. August 2013, Hannover

Name

Verein

Gesamt

750 m Swim

21 km Bike

5 km Run

1

Jonathan Zipf

EJOT Team TV Buschhütten

56:07

9:30

29:36

15:36

2

Franz Löschke

Triathlon Potsdam

56:13

9:32

29:33

15:47

3

Gregor Buchholz

EJOT Team TV Buschhütten

56:16

9:41

29:26

15:45

4

Christian Prochnow

Stadtwerke Team Witten

56:30

9:16

29:51

15:56

5

Sebastian Rank

Stadtwerke Team Witten

56:35

9:46

29:22

15:59

6

Justus Nieschlag

Lehrter Sport-Verein

56:41

9:20

29:46

16:10

7

Stefan Zachäus

Stadtwerke Team Witten

56:45

9:15

29:49

16:18

8

Maik Petzold

EJOT Team TV Buschhütten

56:52

9:13

29:52

16:21

9

Cameron Goldsmid

NZL / Software AG Team DSW Darmstadt

56:53

9:15

29:53

16:23

10

David Castro

ESP / MRRC München

56:55

9:31

29:33

16:24

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