Jorgensen bastelt an der perfekten Serie

Ausgerechnet im Londoner Hyde Park, dem Ort ihrer bittersten Niederlage, kann Gwen Jorgensen den WM-Sack am Sonntag fast zuschnüren: Und der Konkurrenz fehlt auch vor dem sechsten Saisonrennen weiterhin jedes Mittel gegen die Weltmeisterin. Das DTU-Trainerteam schickt ein breites Aufgebot zum Europa-Auftakt der WM-Serie.

Von > | 28. Mai 2015 | Aus: SZENE

ITU World Triathlon Gold Coast 2015 - 02 | Gwen Jorgensen ist - mal wieder - die Gejagte

Gwen Jorgensen ist - mal wieder - die Gejagte

Foto >triathlon.org / Delly Carr

Es ist erst Ende Mai, doch die World Triathlon Series ruft bereits zu Runde sechs der Saison 2015: Beim ersten von drei europäischen Rennen dieser Saison kann Weltmeisterin Gwen Jorgensen (USA) zumindest mit den Serienrennen für diese Saison bereits abschließen und sich ganz auf das Olympiaqualifikationsrennen in Rio de Janeiro (BRA) Anfang August und das Grand Final in Chicago Mitte September konzentrieren. Denn ein weiterer Sieg in London am Sonntag wäre für die US-Amerikanerin bereits ihr fünfter im fünften Anlauf - und nur eben jene fünf Ergebnisse können bis zum Grand Final in dieser Saison in die Serienwertung eingebracht werden.

Der größte Konkurrent ist das kalte Wasser

Und es ist momentan kaum ein Szenario denkbar, in dem Jorgensen dieser Sieg nicht gelingen sollte: Sie zeigte zuletzt selten Schwächen beim Schwimmen, gar keine mehr auf dem Rad und beim Laufen agierte sie ohnehin mindestens eine Liga über ihren Konkurrenten. Höchstens das kalte Wasser im Lake Serpentine im Londoner Hyde Park, das auch beim Grand Final 2013 für eine der bittersten Niederlagen Jorgensens mitverantwortlich war, könnte ihr einen Strich durch die Rechnung machen: Mehrfach verkühlte sich die extrem austrainierte Athletin bei kühlen Bedingungen bereits und kam im Rennen anschließend nicht mehr auf Temperatur. Das war wohl auch ein Grund, warum Jorgensen das Rennen in Kapstadt im April ausließ. Allerdings zeigte die Weltmeisterin schon im vergangenen Jahr, dass sie auch in London gewinnen kann: Satte 30 Sekunden kam sie dort auf der Sprintdistanz vor ihrer schnellsten Verfolgerin, Landsfrau Sarah True, ins Ziel.

Eben jene Sarah True ist auch in diesem Jahr wieder eine der Frauen, die Jorgensen noch am ehesten gefährlich werden könnte. Wie auch die dritte schnelle US-Amerikanerin im Bunde, Katie Zaferes, ist True eine gute Schwimmerin und dürfte sich auf den 20 Radkilometern deshalb in der Spitzengruppe wiederfinden. Wie groß die ausfällt, wird auch am Engagement der guten Schwimmerinnen Carolina Routier (ESP) und Sara Vilic (AUT) liegen, die in London ebenfalls am Start erwartet werden. Andrea Hewitt (NZL), Aileen Reid (IRL) und Maaike Caelers (NED) könnten einem schnellen Schwimmen zum Opfer fallen - und müssten dann auf der flachen Strecke viel Kraft investieren, um noch vor den fünf Laufkilometern wieder zur Spitze aufzuschließen.

Deutsche mit guten Aussichten

Das gilt auch für drei aus dem mit fünf Starterinnen breit besetzten deutschen Frauenteam in London: Rebecca Robisch, Hanna Philippin und Sophia Saller, die beim um die halbe Schwimmdistanz verkürzten Rennen von Kapstadt starke Vierte wurde, gehören im Wasser zu den Wackelkandidatinnen, die auf der Radstrecke unter Umständen zunächst einem Rückstand hinterherjagen müssen. Eine ihrer wertvollsten Helferinnen dabei, Anne Haug, lässt das Rennen in London in diesem Jahr aus. Bessere Karten, auch im Falle eines schnellen Schwimmens vorn dran zu bleiben, haben Anja Knapp, die in London wegen eines Knochenmarködems ihr erstes Saisonrennen bestreiten wird, und Nachwuchsathletin Laura Lindemann, der die Sprintdistanz ebenfalls entgegenkommen dürfte: Beim WM-Auftakt in Abu Dhabi wurde sie prompt 13.. Auch das Starterfeld könnte den Deutschen Mut machen. Die drei Überfliegerinnen aus den USA treten zwar geschlossen an, allerdings lassen neben den Australierinnen Ashleigh Gentle und Emma Moffatt auch noch einige weitere Konkurrentinnen um Top-Ten-Platzierungen das erste Europarennen der Saison aus.

Zu rechnen ist vor heimischem Publikum dafür umso mehr mit den Britinnen Vicky Holland, der Siegerin vom Rennen in Kapstadt, und Non Stanford, die ohne eine unnötige Zeitstrafe für das Verfehlen ihrer Wechselbox mit dem Neoprenanzug in Yokohama vor zwei Wochen nach langer Verletzungspause wohl bereits eine Anwärterin mindestens auf den vierten Platz gewesen wäre. "Auf jeden Fall wird es seltsam, am Rennmorgen in meinem eigenen Bett aufzuwachen und nicht in einem fremden Hotel", kündigte bereits Stanford an, die sich in London durch Jorgensens Ausrutscher 2013 zur Weltmeisterin krönte. Auch Lindsey Jerdonek, Kaitlin Donner (beide USA), Erin Densham (AUS) und die französische Nachwuchsathletin Cassandre Beaugrand gehen in London mit guten Aussichten ins Rennen.

Das Rennen der Frauen wird am Sonntag um 17:45 Uhr deutscher Zeit gestartet. tri-mag.de berichtet wie gewohnt zeitnah nach der Entscheidung.