Justus und Saller führen DTU-Team ins Saisonfinale

Vier Weltcup-Rennen stehen in der Saison 2014 noch aus, mit dem Ende der europäischen Kurzdistanz-Saison in Alanya an diesem Wochenende verabschieden sich die DTU-Athleten aber in die Saisonpause - und das am liebsten mit weiteren Erfolgserlebnissen, die speziell für die Nachwuchshoffnungen Sophia Saller und Laura Lindemann möglich sind.

Von > | 25. September 2014 | Aus: SZENE

Sophia Saller | Sophia Saller auf dem Weg zum U23-Titel bei der WM 2014.

Sophia Saller auf dem Weg zum U23-Titel bei der WM 2014.

Foto >Janos Schmidt / ITU

Vom Dorf über die Stadt in die Metropole - so hat der mittlerweile auf der Langstrecke erfolgreiche, ehemalige Kurzdistanz-Spezialist Nils Frommhold die Punktejagd und den schwierigen Weg von Europa- über Weltcups hinein in die World Triathlon Series einmal beschrieben. Und damit eines klar gemacht: Weltcups sind für die Kurzdistanz-Spezialisten nicht viel mehr als ein Mittel zum Zweck: Dem Sammeln von Punkten für die ITU- und Olympia-Punktelisten. Das Wunschziel jedes Athleten ist die finanziell wie punktemäßig deutlich attraktivere ITU World Triathlon Series. Und so kommt es, dass sich unter normalen Umständen kaum einer der Top-Athleten der Welt bei dem sehr anspruchsvollen WM-Kalender noch in den Weltcup verirrt.

Justus und Schwetz in riesigem Startfeld

Das ändert sich immer nur dann, wenn die Weltcup-Rennen kurz vor dem eigentlichen Saisonbeginn als Formtest dienen können - oder kurz nach der Saison ausgetragen werden, und somit die Chance bieten, mit der Restform aus dem WM-Finale noch einige Punkte zu sammeln. Auf diese Punkte haben es zum Abschluss ihrer langen Saison auch die deutschen Athleten abgesehen: Bei der Weltcup-Premiere im türkischen Alanya, wo bisher häufig Europacup-Rennen und im vergangenen Jahr die EM ausgetragen wurden, stellen sich einige von ihnen zum letzten Mal in dieser Saison dem internationalen Vergleich. Und haben dabei gute Chancen, die Saisonpause mit gesteigertem Selbstvertrauen und aufgestocktem Punktekonto anzutreten. Denn die Startfelder - vor allem das der Männer - in Alanya sind zwar außergewöhnlich groß, doch neben ein paar Bekannten aus der WM-Serie auch mit vielen weniger hoch einzuschätzenden Athleten gespickt.

So können sich die beiden deutschen Vertreter unter den insgesamt 73 männlichen Athleten, die am Sonntag auf Plätzejagd gehen werden, Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung ausrechnen: Steffen Justus und Maximilian Schwetz müssen dafür aber vor allem in der Auftaktdisziplin die Nerven behalten, um sich in dem riesigen Startfeld nicht frühe Rückstände einzuhandeln. Denn in Ben Kanute (USA), dem nominellen Siegfavoriten Dmitry Polyanskiy (RUS) und dem ehemaligen DTU- und angehenden Luxemburger Athleten Stefan Zachäus sind gleich mehrere starke Schwimmer in Alanya am Start. Auch Jonas Schomburg, der aus Deutschland in die Türkei wechselt und daher ein "Heimrennen" hat, gilt als guter Schwimmer, dürfte zumindest gegen Justus beim Laufen aber keine Chance haben.

Alan Webb vor Weltcup-Premiere

Größere Chancen auf Topplatzierungen haben der Schweizer Sven Riederer, der ausgeglichene Italiener Alessandro Fabian, Simon de Cuyper (BEL), Francesc Godoy (ESP), Andrea Salvisberg (SUI) und die in der U23- und Juniorenklasse erst kürzlich mit Weltmeistertiteln dekorierten Franzosen Dorian Coninx und Raphael Montoya. Mit Spannung erwartet wird auch der erste Weltcup-Start des Amerikaners Alan Webb: Der 31-Jährige ist US-Rekordhalter über die Meile (3:46,91 Minuten) und Anfang der Saison aus der Leichtathletik in den Triathlonsport gewechselt. Dass er aus seiner Jugendzeit, in der er auch als Schwimmer aktiv war, nicht alles verlernt hat, deutete er bei der Team-WM in Hamburg an: Dort verlor er beim Schwimmen nur wenige Sekunden im direkten Vergleich mit Gregor Buchholz und konnte den Deutschen im Sprint letztlich knapp schlagen. Buchholz selbst hatte das Weltcup-Rennen in Alanya ebenfalls als Saisonabschluss eingeplant, musste seinen Start aber kurzfristig absagen. Wenige Tage vor dem Rennen findet er sich nicht mehr in der Startliste wieder.

Dritter Start - dritter Paukenschlag?

In der stehen dafür gleich vier deutsche Damen - und mindestens drei davon können sich Chancen auf vordere Platzierungen ausrechnen: Als nominelle Favoritin aus deutscher Sicht geht in Alanya die WM-Serien-erfahrene Rebecca Robisch mit der Startnummer 4 ins Rennen, wogegen Sophia Saller und Laura Lindemann zwar mit höheren Startnummern und daher schlechteren Positionen auf dem Startpontoon auskommen müssen, aber mit einem umso besseren Gefühl in die Türkei reisen: Junioren-Weltmeisterin Lindemann nämlich gewann an gleicher Stelle im vergangenen Jahr die Silbermedaille bei den Juniorinnen-Europameisterschaften. Saller steht vor ihrer erst dritten olympischen Distanz, hat auf dieser aber eine lupenreine Weste: Nach Silber bei den Europameisterschaften in Kitzbühel und der Goldmedaille bei der U23-WM hofft das große, in Oxford studierende Nachwuchstalent auf die nächste Top-Platzierung.

Dafür müssen sich die DTU-Damen in der Türkei unter anderem Rachel Klamer (NED), ihrer in dieser Saison verletzungsgeplagten Landsfrau Maaike Caelers, der aufstrebenden Italienerin Annamaria Mazzetti, Erin Jones (USA), Simone Ackermann, Sophie Corbridge (beide NZL) und den erfahrenen Vendula Frintova (CZE), Margit Vanek (HUN), Mateja Simic (SLO) und Gillian Sanders (RSA) erwehren. Auch die junge Australierin Felicity Sheedy-Ryan, die Dritte der diesjährigen Juniorinnen-WM, Audrey Merle (FRA), die U23-Europameisterin von 2013, Lois Rosindale, sowie Ex-Europameisterin Emmie Charayron (FRA) könnten eine Rolle im Kampf um das Podest spielen. Das DTU-Quartett ergänzt in Alanya Nachwuchsathletin Lisa Sieburger, die sich aktuell auf Welt- und Europacup-Ebene an das internationale Topniveau herantastet.