Jorgensen außerirdisch - DTU-Team stark

Gwen Jorgensen macht in der Saison 2015 weiter, wo sie 2014 aufgehört hatte: An der Spitze. Erneut ließ die US-Amerikanerin beim Laufen alle Konkurrenten stehen. Doch auch der Nachwuchs des DTU-Teams zeigte in den Emiraten starke Rennen.

Von > | 7. März 2015 | Aus: SZENE

Gwen Jorgensen | Gwen Jorgensen gewinnt den WM-Auftakt in Abu Dhabi

Gwen Jorgensen gewinnt den WM-Auftakt in Abu Dhabi

Foto >Janos Schmidt / ITU

Zwischenzeitlich kam Spannung auf, und bedanken muss man sich dafür bei der Fluggesellschaft, die Lisa Nordén nach Abu Dhabi gebracht hatte: Dreieinhalb Tage lang war das Rad der schwedischen Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von London verschollen, dann tauchte es wenige Stunden vor dem ersten Saisonwettkampf in Abu Dhabi schließlich und endlich doch noch auf. Nordén hatte ihr Arbeitsgerät sichtlich vermisst - und lebte ihre Liebe zur zweiten Disziplin zum Wohle des Rennens und der Spannung beim WM-Auftakt voll aus.

Nordén verhindert ein Bummel-Rennen

Denn früh in diesem kurzen Rennen deutete alles darauf hin, dass es in der zweiten Disziplin eine weitere Bummel-Veranstaltung mit anschließender Laufentscheidung geben könnte: Nur geringe Abstände hatten sich beim Schwimmen ergeben, wobei fast alle starken Läuferinnen außer Nordén und den frisch verheirateten US-Amerikanerinnen Sarah True (ehemals Groff) und Katie Zaferes (ehemals Hursey) im Wasser Schwächen zeigten: Sie verloren rund 20 Sekunden auf die Spitze, die knapp hinter der Spanierin Carolina Routier aus dem Wasser krabbelte und auf die Räder sprang. Doch weil auch Anne Haug und einige weitere starke Radfahrerinnen mitten in dieser Hauptgruppe mitgeschwommen waren, deutete vieles darauf hin, dass sich binnen der ersten Kilometer ein großes Hauptfeld bilden würde, aus dem heraus auf dem Rad nicht mehr viel passieren würde. Doch es kam anders. Und das ist vor allem Lisa Nordén zu verdanken.

Denn die spannte sich immer wieder vor die anfangs 16 Frauen große Spitzengruppe und dünnte sie binnen der ersten fünf Kilometer auf elf Frauen aus - unter anderem WM-Serien-Debütantin Laura Lindemann, die als schnellste Deutsche aus dem Wasser gestiegen war, fiel dem Tempo Nordéns zum Opfer und in die Gruppe um die starken Läuferinnen um Jorgensen und alle weiteren DTU-Athletinnen zurück. Doch noch kein Grund zur Panik für Moffatt, Hewitt, Jorgensen und Co.: Vor allem, weil Anne Haug und Hanna Philippin sich anfangs sichtbar um das Tempo bemüht machten, blieb der Rückstand auf die Spitze konstant bei etwa 20 Sekunden. Ein Rückstand, der immer noch gut aufzuholen wäre binnen der ausstehenden fünf Laufkilometer.

"Bin selbst überrascht"

Das allerdings passte Lisa Nordén gar nicht - also trat sie an. Gemeinsam mit Flora Duffy von den Bermudas und Lucy Hall (GBR) löste sie sich aus der Spitzengruppe, kurz darauf sprangen auch die beiden US-Amerikanerinnen Zaferes und Lindsey Jerdonek in einem Kraftakt noch hinterher und schlossen sich der nun fünf Frauen großen Spitzengruppe an. Immer weiter waren es dort vor allem Nordén und Duffy, die ihr Glück in der Offensive suchten - und zu finden schienen: Sie bauten den Vorsprung auf das riesige Hauptfeld mit allen schnellen Läuferinnen und den Deutschen bis zum zweiten Wechsel auf fast eine Minute aus, entledigten sich dabei unterwegs auch noch der guten Läuferin Zaferes. Und starteten in dem Glauben, dass dieses Polster selbst für die läuferischen Fähigkeiten einer Gwen Jorgensen groß genug sein könnte, auf die abschließenden fünf Kilometer.

Doch dieser Glauben erwies sich früh als völlig falsch: 20 Sekunden machte Jorgensen auf jedem der ersten drei Kilometern auf die Spitze gut - und hatte so kurz nach der Halbzeit der Laufstrecke plötzlich schon wieder die Spitzenposition inne, von wo aus sie das Rennen in der Folge nur noch verwalten musste und souverän ihren neunten Sieg in der World Triathlon Series einlief. 15:57 Minuten standen am Ende für sie zu Buche, obwohl Jorgensen auf den letzten beiden Kilometern nicht mehr alles geben musste. "Darüber bin ich selbst überrascht. Ich dachte nicht, dass ich läuferisch schon so stark bin", sagte Jorgensen später. Dagegen entbrannte hinter ihr ein harter Kampf um die verbliebenen Podestplätze: Überraschend hatte sich zunächst Flora Duffy von ihren Begleiterinnen abgesetzt, wogegen Nordén bald deutlich zurückfiel und am Ende 21. wurde. Doch kurz vor dem Ziel wurde Duffy auch von der zweiten US-Amerikanerin, Katie Zaferes, noch gestellt - und musste in ihrem Rücken sogar die dritte US-Frau Lindsay Jerdonek fürchten. Doch die hatte sich auf den ersten Laufkilometern offenbar übernommen und konnte Duffys erste Podestplatzierung in der WM-Serie nicht mehr gefährden, gab selbst auf den letzten Metern sogar noch einige Platzierungen her. "Das war das Rennen meines Lebens. Das ist ein großartiger Tag für die Bermudas", strahlte Cross-Weltmeisterin Flora Duffy im Ziel.

Herausragendes Serien-Debüt von Laura Lindemann

DTU-Trio Abu Dhabi | Robisch, Lindemann, Philippin: Starkes DTU-Trio beim WM-Auftakt

Robisch, Lindemann, Philippin: Starkes DTU-Trio beim WM-Auftakt

Foto >Jo Kleindl / DTU

Zumindest ein mutmachender war es auch für die Deutsche Triathlon Union: Denn nachdem die Deutschen bereits allesamt zumindest solide geschwommen waren, präsentierte sich ein Trio auch auf der Laufstrecke stark: Das gesamte Rennen über beinahe im Gleichschritt schoben sich die Freundinnen Hanna Philippin und Rebecca Robisch nach anfänglicher Zurückhaltung auf der Laufstrecke immer weiter nach vorne und liefen auf den Plätzen elf und zwölf an die Top-Ten heran. Angesichts ihres ersten Starts in der WM-Serie sogar noch höher einzuordnen ist das Ergebnis der jungen Potsdamerin Laura Lindemann, die direkt hinter diesem Duo einen starken 13. Rang erkämpfte, nachdem sie sich zu Beginn der Laufstrecke wegen Seitenstechen noch zurückgehalten hatte. Anne Haug startete offensiver auf die Laufstrecke und lief auf eine Top-Fünf-Platzierung an - hintenraus musste sie aber deutlich zurückstecken und kam auf Platz 16 ins Ziel. "Ein halbes Jahr Pause kann ich nicht wegzaubern, daher muss ich zufrieden sein", sagte Haug im Ziel. Sophia Saller beendete das Rennen auf dem 33. Rang.

ITU World Triathlon Abu Dhabi

  1. März 2015, Abu Dhabi (VAE)

Name

Nation

Gesamt

750 m Swim

20 km Bike

5 km Run

1

Gwen Jorgensen

USA

58:59

10:08

31:47

15:57

2

Katie Zaferes

USA

59:15

9:42

31:31

16:53

3

Flora Duffy

BER

59:23

10:02

30:55

17:23

4

Barbara Riveros Diaz

CHI

59:37

10:07

31:42

16:43

5

Andrea Hewitt

NZL

59:38

10:03

31:43

16:48

6

Lindsey Jerdonek

USA

59:40

9:47

31:09

17:41

7

Charlotte McShane

AUS

59:44

9:55

31:54

16:53

8

Yuka Sato

JPN

59:48

9:39

31:39

17:27

9

Sarah True

USA

59:51

9:40

31:35

17:27

10

Kaitlin Donner

USA

59:53

10:02

31:49

16:54

11

Rebecca Robisch

GER

59:54

10:06

31:44

17:01

12

Hanna Philippin

GER

59:55

10:05

31:44

16:58

13

Laura Lindemann

GER

59:55

9:50

32:02

16:59

16

Anne Haug

GER

1:00:06

10:13

31:36

17:16

33

Sophia Saller

GER

1:00:54

10:06

31:49

17:55

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