Javier Gómez sprintet in London zum WM-Titel

Javier Gómez hat in London seinen zweiten Sieg in der World Triathlon Series nach 2010 gefeiert. Auf der Zielgeraden überspurtete der Spanier Publikumsliebling Jonathan Brownlee und entführte den Titel damit aus Großbritannien. Jonathans Bruder Alistair musste verletzt kürzertreten.

Von > | 15. September 2013 | Aus: SZENE

Javier Gomez und Jonathan Brownlee | Der Sieger und der Geschlagene: Javier Gomez und Jonathan Brownlee im Ziel des Grand Final der World Triathlon Series 2013 in London.

Der Sieger und der Geschlagene: Javier Gomez und Jonathan Brownlee im Ziel des Grand Final der World Triathlon Series 2013 in London.

Foto >Silke Insel / spomedis

Dass es mitten in einer Sprintentscheidung vor hunderten Zuschauern auf der Tribüne direkt neben der Zielgeraden plötzlich still wird, ist kein alltägliches Schauspiel. Aber eines, das Jonathan Brownlee (GBR) und Javier Gómez an diesem Sonntagnachmittag im Londoner Hyde Park hautnah miterlebten. Gerade noch tobten die Massen, als Jonathan Brownlee mit einer halben Körperbreite Vorsprung in Richtung des Zielbogens stürmte, den Weltmeistertitel im Blick - doch Javier Gómez konnte, zum kurzzeitigen Entsetzen des Publikums, noch "diesen einen Gang zulegen", wie er später erzählte. Und entführte den Weltmeistertitel in der spannendsten Titelentscheidung seit Einführung der World Triathlon Series von der "Insel" auf die Iberische Halbinsel.

Justus fehlen "nur ein, zwei Sekunden"

Zunächst allerdings lief es für Javier Gómez in diesem Rennen nicht uneingeschränkt nach Plan. 13 Sekunden verlor der Galizier auf den 1,5 Kilometern im Serpentine Lake auf die Brownlee-Brüder, die kurz nach dem Slowaken Richard Varga aus dem Wasser stiegen. Ein gefährlich großer Rückstand - aber einer, der sich nicht rächte. Zwar drückten die Brownlees sofort auf das Tempo, doch auch Gómez mobilisierte zu Beginn der 40 Radkilometer alle Kräfte, um das Brüderpaar nicht ziehen lassen zu müssen - und schaffte noch in der ersten Fünf-Kilometer-Runde den Sprung in eine 13 Mann große Spitzengruppe mit den beiden britischen Hauptkonkurrenten.

Wie knapp nur Gómez dieser Sprung nach vorn tatsächlich geglückt war, belegt schon ein Blick auf Steffen Justus. Nach der ersten von zwei zu schwimmenden Runden noch knapp vor Gómez im Feld platziert, stieg er letztlich mit sieben Sekunden Rückstand auf den Galizier aus dem Wasser - und verpasste die Spitzengruppe. "Ärgerlich, dass am Ende wirklich nur ein, zwei Sekunden gefehlt haben", sagte Justus im Ziel. "Aber trotzdem bin ich zufrieden. Ich bin mit dem Ziel hier reingegangen, ein gutes Schwimmen abzuliefern, darauf kam es für mich an - und das ist geglückt", meinte der Jenaer weiter." Auf dem Rad habe ich mich dann darauf konzentriert, die anderen beiden Jungs möglichst nah wieder dort vorn ran zu fahren. Für die war immerhin eine Top-Ten-Platzierung drin."

"Zu kalt für den Knöchel"

Die "anderen beiden Jungs" waren Franz Löschke und Jonathan Zipf. Während Löschke nach dem Schwimmen zwar mit der großen Verfolgergruppe aus dem Wasser stieg, musste er die auf dem Rad zunächst ziehen lassen. "Auf den ersten Metern war ich nicht frisch genug", sagte er. Danach schloss er binnen 20 Radkilometern aber unter anderem gemeinsam mit dem Schweizer Sven Riederer wieder zur großen Gruppe um Justus und Zipf auf - und hielt den Abstand zur Spitze unter dem Tempodiktat von Steffen Justus und Richard Murray (RSA) somit in Grenzen. Nur rund 30 Sekunden trennten die Verfolger am Ende von den 13 Spitzenleuten, die trotz lautstarker und gestenreicher Anweisungen der beiden Brownlee-Brüder nicht optimal zusammenarbeitete. Und das war noch nicht alles, was die Harmonie an der Spitze störte: Gleich zwei Mal trat Alistair Brownlee zu Attacken an. Wurde er beim ersten Mal noch früh von Javier Gómez gestellt, schien der ältere der beiden Brownlee-Brüder bei seinem zweiten Angriff, rund acht Kilometer vor dem zweiten Wechsel, ernst machen zu wollen. Zu unsicher schien er sich nach langwieriger Verletzungsproblemen seines läuferischen Vermögens - also riss er eine Lücke und hielt das Tempo so hoch, dass auch Gómez Probleme hatte, die Lücke wieder zu schließen. Erst drei Kilometer vor dem Wechsel schließlich stellte er Brownlee wieder. Für den der Traum vom dritten Weltmeisterschafts-Titel kurz darauf ausgeträumt war.

Bereits beim zweiten Wechsel konnten die Zuschauer zumindest erahnen, dass mit Alistair Brownlee etwas nicht stimmte: Mit schmerzverzerrtem Gesicht rannte der Brite zu seinem Wechselplatz - und musste seinen Bruder und Gómez ziehen lassen. Zwar brachte der Brite das Rennen ins Ziel, versuchte zwischenzeitlich auch noch einmal aufzuholen, aber der Titel war an diesem Tag außer Reichweite. "Es war vielleicht einfach zu kalt für meinen Knöchel heute, es ging nicht", sagte Alistair nach dem Zieleinlauf, bevor er sich den linken inneren Knöchel mit einem großen Beutel Eis kühlte. "Womöglich wäre es cleverer gewesen, aus dem Wettkampf auszusteigen. Aber ich habe ein Rennen noch nie einfach nicht zu Ende gebracht."

"Was für ein Idiot"

Und immerhin hatte der Olympiasieger so einen der besten Plätze, den Kampf um den WM-Titel zwischen Javier Gómez und seinem Bruder hautnah zu verfolgen. Fast durchweg führte der, Jonathan, das Rennen an, während Gómez, der schon das Grand Final in Auckland im Vorjahr im Zielsprint gegen Jonathan Brownlee für sich entschieden hatte, sich meist auf das Reagieren beschränkte. Immer wieder feuerte Alistair seinen Bruder an, wenn der ihm entgegenkam - stoppte auf den letzten vierhundert Metern seines Bruders sogar ab, schrie ihm noch einmal eine Anweisung zu, als der gerade  den Sprint eröffnete. Doch es gewann in einer knappen Spurtentscheidung der Olympia-Silbermedaillist Javier Gómez. Wenige Meter vor der Ziellinie erst schob er sich an Brownlee vorbei - zum Titel. "Es war so windig - alles, was Jonathan tun musste, war sich bei Gómez hinten reinzuhängen. Ich habe gesehen, wie er angegriffen hat. Er hat den Titel weggeworfen - was für ein Idiot", sagte Alistair Brownlee später grinsend über seinen jüngeren Bruder. "Alistair wollte, dass ich meinen Kopf benutze. Ich finde, das habe ich getan, so gut es ging. Javier war heute einfach besser", erwiderte Jonathan. Der ältere Brownlee selbst, der das Rennen zum Schluss austrudeln ließ und auf dem 52. Platz beendete, rutschte sogar noch vom WM-Podest, weil der Spanier Mario Mola, der aus der Verfolgergruppe heraus auf die Laufstrecke gestartet war, noch bis auf den dritten Rang nach vorn lief.

Die Deutschen beendeten die Rennen außerhalb der Top-Ten - waren aber trotzdem nicht unglücklich. "Mit einem elften Platz konnte ich nicht rechnen, das ist ein gutes Ergebnis", zeigte sich der bestplatzierte Deutsche, Franz Löschke, mit seiner Leistung zufrieden. Auch Jonathan Zipf war mit seiner Leistung - und dem 20. Platz - einverstanden. "Ich hatte bis zum Rennen in Stockholm wieder Probleme mit der Leiste, diesmal auf der anderen Seite als noch im Winter", sagte er. "Da lagen die Laufumfänge zuletzt kaum über 35, 40 Kilometer pro Woche." Steffen Justus, der auf dem Rad für seine Teamkollegen gearbeitet hatte, beendete das Rennen auf dem 29. Platz - und erreichte mit einer Laufzeit knapp über 31 Minuten nach einer Verletzungspause ebenfalls noch ein weiteres Tagesziel. Nur für Gregor Buchholz lief es in London nicht nach Plan. Er verlor schon beim Schwimmen über eineinhalb Minuten auf die Spitze, wurde mit seiner Radgruppe anschließend noch weiter zurückgeworfen und beendete das Rennen trotz guten Laufs auf dem 53. Platz. "Insgesamt bin ich wirklich mit dem Ergebnis zufrieden", meinte DTU-Cheftrainer Ralf Ebli. "Das ist sogar etwas besser, als wir erwartet hatten."

ITU Grand Final | Männer

  1. September 2013, London (Großbritannien)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Javier Gómez

ESP

1:48:16

17:23

1:00:11

29:34

2

Jonathan Brownlee

GBR

1:48:17

17:10

1:00:20

29:36

3

Mario Mola

ESP

1:49:10

18:05

1:00:03

29:46

4

Dmitry Polyanskiy

RUS

1:49:21

17:17

1:00:17

30:38

5

Vincent Luis

FRA

1:49:24

17:24

1:00:09

30:41

6

Laurent Vidal

FRA

1:49:28

18:03

1:00:02

30:05

7

Aaron Royle

AUS

1:49:30

17:07

1:00:27

30:48

8

Crisanto Grajales

MEX

1:49:32

18:30

0:59:43

30:11

9

Reinaldo Colucci

BRA

1:49:34

18:31

0:59:43

30:09

10

Joao Pereira

POR

1:49:34

17:59

1:00:13

30:10

11

Franz Löschke

GER

1:49:34

18:18

0:59:55

30:13

20

Jonathan Zipf

GER

1:50:08

18:05

1:00:04

30:44

29

Steffen Justus

GER

1:50:43

17:30

1:00:46

31:23

53

Gregor Buchholz

GER

1:55:15

18:46

1:04:16

31:03

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ITU World Triathlon Series 2013

Endstand

Name

Nation

Punkte

1

Javier Gómez

ESP

4220

2

Jonathan Brownlee

GBR

4195

3

Mario Mola

ESP

3726

4

Alistair Brownlee

GBR

3140

5

Richard Murray

RSA

2937

22

Franz Löschke

GER

1344

25

Steffen Justus

GER

1069

30

Jonathan Zipf

GER

979

36

Gregor Buchholz

GER

890

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