Javier Gómez auch in Kapstadt eine Klasse für sich

Zweites Rennen, zweiter Sieg: Wie Jodie Stimpson bei den Damen hat auch Javier Gómez seinen Auftaktsieg von Auckland in Kapstadt mit einem weiteren Erfolg bestätigt. Dabei distanzierte er Jonathan Brownlee noch früher als vor drei Wochen. Die Deutschen präsentierten sich solide.

Von > | 27. April 2014 | Aus: SZENE

Javier Gomez | Javier Gomez gewinnt auch das zweite WM-Rennen des jahres in Kapstadt

Javier Gomez gewinnt auch das zweite WM-Rennen des jahres in Kapstadt

Foto >Janos Schmidt / ITU

Wie Ergebnisse doch täuschen können: Mit den Plätzen 13, 16, 23 und 35 hat die Deutsche Triathlon Union ihre beiden angepeilten Top-Ten-Platzierungen scheinbar deutlich verfehlt - in Wirklichkeit aber kann das Team zufrieden sein mit den Leistungen von zumindest drei der vier Athleten beim zweiten WM-Serienrennen in Kapstadt. Nur beim Schwimmen, der wohl am schwierigsten und am langwierigsten zu trainierenden Disziplin, fehlt es dem Gros der deutschen Hoffnungen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio noch. Doch auch dort scheinen sie sich der Weltspitze langsam anzunähern.

Nieschlag schwimmt bei den "Großen" mit

Dabei bot sich in der "Waterfront", in der das Wasser zwar immer noch kalt war, das Schwimmen im Gegensatz zum Frauenrennen am Tag zuvor aber nicht verkürzt wurde, zunächst das gewohnte Bild: Wieder einmal war es der Slowake Richard Varga, der auf den ersten 1,5 Kilometern ein hohes Tempo anschlug, dicht gefolgt von den beiden großen Dominatoren der Rennszene, Jonathan Brownlee (BR) und Javier Gómez (ESP). Wie bereits in den vergangenen Wettkämpfen erprobt, rissen sie das Feld weit auseinander - und setzten auf dem Rad alles daran, sich mit einer möglichst kleinen Gruppe nach vorne hin abzusetzen, um die schnellen Läufer um Mario Mola (ESP), Richard Murray (RSA), Steffen Justus und Gregor Buchholz unter Druck zu setzen. Und das wieder einmal mit Erfolg: Mit zwölf Begleitern setzte sich das Duo ab - darunter auch der Niedersachse Justus Nieschlag, der in Kapstadt zum ersten Mal in seiner jungen Karriere bei einem Rennen der World Triathlon Series an den Start gegangen war.

Hinter der Spitzenruppe formierte sich eine fast 30 Mann große Verfolgergruppe um zwei der drei übrigen Deutschen: Steffen Justus hatte den Sprung in die Führungsgruppe diesmal zwar deutlicher verpasst als noch vor drei Wochen in Auckland, für Gregor Buchholz dagegen bedeutete ein Rückstand von einer guten halben Minute auf die Spitzengruppe und der Sprung in die erste Verfolgergruppe auf dem Rad erneut einen Fortschritt in der Auftaktdisziplin. Lediglich der vierte Deutsche, Franz Löschke, der wegen seines Studiums in den vergangenen Wochen im Training etwas hatte zurückstecken müssen zudem angeschlagen ins Rennen gegangen sei, verpasste auch diese Gruppe und wurde im weiteren Rennverlauf daher deutlich zurückgeworfen.

Gómez kontert Brownlees Konter

Dagegen konnte die erste Verfolgergruppe, immer wieder angeführt vor allem von Justus und Buchholz, den Rückstand zur Spitzengruppe, in der sich vor allem Brownlee und Gómez um das Tempo bemühten, in Grenzen halten: Bis auf 80 Sekunden ließen die Gruppenmitglieder um Justus, Buchholz, Mario Mola und Richard Murray die 14 Spitzenleute während der 40 Radkilometer ziehen - und hatten somit gute Chancen, ähnlich wie Gregor Buchholz und Mario Mola in Auckland drei Wochen zuvor noch den Sprung unter die Top Ten zu schaffen.

Ganz vorne bot sich beim Laufen allerdings das gewohnte Bild: Gemeinsam stürmten Javier Gómez und Jonathan Brownlee aus der Wechselzone, auf dem ersten Kilometer nur begleitet vom jungen Justus Nieschlag, der dieses halsbrecherische Unterfangen nach einem Laufkilometer aber auch abbrach und sich zurückfallen ließ. Immer wieder setzte sich das Spitzenduo gegenseitig unter Druck - bis Gómez nach sechs Laufkilometern die entscheidende Attacke gelang. "Ich hatte heute eine klare Taktik: Ich habe einfach immer mit eigenen Attacken gekontert, wenn Javier angegriffen hat", sagte Brownlee später mit einem Grinsen im Ziel. "Blöderweise hat Javier meinen Konter einfach selbst noch einmal gekontert, und das war es dann für mich." Der Spanier lief an der Spitze einem sicheren Sieg entgegen, Brownlee hatte keine Mühe, seinen zweiten Rang auf den verbleibenden vier Kilometern gegen den Russen Dmitry Polyanskiy auf der dritten Position abzusichern.

Mola unter 30 Minuten, Buchholz und Justus "opfern sich auf"

Im Gegenteil musste der zum Schluss sogar noch um seine Podestplatzierung bangen: Denn mit Riesenschritten näherte sich Mario Mola aus der Verfolgergruppe den Spitzenleuten, lief die zehn Kilometer als einziger Athlet unter 30 Minuten - und kam noch bis auf wenige Sekunden an den dritten Podiumsplatz heran. Auch Gregor Buchholz und Steffen Justus liefen die ersten zwei Kilometer an den Fersen des läuferisch überragenden Spaniers an, dann nahm Buchholz etwas an Tempo heraus - und Justus verbüßte eine Zeitstrafe, die ihm erteilt wurde, weil sich beim ersten Wechsel sein Neoprenanzug am Rad verfangen hatte, Justus ihn erst auf dem Weg aus der Wechselzone vom Rad zog und liegen ließ. Ein Fotograf zog den Anzug Sekunden später zur Seite, um Stürze nachfolgender Athleten zu vermeiden.

Trotzdem trennten Justus und Buchholz eingangs der letzten 2,5 Kilometer-Runde nur wenige Sekunden von den erhofften Top-Ten-Platzierungen - letztlich mussten sie sich aber mit den Platzierungen 13 und 16 zufrieden geben. "Das soll keine Entschuldigung sein, aber die beiden haben auf dem Rad zu drei Vierteln die Arbeit in der Gruppe geleistet", meinte Bundestrainer Dan Lorang. "Das erklärt das Ergebnis ein wenig." Auch Buchholz war vor allem mit der Mitarbeit der Begleiter unzufrieden. "Ich kann das nicht verstehen - Steffen und mir hat keiner auf dem Rad geholfen, auch die Südafrikaner vor heimischer Kulisse nicht. Die Chance zum Aufholen war da. Letztlich haben wir uns da ein wenig aufgeopfert", meinte er. Justus Nieschlag verlor nach seinem offensiven Start auf die Laufstrecke und wurde nach starker Leistung in den ersten beiden Disziplinen 23., Franz Löschke erreichte das Ziel abgeschlagen auf Platz 35.

ITU World Triathlon Series Cape Town

  1. April 2014, Kapstadt (RSA)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Javier Gómez

ESP

1:44:52

16:51

56:11

30:23

2

Jonathan Brownlee

GBR

1:45:11

16:49

56:15

30:41

3

Dmitry Polyanskiy

RUS

1:45:35

16:55

56:17

31:02

4

Mario Mola

ESP

1:45:44

17:31

56:55

29:58

5

Richard Murray

RSA

1:45:57

17:53

56:38

30:07

6

Aaron Royle

AUS

1:46:05

17:00

56:09

31:33

7

Aaron Harris

GBR

1:46:06

17:31

56:52

30:18

8

Vincent Luis

FRA

1:46:10

17:02

56:08

31:39

9

Joao Pereira

POR

1:46:12

17:39

56:52

30:18

10

Ryan Sissons

NZL

1:46:17

17:50

56:39

30:28

13

Gregor Buchholz

GER

1:46:34

17:48

56:41

30:44

16

Steffen Justus

GER

1:46:50

17:33

56:53

31:01

23

Justus Nieschlag

GER

1:47:35

17:04

56:05

33:07

35

Franz Löschke

GER

1:49:05

18:31

57:54

31:11

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