Holland gewinnt Kälteschlacht, Saller kratzt am Podest

In einem harten Ausscheidungsrennen hat die Britin Vicky Holland Runde vier der World Triathlon Series 2015 für sich entschieden. Die 21-jährige Sophia Saller erkämpfte überraschend den vierten Rang hinter Olympiasiegerin Nicola Spirig. Auch das übrige DTU-Team sammelte Erfolgserlebnisse.

Von > | 25. April 2015 | Aus: SZENE

Vicky Holland | Vicky Holland gewinnt in Kapstadt vor Katie Zaferes, Nicola Spirig und Sophia Saller.

Vicky Holland gewinnt in Kapstadt vor Katie Zaferes, Nicola Spirig und Sophia Saller.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Nach einigen herben Rückschlägen zu Saisonbeginn gibt es endlich wieder gute Nachrichten für das deutsche Triathlon-Team - und die begannen beim vierten Rennen der World Triathlon Series 2015 schon wenige Stunden vor dem eigentlichen Startschuss: Wie im Vorjahr, als das Rennen ebenfalls im Frühjahr ausgetragen wurde, zeigte das Thermometer bei der letzten Messung der Wassertemperatur nur Werte zwischen 11 und 12 Grad Celsius an. Während das Schwimmen für die Agegroup-Athleten zuvor, als sogar nur knapp neun Grad Wasertemperatur kommuniziert wurden, gar gestrichen wurde, entschloss sich die International Triathlon Union (ITU), auch den Eliteathletinnen zumindest nicht die volle Distanz von 1.500 Metern im kalten Wasser zuzumuten und verkürzte das Schwimmen auf nur eine 750-Meter-Runde. Eine Entscheidung, die bereits im Vorjahr bei ähnlichen Bedingungen so getroffen wurde - und die sich für die DTU-Damen diesmal auszahlen sollte.

Spirig überrascht sich selbst auf dem Rad

Denn mit nur 750 Metern zum Auftakt bot sich den deutschen Damen auf dem Weg zu ihren Rädern in der Wechselzone eine vielversprechende Ausgangssituation: Zwar bemühte sich die US-Amerikanerin Katie Zaferes, die geringere Schwimmdistanz durch höheres Tempo zu kompensieren, trotzdem ergaben sich im Wasser keine großen Abstände. Mit etwa 40 Sekunden Rückstand auf die Spitze startete das Trio Anne Haug, Rebecca Robisch und Sophia Saller dicht beisammen auf die 40 Radkilometer. Sogar unter den ersten zehn Frauen stieg Nachwuchsathletin Laura Lindemann auf das Rad, wo sie nur knapp den Sprung in eine vier Frauen große Ausreißergruppe verpasste.

Katie Zaferes, Helen Jenkins (GBR), Flora Duffy (BER) und Pamela Oliviera (BRA) nämlich wollten zumindest versuchen, die starken Läuferinnen unter Druck zu setzen und einigten sich schnell, gemeinsam einen Fluchtversuch zu wagen. Doch auch die Verfolgerinnen arbeiteten gut zusammen: Vor allem Anne Haug und Nicola Spirig eröffneten in einer 24 Frauen großen Verfolgergruppe die Jagd auf die Spitzendamen, die schnell Boden verloren. Bereits nach fünf Kilometern resignierte deshalb Oliviera und ließ ihre drei Begleiterinnen allein weiterarbeiten - nach 13 Kilometern hatten Haug und Spirig auch Jenkins, Zaferes und Duffy gestellt. Während sich die Deutsche von diesem Zeitpunkt an genauso wie ihre drei Teamkolleginnen im Feld versteckte und Kraft sparte, drückte Spirig weiter: Immer wieder sorgte sie gemeinsam mit Duffy dafür, dass sich das Hauptfeld, in das es fast alle schnellen Läuferinnen geschafft hatten, in die Länge zog. So konnte sich zwar keine Athletin mehr vom Feld absetzen, den schwächeren Radfahrerinnen in der Gruppe tat die Schweizerin mit ihrem Tempodiktat und mehreren zwischenzeitlichen Verschärfungen trotzdem weh. "Es für mich selbst überraschend, wie gut ich schon wieder Rad fahren konnte. Ich war fast die ganze Zeit in Führung", sagte Spirig später zufrieden - "vielleicht war sie sogar etwas zu viel vorne", gab ihr Coach Brett Sutton via Twitter kurz nach dem Rennen zu bedenken.

Rebecca Robisch | Rebecca Robisch wird gute Fünfte

Rebecca Robisch wird gute Fünfte

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Saller rennt am gesamten Feld vorbei

Denn so startete ein großes Feld gemeinsam auf die abschließenden zehn Laufkilometer, die sich zu einem Ausscheidungsrennen entwickelten. Vor allem die Britin Vicky Holland, die bei den Commonwealth Games 2014 Bronze gewonnen hatte und anschließend lange verletzt aussetzen musste, setzte in ihrem ersten WM-Serienrennen des Jahres Akzente in der Frühphase - und bekam in einer zunächst rund 15 Frauen starken Spitzengruppe überraschend Gesellschaft von der jungen Deutschen Sophia Saller. Die war nach einem verpatzten zweiten Wechsel zunächst noch gemeinsam mit Sarah True als Letzte auf die Laufstrecke gestartet und musste eine zwölfsekündige Lücke zur Spitze zulaufen. Doch nach nur knapp zwei Kilometern bestimmte sie bereits das Tempo in der Spitzengruppe, in der auch alle drei weiteren Deutschen mithielten. Immer wieder wechselte sich Saller von mit Holland und der US-Amerikanerin Zaferes in der Führungsarbeit ab, während Jenkins und Spirig hinter ihnen in der zweiten Reihe auf Angriffe lauerten.

Und so dünnte sich die Gruppe langsam aus: Als erste Deutsche musste Laura Lindemann die Spitze nach fünf Kilometern ziehen lassen, nach einer weiteren Tempoverschärfung durch Zaferes drei Kilometer vor dem Ziel fielen dann auch Robisch und Haug, die ihre Verpflegung auf dem Rad verloren hatte, etwas zurück. Doch Saller hielt sich weiterhin gemeinsam mit Helen Jenkins, Katie Zaferes, Nicola Spirig und Vicky Holland unter den schnellsten fünf Frauen. Erst 1.200 Meter vor dem Ziel musste die Deutsche ihren Traum von einer sensationellen Podestplatzierung doch noch begraben:  Denn als sich Holland mit einem Antritt absetzte, mussten Jenkins und Saller etwas zurückstecken und auch Zaferes und Spirig ziehen lassen, die den Kampf um Silber auf dem Schlusskilometer unter sich ausmachten. So gewann die Britin Holland das Rennen - auch für sie selbst etwas überraschend.

Sophia Saller | Sophia Saller bestimmt neun Laufkilometer lang das Tempo und wird Vierte

Sophia Saller bestimmt neun Laufkilometer lang das Tempo und wird Vierte

Foto >Delly Carr / triathlon.org

"Das war wirklich geil"

"Ich habe mich im Training zwar gut gefühlt, aber ich dachte, dass zehn Kilometer noch zu lang für mich sind. Irgendwie bin ich aber dran geblieben – und dann habe ich es eben einfach probiert. Auch wenn mein Coach wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat, als ich angetreten bin”, sagte die strahlende Siegerin im Ziel. Nicola Spirig wurde 200 Meter vor dem Ziel von Zaferes auf den Bronzerang verwiesen, fühlte sich damit bei ihrem Comeback aber trotzdem "wie eine Siegerin". Saller erkämpfte den starken vierten Platz, ihr folgte auf Rang fünf Rebecca Robisch, die auf den letzten Kilometern noch einmal zulegen konnte und einige Platzierungen gut machte. Anne Haug lief als Achte ebenfalls in die Top Ten, Laura Lindemann rundete ein starkes deutsches Teamergebnis als 17. in ihrem zweiten WM-Serienrennen ab. "Der Rennverlauf war für uns natürlich gut, aber was die Damen dann im Laufen gezeigt haben, war einfach stark", resümierte Elite-Bundestrainer Dan Lorang. "Das hat Spaß gemacht, das war wirklich geil", jubelte Saller nach dem Rennen.

ITU World Triathlon Series Cape Town

  1. April 2015, Kapstadt (RSA)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Vicky Holland

GBR

1:49:51

9:34

1:04:49

34:20

2

Katie Zaferes

USA

1:49:52

9:05

1:05:20

34:16

3

Nicola Spirig

SUI

1:49:56

9:50

1:04:28

34:28

4

Sophia Saller

GER

1:50:07

9:40

1:04:46

34:27

5

Rebecca Robisch

GER

1:50:09

9:47

1:04:35

34:38

6

Kirsten Kasper

USA

1:50:10

9:26

1:04:54

34:36

7

Helen Jenkins

GBR

1:50:16

9:13

1:05:08

34:41

8

Anne Haug

GER

1:50:21

9:48

1:04:30

34:50

9

Chelsea Burns

USA

1:50:24

9:40

1:04:41

34:45

10

Emma Pallant

GBR

1:50:34

9:49

1:04:37

34:56

17

Laura Lindemann

GER

1:51:08

9:19

1:05:03

35:36

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