Hewitt lernt Siegen, Müller stürzt

Eine Woche nach dem Grand Final 2011 hat Andrea Hewitt auch das Auftaktrennen zur WM-Serie 2012 in Yokohama gewonnen. João Silva dominierte bei den Männern. Kathrin Müller stürzte - und mit ihr die Deutschen im Olympia-Ranking auf nur noch zwei Startplätze.

Von > | 19. September 2011 | Aus: SZENE

Andrea Hewitt | Das Siegen gelernt: Andrea Hewitt

Das Siegen gelernt: Andrea Hewitt

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Lange war Andrea Hewitt so etwas wie der Mensch gewordene zweite Platz. Nicht nur, weil sie im Gesamtklassement der diesjährigen WM-Serie auf dem Silberrang landete, sondern vor allem, weil ihr der richtige Durchbruch nicht gelang. Mit einer im Profifeld der Frauen einzigartigen Konstanz stürmte Hewitt in den vergangenen fünf Jahren bei fast jedem ihrer Starts die Top-Ten der Weltcup- und WM-Serienrennen - bedeutende Siege blieben allerdings die Ausnahme, zuletzt errang sie einen beim WM-Serienrennen in Madrid 2009, zuvor beim Weltcup in Kitzbühel 2007. Für weitere große Erfolge fehlten ihr der Killerinstinkt, die Sprintschnelligkeit oder der Mut, einfach mal einen Angriff zu wagen.

Müller stürzt und bricht ein

Doch der Erfolg beim WM-Finale in Peking scheint bei Andrea Hewitt einen Schalter im Kopf umgelegt zu haben - von "Vorsicht" auf "Attacke". Wie vor einer Woche in Peking, als sie sich einen Kilometer vor dem Ziel ein Herz nahm, der Weltmeisterin Helen Jenkins davonlief und den größten Sieg ihrer bisherigen Karriere feierte, zeigte sich Hewitt auch in Yokohama wie verwandelt. Nach dem zweiten Wechsel, einer Massenankunft, stürmte Hewitt bei Temperaturen jenseits der 30 Grad an die Spitze, nur die zweimalige Weltmeisterin Emma Moffatt konnte ihr folgen. Zunächst. Denn es dauerte nicht lang, da hatte sich Hewitt auch der Australierin entledigt und lief dem sicheren zweiten Sieg in Folge entgegen. Ein Sieg, den die 29-Jährige im Ziel lange und ausgelassen mit den Fans feiern konnte, bevor ihr Emma Moffatt als Zweite und Hewitts Landsfrau Kate McIlroy als Dritte folgten. Die junge Australierin Emma Jackson wurde in der Hitze von Yokohama Fünfte, Weltmeisterin Helen Jenkins Sechste.

Noch interessanter aus deutscher Sicht ist aber der achte Platz: Eingerahmt von ihren Landsfrauen Ai Ueda und Juri Ide erreichte dort die Japanerin Kiyomi Niwata das Ziel - und sahnte 429 Punkte für die Olympiaqualifikationsliste ab, die Spanierin Zurine Rodriguez als 16. immerhin 248 Punkte. Beide konkurrieren mit dem deutschen Team um den dritten Startplatz für die Olympischen Spiele 2012 - und beide zogen damit vorläufig an den Deutschen vorbei. Denn Kathrin Müller, diejenige, die diesen Platz sichern muss, erlebte in Yokohama eine bittere Pleite. Kurz vor dem zweiten Wechsel stürzte die Deutsche. Zwar kämpfte sie sich bis zum Wechsel noch zurück in die Gruppe, doch Aufholjagd, Hitze und Sturz waren an diesem Tag zu viel für die Thüringerin. Müller brach ein und überquerte die Ziellinie nach 2:06:49 Stunden als drittletzte aller Finisherinnen. Dass sie die zehn Kilometer in 41:59 Minuten überhaupt noch zu Ende lief, bewies immerhin Charakter- und Willensstärke - auch wenn beides allein im Kampf um den dritten Olympiaplatz nicht reichen wird. Die Spanierin Rodriguez liegt mit 1.898 Punkten nun 185 Zähler vor Müller, die Japanerin Niwata sogar 353 Punkte. Mindestens eine muss die Deutsche bis Ende Mai wieder überholen, um dem DTU-Team drei Startplätze im Frauenrennen zu sichern.

McCormack verblüht in der Hitze

Punkte muss auch die Silbermedaillengewinnerin von 2008 sammeln: Vanessa Fernandes gab in Yokohama nach einer Auszeit vom Sport ihr Wettkampfcomeback - und schlug sich wacker. In 21:08 Minuten schwamm sie zunächst in die zweite Radgruppe, die kurz vor dem zweiten Wechsel den Zusammenschluss mit der Spitze schaffte. Mit einem Lauf über 37:25 Minuten lief die Portugiesin anschließend auf den 26. Platz und sammelte wertvolle Punkte für die Qualifikationsliste - längst nicht genug, um schon für die Spiele planen zu können. Aber doch genug, um sich auf einem guten Weg zu einem Startplatz für Portugal wähnen zu dürfen.

Den hat ihr Landsmann João Silva zwar schon so gut wie sicher - vollends zufrieden kann der mit der vergangenen Saison aber nicht sein. Drei Top-Ten-Platzierungen lief der 22-Jährige in der Serie ein, drei Mal enttäuschte er allerdings auch mit Platzierungen um Rang 20. Grund genug, zum Saisonabschluss noch einmal volles Risiko zu gehen: Sofort setzte sich Silva nach dem zweiten Wechsel an die Spitze, gab vom ersten Meter an alles - und seinen Konkurrenten keine Chance, aufzuschließen. Silva rettet den Vorsprung, den er sich auf den ersten Kilometern erarbeitete, sicher ins Ziel und gewann vor den Russen Alexander Bryukhankov und Dmitry Polyansky. Der Kanadier Simon Whitfield wurde Vierter, der Schweizer Ruedi Wild Sechster. Chris McCormack verlor, anders als zuletzt bei den stärker besetzten Serienrennen, nur 30 Sekunden beim Schwimmen und schloss auf dem Rad zur Spitze auf. Was allerdings auch am deutlich geringeren Tempo im Feld lag - McCormack war am Ende nur wenige Sekunden schneller geschwommen als die Britinnen Helen Jenkins und Lucy Hall. "Der wohl größten Hitze, die ich je in einem Rennen erlebt habe", wie er später twitterte, musste McCormack beim Laufen aber Tribut zollen und lief in 34:08 Minuten - fast drei Minuten langsamer als in Peking - auf den 36. Platz. 

Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series Yokohama, Frauen

  1. September 2011, Yokohama (Japan)

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

Gesamt

1

Andrea Hewitt

NZL

20:04

1:03:43

34:30

1:59:17

2

Emma Moffatt

AUS

20:02

1:03:46

34:44

1:59:30

3

Kate McIlroy

NZL

20:11

1:03:36

34:57

1:59:44

4

Aileen Morrison

IRL

19:40

1:04:07

34:58

1:59:48

5

Emma Jackson

AUS

20:14

1:03:45

34:58

1:59:57

6

Helen Jenkins

GBR

19:27

1:04:28

35:04

1:59:58

7

Lisa Norden

SWE

20:24

1:03:26

35:07

2:00:00

8

Ai Ueda

JPN

21:05

1:02:49

35:11

2:00:05

9

Kiyomi Niwata

JPN

20:22

1:03:34

35:28

2:00:22

10

Juri Ide

JPN

20:16

1:03:39

35:33

2:00:29

...

25

Nicola Spirig

SUI

20:50

1:02:58

37:30

2:02:17

42

Celine Schärer

SUI

20:06

1:03:43

40:54

2:05:45

44

Kathrin Müller

GER

20:16

1:03:34

41:59

2:06:49

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Dextro Energy Triathlon ITU World Championship Series Yokohama, Männer

  1. September 2011, Yokohama (Japan)

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

Gesamt

1

João Silva

POR

18:42

59:26

30:19

1:49:21

2

Alexander Bryukhankov

RUS

18:38

59:36

30:27

1:49:35

3

Dmitry Polyansky

RUS

18:34

59:35

31:02

1:50:04

4

Simon Whitfield

CAN

18:55

59:07

31:15

1:50:14

5

Matt Chrabot

USA

18:53

59:12

31:15

1:50:15

6

Ruedi Wild

SUI

19:10

58:56

31:17

1:50:17

7

Adam Bowden

GBR

18:54

59:14

31:10

1:50:18

8

Tim Don

GBR

18:48

59:22

31:23

1:50:25

9

Brent McMahon

CAN

18:59

59:09

31:27

1:50:28

10

Yuichi Hosoda

JPN

19:01

59:05

31:42

1:50:40

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