Holland siegt in kanadischer Kältekammer, Knapp stark

Bei grenzwertigen äußeren Bedingungen feierte die Britin Vicky Holland in Edmonton ihren zweiten Saisonsieg und hofft nun auf die frühzeitige Olympiaqualifikation. Anja Knapp gelang das beste Ergebnis ihrer Karriere - einigen anderen glitt das Rennen beim zweiten Wechsel durch ihre kalten Finger. Emma Moffatt ist wütend auf den Verband.

Von > | 6. September 2015 | Aus: SZENE

Podest | Drei Siegerinnen strahlen um die Wette: Vicky Holland, Flora Duffy und Caroina Routier

Drei Siegerinnen strahlen um die Wette: Vicky Holland, Flora Duffy und Caroina Routier

Foto >Rich Cruse / ITU

Es war ein Rennen, das die Athletinnen so schnell nicht vergessen werden - unabhängig davon, wie es sportlich für sie endete. Mit nur sieben Grad Celsius Außentemperatur bei anhaltendem leichten Regen und 16 Grad Wassertemperatur muteten die Veranstalter den Athletinnen zwei Wochen vor dem wichtigen Grand Final Bedingungen zu, die mindestens grenzwertig waren. Bis 90 Minuten vor dem Start, ließ die International Triathlon Union (ITU) dabei über ihren eigenen Stream verbreiten, habe es bei diesen schwierigen äußeren Bedingungen noch nach einem Duathlon beim letzten Serienrennen ausgesehen. Ein halbes Grad Temperaturerhöhung soll letztlich den Ausschlag gegeben haben, die Sportlerinnen über die normale Triathlon-Sprintdistanz starten zu lassen. In Jacken und mit warmen Handschuhen präparierten viele von ihnen also ihren Wechselplatz. Einige der Sportlerinnen, wie beispielsweise die Niederländerin Rachel Klamer, waren schon vor dem Startschuss offensichtlich durchgefroren und zitterten am ganzen Körper.

Stanford findet keine Betriebstemperatur

Und so kamen nach dem Startschuss auch nicht alle Athletinnen im kalten kanadischen Gewässer sofort auf Betriebstemperatur: Non Stanford aus Großbritannien beispielsweise gehörte zu den Sportlerinnen, die sich im Wasser ungewohnt schwach präsentierten und viel Zeit verloren, während an der Spitze einmal mehr die Spanierin Carolina Routier das Tempo bestimmte. Auch Anne Haug verlor auf den ersten 750 Metern viel Zeit - während sich die Mitfavoritinnen Helen Jenkins und Vicky Holland (beide GBR) wie auch die übrigen drei Deutschen Laura Lindemann, Anja Knapp und Rebecca Robisch schadlos hielten und nach einem etwa 300 Meter langen Fußmarsch in die Wechselzone den Sprung in eine 15 Frauen große Spitzengruppe schafften.

In der drückte sofort Flora Duffy von den Bermudas auf das Tempo und setzte gelegentlich kleine Attacken, um auf den nassen Straßen warm zu bleiben und die Konkurrentinnen zu fordern. Und sie half so entscheidend dabei mit, die Verfolgerinnen auf Distanz zu halten: Rund 50 Sekunden erarbeiteten sich die 15 Spitzendamen zum Ende der 20 Radkilometer auf die erste große Verfolgergruppe, in der unter anderem Stanford und Haug vergeblich um Anschluss nach vorne gekämpft hatten.

Zweiter Wechsel als Herausforderung, Moffatt wütend

Doch die vielleicht größte Herausforderung dieses grenzwertigen Rennens war für die Sportlerinnen erst jetzt gekommen: "Ich habe in diesem ganzen Rennen meine Füße nicht eine Sekunde lang gespürt", brachte es Duffy auf den Punkt - und dementsprechend kuriose Szenen spielten sich anstelle der sonst so schnellen Wechsel im ITU-Triathlon nun in der Wechselzone ab. Zwar hatten die meisten Athletinnen unter ihrem eigentlichen Renndress noch einen wärmenden zweiten Anzug oder sich beim ersten Wechsel Ärmlinge angezogen, dennoch hatten viele mit ihren kalten Händen und Füßen zu kämpfen - und bekamen daher erst ihren Helm nicht auf, dann die Füße nicht in ihre Laufschuhe. Während die Deutsche Anja Knapp mit den kalten und nassen Bedingungen gut zurechtkam und als Erste wieder auf die Laufstrecke hinausstürmte, verlor ihre Nationalmannschaftskollegin Laura Lindemann beispielsweise 25 Sekunden alleine beim Versuch, ihren Helm aus- und die Laufschuhe wieder anzuziehen. Die frühere Weltmeisterin Emma Moffatt (AUS) fiel dabei gar um über 40 Sekunden zurück. "Liebe ITU, wenn ihr schon die Regeln hinsichtlich der Mindesttemperaturen beim Schwimmen brecht, wäre es schön, zumindest Hilfe beim Öffnen des Helmes annehmen zu dürfen", twitterte Moffatt nach dem Rennen wütend.

So führte Knapp das Rennen dank ihres starken Wechsels für rund 300 Meter auf der Laufstrecke sogar an, erst dann zog ein schnelles Duo an ihr vorbei: Vicky Holland drückte auf der Laufstrecke früh auf das Tempo, übernahm die Führung und schüttelte nach nur einem Kilometer auch ihre hartnäckigste Verfolgerin, Flora Duffy, ab. Ohne größere Probleme verteidigte Holland diesen ersten Rang und feierte nach fünf Laufkilometern ihren bereits zweiten Saisonsieg, ehe sie sich schnell einige wärmende Decken reichen ließ. "Das hatte heute etwas von einem Überlebenskampf", erzählte Holland nach dem Rennen. "Aber ich bin glücklich damit, wie es gelaufen ist. Für mich war das heute nicht in erster Linie ein Rennen, sondern eine Trainingseinheit für das Grand Final in Chicago." Dort will sie ihre Olympiaqualifikation mit einer weiteren Podestplatzierung absichern. Den zweiten Rang verteidigte hinter ihr Flora Duffy knapp vor der Australierin Gillian Backhouse, die ihr Glück über die erste WM-Serien-Podestplatzierung ihrer Karriere nicht fassen konnte - und auf die Frage, was ihr dieser Erfolg bedeute, nur mit Kopfschütteln und Tränen in den Augen antworten konnte.

Knapp knackt die Top-Fünf

Auch Anja Knapp hätte beim Überqueren der Ziellinie allen Grund zum Jubeln gehabt - zog aber, wie alle anderen Athletinnen auch, im Zielbereich den umgehenden Weg ins Warme vor. Sie verteidigte knapp vor der nach verkorkstem Auftakt stark laufenden Non Stanford den guten fünften Rang und sicherte sich somit ihr bislang bestes Ergebnis ihrer Karriere in der World Triathlon Series. Rebecca Robisch und Laura Lindemann erreichten auf den Rängen 12 und 14 zumindest die angestrebten Top-15-Platzierungen, Anne Haug kam mit den kalten Bedingungen dagegen überhaupt nicht zurecht und beendete das Rennen auf dem 29. Rang.

ITU World Triathlon Edmonton

  1. September 2015, Edmonton (CAN)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

20 km Bike

5 km Run

1

Vicky Holland

GBR

0:58:55

9:09

30:51

17:14

2

Flora Duffy

BER

0:59:04

9:05

30:46

17:29

3

Gillian Backhouse

AUS

0:59:10

9:14

30:40

17:29

4

Carolina Routier

ESP

0:59:20

8:59

30:52

17:36

5

Anja Knapp

GER

0:59:41

9:12

30:39

18:12

6

Non Stanford

GBR

0:59:44

9:49

30:47

16:52

7

Emma Moffatt

AUS

0:59:51

9:14

30:45

17:39

8

Ashleigh Gentle

AUS

0:59:52

9:23

31:00

17:41

9

Claudia Rivas

MEX

0:59:52

9:13

30:47

18:07

10

Kirsten Sweetland

CAN

0:59:56

9:40

30:35

17:54

12

Rebecca Robisch

GER

1:00:14

9:16

30:41

18:35

14

Laura Lindemann

GER

1:00:29

9:11

30:37

18:35

29

Anne Haug

GER

1:01:50

9:58

30:51

19:06

Swipe me