Jorgensen beeindruckt weiter, Gentle gelingt der Durchbruch

Gwen Jorgensen hat auch ihr viertes WM-Serienrennen in dieser Saison gewonnen. Im Regenrennen von Yokohama präsentierte sie sich erstmals auch auf dem Rad aktiv - und rannte danach erneut in eigenen Dimensionen. Die Australierin Ashleigh Gentle gewann Silber, das DTU-Duo enttäuschte beim Laufen.

Von > | 16. Mai 2015 | Aus: SZENE

ITU World Triathlon Gold Coast 2015 - 15 | Jorgensen bleibt konzentriert.

Jorgensen bleibt konzentriert.

Foto >triathlon.org / Delly Carr

Saisonübergreifend kommt sie nun auf neun Siege aus neun Starts, allein in diesem Jahr sind es vier aus vier - bei fünf ausgetragenen Wettkämpfen auf Ebene der World Triathlon Series 2015: Gwen Jorgensen ist aktuell nicht beizukommen. Auch auf den regennassen Straßen von Yokohama, wo die US-Amerikanerin ihren Siegesreigen im Vorjahr eröffnet hatte, war die 29-Jährige durch die Konkurrenz nicht zu bremsen. Im Gegenteil deutete die Weltmeisterin sogar an, dass sie den Rennen ihren Stempel in Zukunft noch etwas stärker aufdrücken möchte.

Hanna Philippin führt das Feld zusammen

Denn bislang hatten Jorgensens Wettkämpfe immer gleich ausgesehen: Auf ein meist solides Schwimmen folgte ein Radpart, in dem sich die US-Amerikanerin im Feld versteckte und darauf wartete, dass sie ihre große Überlegenheit beim Laufen ausspielen kann. In Japan dagegen zeigte sie sich nun erstmals auch vermehrt an der Spitze des Radfeldes - auch wenn dieses Engagement diesmal noch nicht von großem Erfolg geprägt war: Denn nachdem sich in Japan beim Schwimmen zunächst eine 14 Frauen große Gruppe um fast eine Minute vom übrigen Feld abgesetzt hatte, misslang es den Spitzenschwimmerinnen um Jorgensen, dieses Polster auch auf dem Rad zu verteidigen. Es dauerte sogar nur rund zehn Kilometer, bis die ersten Verfolgerinnen um Andrea Hewitt (NZL), Ashleigh Gentle (AUS) und Non Stanford (GBR) die Spitzengruppe auf 22 Athletinnen erweiterten. Der Weltmeisterin von 2013, Stanford, die seit dem Finalsieg im September 2013 verletzungsbedingt kein Rennen mehr bestritten hatte, unterlief kurz zuvor allerdings ein Wechselfehler: Sie verfehlte mit ihrem Neoprenanzug ihre Wechselbox und wurde somit mit einer 15-Sekunden-Penalty bestraft, die sie auf der Laufstrecke absitzen musste.

Nach dem Zusammenschluss mit der ersten Verfolgergruppe brauchte die zweite Verfolgergruppe noch 18 weitere Kilometer, bis auch sie ihren Weg an die Spitze fand: Angeführt von der engagierten Deutschen Hanna Philippin schloss zwölf Kilometer vor dem zweiten Wechsel die große Gruppe, in der auch Anne Haug lag, zur Spitze auf und erweiterte das Hauptfeld, aus dem durch mehrere Stürze auf den nassen Straßen immer wieder einige Athletinnen herausfielen, auf nun rund 35 Athletinnen. Es sollte also eine Laufentscheidung geben, in der die beiden Deutschen im Kampf um die Top-Platzierungen aber keine Rolle mehr spielten.

Ashleigh Gentle | Ashleigh Gentle gelingt der Durchbruch

Ashleigh Gentle gelingt der Durchbruch

Foto >Delly Carr / triathlon.org

"Es hat mich viele Jahre gekostet, aber das war es wert"

Denn die wechselten zwar deutlich besser als Gwen Jorgensen, die fast zehn Sekunden auf die Spitze verlor - nach nur rund 700 Metern flog die US-Amerikanerin trotzdem bereits am Feld vorbei und enteilte der Konkurrenz. Lediglich Renee Tomlin (USA) und Andrea Hewitt (NZL) versuchten, ihr für einige Meter zu folgen, brachen dieses aussichtslose Unterfangen aber bald ab. Stattdessen schob sich die Australierin Ashleigh Gentle an ihnen vorbei - und setzte sich auf den folgenden fünf Kilometern ebenfalls beeindruckend deutlich vom übrigen Feld ab. Zwar konnte sie Jorgensen nicht gefährlich werden, bis zur Sechs-Kilometer-Marke hielt sie den Rückstand auf die Spitze aber bei lediglich 20 Sekunden und nahm erst dann an Tempo heraus, um sich auf die Absicherung ihrer ersten Silbermedaille in der WM-Serie zu konzentrieren. "Der Versuch, endlich zur Weltelite vorzudringen, hat mich etliche Jahre und viel, viel Arbeit gekostet", sagte Gentle, die schon lange als starke Läuferin und Radfahrerin gilt, das aber selten im Rennen umsetzen konnte, strahlend im Ziel. "Aber das war es wert. Ich war beim Laufen noch nie in einer solchen Position, deshalb musste ich zwischenzeitlich stark gegen die seltsamen Gedanken kämpfen, die in meinem Kopf aufkamen."

So blieb der Konkurrenz nur der Kampf um Bronze hinter Jorgensen und Gentle - und den machten Hewitt, Tomlin, Emma Moffatt und die Waliserin Stanford in einem Ausscheidungsrennen unter sich aus. Nach rund sieben Kilometern musste Hewitt nach einer Tempoverschärfung Moffatts als erste aus diesem Quartett abreißen lassen. Durch ihre Zeitstrafe, die sie wenige Meter vor der Ziellinie absaß, fiel auch Stanford noch um einige Platzierungen zurück. So sicherte sich Moffatt vor der Amerikanerin Tomlin nach einem durchwachsenen Jahr erstmals wieder einen Podestplatz in der WM-Serie. "Ich bin endlich wieder gesund und werde fitter. Mit jeder Trainingseinheit und mit jedem Rennen kehrt auch das Selbstvertrauen zurück", sagte die Australierin im Ziel. Dem deutschen Team geht dieses Selbstvertrauen in dieser Saison, trotz der guten Ergebnisse in Kapstadt, allerdings weiterhin ab: Anne Haug und Hanna Philippin mussten sich in der Laufentscheidung mit den Rängen 16 und 22 begnügen.

ITU World Triathlon Series Yokohama

  1. Mai 2015, Yokohama (JPN)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Gwen Jorgensen

USA

1:57:20

19:18

1:03:58

32:36

2

Ashleigh Gentle

AUS

1:58:33

20:00

1:03:08

33:55

3

Emma Moffatt

AUS

1:59:03

19:10

1:03:57

34:21

4

Renee Tomlin

USA

1:59:13

20:08

1:02:58

34:36

5

Gilian Sanders

RSA

1:59:19

20:12

1:02:53

34:41

6

Aileen Reid

IRL

1:59:22

19:56

1:03:07

34:44

7

Non Stanford

GBR

1:59:22

20:03

1:03:04

34:43

8

Andrea Hewitt

NZL

1:59:23

19:52

1:03:11

34:48

9

Kirsten Kasper

USA

1:59:24

19:20

1:03:51

34:38

10

Barbara Riveros

CHI

1:59:26

20:12

1:02:57

34:50

16

Anne Haug

GER

2:00:13

20:17

1:02:51

35:36

22

Hanna Philippin

GER

2:00:27

20:06

1:02:55

35:49

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