Kampf gegen das Déjà-vu

Fünf deutsche Triathleten treten am Sonntag an, um sich das dritte und letzte verbliebene Ticket zu den Olympischen Spielen zu sichern - und das ausgerechnet an der Stätte einer der bittersten Niederlagen Maik Petzolds. Der ist trotzdem zuversichtlich.

Von > | 25. Mai 2012 | Aus: SZENE

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Foto >Delly Carr / triathlon.org

Man könnte Maik Petzolds Schicksal in der jüngeren Vergangenheit etwas so zusammenfassen: Immer da, immer gut, immer vorn dabei, wenn es darauf ankam - nur leider war aber immer noch ein anderer besser. So ging es ihm 2008, bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking, als er in Madrid auf dem Rad eine Panne hatte, zurück ins Feld fuhr, auf einen starken siebten Platz lief - und am Ende doch das Nachsehen hatte, weil Christian Prochnow zehn Sekunden schneller war. Und so war es auch in London 2011, wo Petzold souverän vorn mitschwamm, mitfuhr, im Regen gut mitlief und mit Platz zwölf die Qualifikationsnorm für die Olympischen Spiele 2012 erfüllte. Doch wieder hatte er Pech, denn es gab nur zwei Tickets, die an Steffen Justus und Jan Frodeno gingen. Nur vier Sekunden fehlten dem Bautzener damals. Mehrere quälende Kilometer lang war Petzold knapp hinter Frodeno hergerannt - schließen konnte er die kleine Lücke aber nicht.

Frieden mit Madrid

Nun geht es also wieder um das letzte Ticket, wieder in Madrid, wieder ist Christian Prochnow am Start. Sehr häufig, beteuert Maik Petzold, sei ihm 2008 in den letzten Tagen noch gar nicht durch den Kopf gespukt. "Eigentlich liegt mir diese Strecke ja auch sehr", sagt Petzold, "ich habe hier einige meiner besten Rennen gezeigt." Und das stimmt: Seit 2006 war Petzold in Madrid bei fünf Starts nie schlechter als Neunter. "Die Strecke ist anspruchsvoll, deshalb ist hier der komplette Triathlet gefragt", sagt Petzold. Und das ist der Sachse zweifellos.

Petzold schwimmt für gewöhnlich ohne Probleme in der Führungsgruppe mit - und Jan Frodeno, der das Rennen wegen anhaltenden Problemen mit seiner Achillessehne absagen musste und in Kitzbühel Mitte Juni zu einem "Gesundheitstest" antreten will, weiß zu berichten, dass Petzold gerade beim Schwimmen zuletzt sehr harte, schnelle Einheiten trainiert habe. Kein Wunder: Direkt nach dem ersten Wechsel geht es einen Berg hinauf, der, so Frodeno gegenüber tri-mag.de, "Tour-de-France-Feeling" aufkommen lässt. Hier könnte sich eine Führungsgruppe, vielleicht unter dem Tempodiktat Jonathan Brownlees, schnell ausdünnen - gut für gute Schwimmer, wie Petzold (Frodeno: "Ein Fuchs"), nicht so gut für die anderen Deutschen.

Löschke "hat es sich ganz fest in den Kopf gesetzt"

Denn während Nachwuchsmann Franz Löschke, der sich den Startplatz in Madrid über das Punkteranking erarbeitet hat, zwar als guter Schwimmer gilt, aber noch wenig Erfahrung auf der großen internationalen Rennbühne hat, mussten Jonathan Zipf, Gregor Buchholz und Christian Prochnow zuletzt auch Rennen verarbeiten, in denen sie den Anschluss beim Schwimmen verpassten. Doch auch vor einer Laufentscheidung hat Petzold keine Angst: "Ich will es nicht an die große Glocke hängen, aber ich hatte in den letzten Wettkämpfen wie in Buschhütten Allergieprobleme, die mir neu waren", sagt Petzold. "Ich konnte nicht mehr richtig atmen". Also ließ er sich testen, behandeln - und hat nun wieder freie Atemwege.

Im Training habe er vor allem auf Bewährtes gesetzt, so Petzold, auf Einheiten, die ihm Spaß machen und ihm ein gutes Gefühl geben. "Aber irgendwo hat man im Rennen ja auch seine körperlichen Grenzen", sagt er. "Ich habe gut trainiert und werde alles tun, um die geforderte Top-Acht-Platzierung zu erreichen und bester Deutscher zu sein" - auch wenn er vor allen Konkurrenten viel Respekt habe. Auch vor Franz Löschke. Oder vielleicht: Gerade vor Franz Löschke. "Franz ist ein absolutes Wettkampftier. Der hat sich ganz fest in den Kopf gesetzt, dass er zu Olympia will", sagt Jan Frodeno. "Da dürfen wir gespannt sein. Aber auch die anderen drei - allen voran Jonathan Zipf, der bärenstark ist - haben die Top-Acht-Platzierung drauf." Der sechste im Bunde, Sebastian Rank, hat das Rennen am Donnerstagabend in Absprache mit seinem Trainer abgesagt. Der Infekt, mit dem er sich wochenlang gequält habe, sei wieder aufgekeimt, so Rank zutiefst enttäuscht. Gelingt keinem seiner fünf Kollegen die geforderte Top-Acht-Platzierung, ist Petzold als Normerfüller von London 2011 für Olympia qualifiziert.

Bleibt "Brownlee" der einzige Siegername?

Eins allerdings lässt sich schon vor dem Startschuss am Sonntag mit Gewissheit sagen: In Madrid wird der Sieger zum ersten Mal seit Gründung der WM-Serie im Jahr 2009 nicht Alistair Brownlee heißen, denn der ist gerade erst wieder in die volle Laufbelastung eingestiegen. Dafür hat der jüngere Bruder Jonathan wie in San Diego beste Siegchancen. Die härtesten Konkurrenten werden voraussichtlich der Schweizer Sven Riederer, der Russe Alexander Brukhankov, der Franzose Laurent Vidal und der Spanier Mario Mola sein. Spaniens Triathlonstar Javier Gómez ist durch einen Infekt geschwächt und hat seinen Start wie Jan Frodeno und Alistair Brownlee abgesagt.

Eine Zusammenfassung des Männerrennens, das am Sonntag um 13:56 Uhr freigegeben werden wird, zeigt das ZDF ab 18:45 Uhr.