Laura Lindemann will den Weltmeistertitel

Der Nachwuchs macht in Chicago in dieser Woche den Auftakt: Bevor die Elite die World Triathlon Series 2015 im Grand Final beschließen wird, kämpfen Junioren und U23-Athleten um Weltmeistertitel. Die Deutschen haben gute Aussichten.

Von > | 16. September 2015 | Aus: SZENE

Laura Lindemann | Laura Lindemann beim World Triathlon Hamburg 2015

Laura Lindemann beim World Triathlon Hamburg 2015

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Große Titelrennen der Triathlon-Juniorinnen laufen nicht erst seit dieser Saison im Grunde auf einen Zweikampf hinaus: Speziell die französischen und deutschen Verbände scheinen im weiblichen Nachwuchsbereich aktuell gut zu arbeiten - und machen die Titelentscheidungen daher seit geraumer Zeit unter sich aus. Auch bei den Triathlon-Weltmeisterschaften der Juniorinnen kommen die ersten Anwärter auf den Titel in diesem Jahr wieder aus Mitteleuropa, darunter einige, die bereits Erfahrung in der World Triathlon Series sammeln konnten. Und Laura Lindemann kündigt dennoch unverblümt an: "Ich bin die Favoritin."

Alle drei Deutschen mit guten Aussichten

Dieses Selbstbewusstsein kann sich die junge Potsdamerin in ihrem letzten Auftritt in der Junioren-Klasse auch leisten: Denn als Titelverteidigerin sind ohnehin die meisten Augen auf sie gerichtet - und zum Abschluss einer Saison, in der sich die 19-Jährige auch in mehreren Starts auf höchster Ebene, in der World Triathlon Series, im Bereich um die Top Ten etablierte, sie die Deutschen Elite-Meisterschaften gegen den versammelten DTU-Kader gewann und in Genf überlegen Junioren-Europameisterin wurde, gleich noch mehr. "Nach dieser Saison kann man nichts anderes sagen, als dass wir den Titel verteidigen wollen", meint daher auch ihr Trainer Ron Schmidt.

Die meisten Konkurrenten um diesen Titel kennt Lindemann bereits: Wie bei den Europameisterschaften in diesem Jahr, in denen die Deutschen und die Franzosen mit jeweils drei Platzierten die ersten sechs Ränge komplett unter sich ausmachten, gelten auch in Chicago DTU- und FFTRI-Athleten als Favoriten: In Cassandre Beaugrand stellen die Franzosen immerhin die amtierende Vizeweltmeisterin, die wie Lindemann in dieser Saison erste Erfahrungen in der World Triathlon Series sammeln durfte. Auch die Französin Jeanne Lehair hat gute Aussichten auf das Treppchen - verwies die Vizeeuropameisterin in Genf in diesem Jahr doch die beiden jungen Deutschen Lena Meißner und Lisa Tertsch auf die Ränge drei und vier. Dafür können sich Meißner und Tertsch, ebenfalls mit guten Medaillenchancen, nun in Amerika revanchieren. Auch die Fünft- und Sechstplatzierten von Genf, Emilie Morier und Margot Garabedian, wollen in Chicago wieder ins Geschehen eingreifen. Dazu kommt außerdem die ebenfalls WTS-erfahrene Norwegerin Lotte Miller sowie einige Athletinnen aus den USA, Neuseeland und Australien, die das deutsche Team kaum einschätzen kann.

Lührs hofft in starkem Feld auf eine Medaille

Entscheidend, so glauben viele, wird im Rennen vor allem eine gute Schwimmperformance, um die vordere Radgruppe zu erwischen - und dann, sich auf dem Rad nicht im hinteren Teil des Feldes zu verstecken. Denn auf der sehr technischen, mit zahlreichen Wendepunkten versehenen Strecke in Chicago tritt dort häufig der Ziehharmonika-Effekt ein: Wer an einem Wendepunkt am Ende des Feldes hängt, muss stärker abbremsen und härter beschleunigen, um die Gruppe zu halten - und startet angeschlagener auf die abschließenden fünf Laufkilometer. Dessen ist sich auch Ron Schmidts zweiter Potsdamer Schützling, Lasse Lührs, bewusst, der zusammen mit dem 17-Jährigen Peer Sönksen die deutschen Farben im Rennen der männlichen Junioren vertreten wird. Als amtierender Junioren-Europameister hat sich Lührs in Chicago nun eine Medaille vorgenommen, weiß aber, dass die Konkurrenz stark ist. Mit Ben Dijkstra (GBR), Daniel Hoy (NZL) und Emil Hansen (DEN) sind beispielsweise die drei Medaillengewinner der Youth Olympics 2014 am Start, auch Vizeeuropameister Ignacio Gonzalez Garcia (ESP) und die Franzosen Maxime Hueber-Moosbrugger und Leo Bergere haben hohe Ambitionen. Die meisten von ihnen schlug Lührs aber in einer Sprintentscheidung bei den diesjährigen Europameisterschaften. "Dazu kommen noch die Athleten aus Australien und den USA, die man aber nur schwer einschätzen kann", sagt Lührs.

Nicht nur ohne Medaillenhoffnung, sondern gar gänzlich ohne deutsche Beteiligung wird dagegen das sehr dünn besetzte Rennen der Unter-23-Jährigen Damen ausgetragen: Hier gelten Audrey Merle (FRA) und Natalie van Coevorden (AUS) als Favoriten auf den Titel. Bei den Männern gehen mit über 60 Startern mehr als doppelt so viele Athleten ins Rennen wie auf Frauenseite - und darunter auch zwei Deutsche: Um die Medaillen werden der 20-Jährige Valentin Wernz und der 21-Jährige Ian Manthey aber wohl noch nicht mitkämpfen können. Denn in Jacob Birtwhistle (AUS), Kevin McDowell (USA), Simon Viain (FRA), Wian Sullwald (RSA), Declan Wilson (AUS), Gordon Benson (GBR), Bob Haller (LUX), U23-Vizeweltmeister Marc Austin (GBR) und dem seit einigen Monaten unter Brett Sutton trainierenden Amerikaner Lukas Verzbicas haben zahlreiche Athleten mit Erfahrung aus der World Triathlon Series gemeldet.

Das Rennen der U23-Männer wird am Donnerstag um 14 Uhr deutscher Zeit gestartet, um 23:30 Uhr folgt die Entscheidung der männlichen Junioren. Tags darauf gehen die U23-Damen um 18:30 Uhr sowie die Juniorinnen um 21:30 Uhr ins Rennen. tri-mag.de berichtet am Wochenende zeitnah von den Entscheidungen.