Ironman Llanos triumphiert auf Maui

Wiedergutmachung für Eneko Llanos: Zwei Wochen nach seinem enttäuschenden Auftritt beim Ironman entschädigt sich der Spanier mit einem Sieg auf Maui. Die Deutschen Felix Schumann und Nico Pfitzenmaier schaffen es erneut unter die Top Ten.

Von > | 26. Oktober 2009 | Aus: SZENE

Eneko Llanos | Eneko Llanos

Eneko Llanos

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Für Eneko Llanos, der beim Ironman auf Hawaii zurecht mit Titelambitionen gestartet war und sich tief enttäuscht mit Platz 14 zufriedengeben musste, ist der Sieg auf Maui mehr als ein versöhnlicher Saisonabschluss. Vor allem aber ist er eine faustdicke Überraschung. Denn die Saison des Spaniers war lang, nur knapp war er beim Ironman in Frankfurt im Juli am Sieg vorbeigeschrammt, geschlagen allein vom Deutschen Timo Bracht. Danach hatte Llanos seine gesamte Energie auf das Saisonfinale in Kona gerichtet, da war kaum Platz für den Xterra - weder im Training, noch im Kopf. Und der spielt gerade bei den Querfeldein-Spezialisten oftmals eine entscheidende Rolle.

Tatsächlich bietet wohl keine andere Triathlondisziplin ein solches Wechselbad der Gefühle, zumal auf dem physisch ebenso wie technisch höchst anspruchsvollen Xterra-WM-Kurs auf Maui. Schon kurz nach dem noch erwartbaren Ausgang des 1.500 Meter langen Schwimmauftakts am Makena Beach, den der US-Amerikaner Seth Wealing vor dem Australier Luke McKenzie für sich entscheidet, überschlagen sich die Meldungen von der Spitze des Rennens, fast im Minutentakt wechselt die Führung: Nach drei Meilen ist zunächst Llanos, der das Schwimmen gemeinsam mit dem Italiener Gianpietro De Faveri in der ersten Verfolgergruppe beendet hatte, vorn. Dann, kurz vor dem Heartbreak Hill, der nach knapp sechs Meilen beginnt, hat schon der südafrikanische Mitfavorit Conrad Stoltz aufgeschlossen, Europa-Tour-Sieger Franky Batelier aus Frankreich und dessen Landsmann, Haudegen Olivier Marceau, im Gefolge. Fünf Minuten später, ausgangs der berüchtigten Sandrinne, heißt es plötzlich: Stoltz und Llanos in Führung, Marceau eine halbe Minute zurück. Und dann: Vorstoß Batelier, nur Llanos und Marceau können folgen. Wo bleibt Stoltz?

"Rekordverdächtig" und "nervenaufreibend"

Der Grund für die dramatischen Verschiebungen: Ständig wechselt auf dem gut 32 Kilometer langen Kurs der Untergrund, festen Pfaden über Schotter und Gras folgen brutale Rampen durch tiefen Sand und über scharfkantiges Lavageröll. Sind hier zunächst kraftvolle Fahrer wie Stoltz oder Marceau noch im Vorteil, schlägt wenig später die Stunde der Leichtgewichte, wenn die Fahrer über die sogenannte "Ned's Climb", eine nach der amerikanischen Mountainbike-Legende Ned Overend benannte Schotterpiste auf fast 500 Meter Höhe klettern müssen. Eine Passage, die regelmäßig auch die Deutschen Felix Schumann und Nico Pfitzenmaier für sich zu nutzen wissen, erstmals tauchen beide am höchsten Punkt der Strecke auch diesmal wieder unter den Top-10 auf. Gemeinsam mit dem Österreicher Michael Weiss, dessen Kraft auch zwei Wochen nach seinem Debüt beim Ironman Hawaii noch für eine deutliche Bestzeit in seiner Paradedisziplin reicht.

Als Schlüsselphase des Radkurses auf Maui allerdings gilt "The Plunge", diese unberechenbare, acht Kilometer lange Schussfahrt zurück auf Meereshöhe. "The Plunge", das ist die Domäne von Conrad Stoltz, dem es hier mit halsbrecherischer Fahrt schon oft gelungen ist, die etwas weniger mutigen Kollegen abzuhängen. Diesmal allerdings soll es dazu nicht reichen, zu wenig selektiv ist die Passage, die jedes Jahr einen anderen Charakter aufweist. Mal ist sie vom vielen Regen ausgewaschen und extrem scharfkantig, mal dick staubig und schwer - in diesem Jahr wohl irgendwas dazwischen. "Rekordverdächtig", meinten die Veranstalter vor dem Rennen, "nervenaufreibend", entgegnen die Athleten regelmäßig im Ziel. Und so findet sich kurz vor dem zweiten Wechsel ein neues Spitzenquartett zusammen: Stoltz, der US-Amerikaner Josiah Middaugh, Batelier und - Llanos. Dahinter mit etwa 90 Sekunden Rückstand der Sieger von 2007, Nico Lebrun, Weiss und Marceau.

"Ohne jeden Druck gestartet"

Plötzlich gelten damit Llanos und Lebrun als Anwärter auf den Sieg, zumindest in Bestform würde keiner den beiden auf der 11 Kilometer langen Laufstrecke folgen können, die zunächst wieder über fast fünf Kilometer langgezogen an der Südwestflanke des Haleakala-Vulkans hinaufführt und dann in einem steilen Geröllpfad zurück zum Pazifik, wo nach einer 500 Meter langen Tiefsand-Passage entlang des Strands der "Spooky-Forest", der Gespensterwald, mit seinem dichten Unterholz und  querliegenden Baumstämmen alles abverlangt. Weder Middaugh noch Stoltz können Llanos hier folgen, beide müssen sogar noch Lebrun und Weiss passieren lassen, die allerdings ihrerseits das Loch zum Führenden nicht mehr schließen können.

Spätestens als Llanos die letzte Hürde, einen 30 Meter langen Balanceakt über schwarzes Lavageröll, unbeschadet durchturnt, steht der dritte Sieg des Spaniers nach 2002 und 2003 fest. "Ehrlich gesagt, ich hatte nicht erwartet, hier so stark zu sein. Ich bin ohne jeden Druck hierher gekommen und wollte nur Spaß haben. Und dann fühlte ich mich schon beim Schwimmen sehr stark und hatte einen richtig guten Tag. Als ich über die Ziellinie lief, konnte ich kaum glauben, wie schnell sich Gefühle ändern können", so der sichtlich gerührte Llanos. Eine knappe Minute später trifft Lebrun als Zweiter ein, mit der besten Laufzeit des Tages hat der französische Multisportler dem Vorjahreszweiten Weiss noch mehr als zwei Minuten aufgebrummt. Für den Tübinger Felix Schumann reicht es trotz des kräfteraubenden Abschlussjahrs seine Medizinstudiums für einen starken siebten Platz, Globetrotter Nico Pfitzenmaier schafft es ungeachtet der Doppelbelastung als Reiseleiter der europäischen Xterra-Delegation - wieder einmal - auf Platz 10.

Hattrick für Julie Dibens

Weniger dramatisch, dafür aber umso deutlicher im Ergebnis, das Rennen der Damen, in dem sich die Britin Julie Dibens als erste Frau in der Geschichte des Xterra zum dritten Mal in Folge den WM-Titel sichern kann. Weniger als eine Minute verliert Dibens im Wasser auf die ehemalige nordamerikanische Spitzenschwimmerin Christine Jeffrey und übernimmt schon zu Beginn der Radstrecke die Führung. Zwar müht sich die zweimalige Xterra-Weltmeisterin (2005 und 2006) und ehemalige Weltcup-Mountainbikerin Melanie McQuaid aus Kanada in den technischen Passagen des Rennens nach Kräften, den Abstand zur Trainingskollegin der dreifachen Hawaiisiegerin Chrissie Wellington zu verkürzen, doch die kann ihren Vorsprung bis zum Beginn der Laufstrecke sogar von drei auf fünf Minuten vergrößern. Im Ziel hat Dibens mehr als sieben Minuten Zeit, ihren Hattrick zu feiern, während McQuaid wohl ein weiteres Mal einsehen muss, dass sie als Siegerin der US- und Führende in der weltweiten Pro-Tour einfach zu viel Kraft gelassen hat. Denn wenige Kilometer vor dem Ziel schiebt sich noch die Schottin Lesley Paterson an ihr vorbei, die Österreicherin Carina Wasle feiert mit Platz vier ihr bestes Ergebnis auf Maui.

2009 Xterra World Championships, Frauen

  1. Oktober 2009, Makena Beach, Maui (USA)

1,5 km Swim

32 km Bike

11 km Run

Gesamt

1

Julie Dibens

GBR

20:25

1:44:57

51:20

2:56:42

2

Lesley Paterson

GBR

22:42

1:51:49

49:45

3:04:16

3

Melanie McQuaid

CAN

22:41

1:47:38

55:27

3:05:46

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2009 Xterra World Championships, Männer

  1. Oktober 2009, Makena Beach, Maui (USA)

1,5 km Swim

32 km Bike

11 km Run

Gesamt

1

Eneko Llanos

ESP

19:39

1:33:23

44:20

2:37:22

2

Nicolas Lebrun

FRA

21:44

1:32:24

44:09

2:38:17

3

Michael Weiss

AUT

23:44

1:30:25

46:15

2:40:24

4

Olivier Marceau

SUI

20:07

1:34:51

46:08

2:41:06

5

Conrad Stoltz

RSA

20:23

1:32:36

48:41

2:41:40

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