Moffatt mutig - Haug Vierte

Gwen Jorgensen hat das zweite Rennen der World Triathlon Series 2013 gewonnen. Bis zwei Kilometer vor dem Ziel lag Emma Moffatt noch einsam in Front - doch dann stürmte die US-Amerikanerin an ihr vorbei. Anne Haug beendete das Rennen als gute Vierte.

Von > | 20. April 2013 | Aus: SZENE

Gwen Jorgensen | Gwen Jorgensen gewinnt in San Diego.

Gwen Jorgensen gewinnt in San Diego.

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Den Vorwurf, die Frauen würden im ITU-Kurzdistanztriathlon zu häufig nur auf Laufentscheidungen bauen, muss sich Emma Moffatt nicht mehr gefallen lassen. Zwar hat der Weltverband ITU schon verstärkt auf hügelige Kurse gesetzt, um die WM-Serienrennen dynamischer zu gestalten. Doch es braucht nicht immer Berge, damit windschattenfreie Rennen sich dramatisch zuspitzen. Manchmal reicht es bereits, wenn eine starke Läuferin Mut hat, bereits auf der Radstrecke volles Risiko geht - und alle anderen die Situation zu verschlafen drohen.

Uneinigkeit im Hauptfeld

Dabei schien die Situation für Anne Haug und ihre Kolleginnen zunächst noch unter Kontrolle. Zwar hatte sich auf den 1,5 Schwimmkilometern eine Vierergruppe um die Spanierin Carolina Routier, Pamela Oliviera (BRA), Olympia-Vierte Sarah Groff (USA) und Emma Moffatt (AUS) um gut 30 Sekunden vom langgezogenen Hauptfeld abgesetzt - dort aber stiegen alle Favoritinnen, angeführt von Anja Knapp, dicht beieinander aus dem Wasser. Auch die Deutsche Anja Dittmer und ihre Landsfrau Anne Haug, die in San Diego mutig anschwimmen wollte, verloren nur wenige Sekunden auf ihre Konkurrentinnen und fanden sich auf dem Rad sofort im großen Hauptfeld mit 25 weiteren Begleiterinnen wieder. Dieses Hauptfeld allerdings hatte noch einen Rückstand - und der wuchs auf den ersten Kilometern auf 50 Sekunden auf die vier Ausreißerinnen an der Spitze.

Damit wurde die Situation unter anderem Anne Haug zu bedrohlich. Groff und Moffatt, das wussten die zahlreichen schnellen Läuferinnen um die Deutsche oder die US-Amerikanerin Gwen Jorgensen und Serien-Debütantin Non Stanford (GBR) im Hauptfeld natürlich, durfte man nicht zu viel Vorsprung gewähren - also zeigte sich die Deutsche zumindest kurz an der Spitze, um sich allerdings kurz darauf schon wieder im Windschatten zu verstecken. Die Arbeit übernahmen zunächst vor allem Moffatts Landsfrau Ashleigh Gentle und einige Amerikanerinnen. Und schienen damit erfolgreich: Bis auf knapp unter 30 Sekunden fuhren die Verfolgerinnen bis Rennkilometer 25 wieder heran. Um die Arbeit kurz darauf allerdings prompt wieder einzustellen.

Groff attackiert, Moffatt kontert

Denn während an der Spitze Oliviera, Moffatt und Groff weiter stark zusammenarbeiteten und viel investierten, Routier nur im Windschatten des Trios mitrollte, fühlte sich in der Verfolgergruppe erneut niemand mehr für die Tempoarbeit verantwortlich. So war es auf den letzten zehn Kilometern gar Gwen Jorgensen, die versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben - und das, nachdem die US-Amerikanerin im vergangenen Jahr noch selbst häufiger auf dem Rad abgehängt worden war. Bis auf etwas mehr als eine Minute vergrößerte die Ausreißergruppe um Moffatt und Groff den Vorsprung so noch binnen der letzten Kilometer bis zum zweiten Wechsel. Und startete mit guten Chancen, den Sieg unter sich ausmachen zu können, auf die letzten zehn Kilometer.

Dort war es zunächst die US-Amerikanerin Groff, die vor heimischem Publikum offensiv anging und Moffatt attackierte, während eine Minute dahinter U23-Weltmeisterin Non Stanford mit Anne Haug, Gwen Jorgensen und Jodie Stimpson an den Hacken die Jagd auf die Spitze eröffnete. Groff löste sich um einige Meter von der Australierin, doch die gab nicht auf, kämpfte sich nach drei Kilometern wieder an die US-Amerikanerin heran, an ihr vorbei - und griff nun selbst an. Noch immer rund eine Minute betrug der Vorsprung auf das Verfolgerquartett zu diesem Zeitpunkt. Doch auch das hatte das Rennen nun endlich eröffnet.

Jorgensen gibt den Sieg nicht auf

Denn während bei Groff nun das Leiden begann, die US-Amerikanerin abreißen und etwas an Tempo herausnehmen musste, schoben sich die Verfolgerinnen langsam an die Australierin an der Spitze heran. Bis auf rund 40 Sekunden reduzierten sie ihren Rückstand bis zur Fünf-Kilometer-Marke, überholten Groff - und dann setzte Jorgensen sich ab. Die US-Amerikanerin hatte den Sieg noch nicht abgeschrieben und schaltete einen weiteren Gang hoch, während Stanford und Haug einige Meter hinter ihr verzweifelt versuchten, Anschluss zu halten, Stimpson noch einige weitere Meter mehr verlor. Jorgensen flog in Richtung Ziellinie, schob sich näher an Moffatt heran - und hatte die Australierin kurz darauf endlich im Blick. Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel schloss Jorgensen zu Moffatt auf, setzte sich sofort um einige Meter von ihr ab und kämpfte, um den Vorsprung ins Ziel zu retten. Während hinter ihr allerdings auch Stanford und Haug noch in Schlagdistanz blieben, auch Moffatt wollte sich so kurz vor dem Ziel nicht einfach abschütteln lassen.

Doch Jorgensen konnte ihren Vorsprung bis ins Ziel verteidigen und sicherte sich vor heimischem Publikum mit 33:10 Minuten nicht nur zum wiederholten Male die schnellste Laufzeit, sondern auch ihren ersten Sieg in der World Triathlon Series. Moffatt wurde knapp dahinter auf der Zielgeraden von der jungen Britin Stanford im Kampf um den zweiten Platz übersprintet, während Haug sich mit dem vierten Platz begnügen musste. "Mein Fokus lag heute auf dem Schwimmen, das lief sehr gut", erklärte die Deutsche im Ziel. "Danach habe ich mich dann nach dem Rennen in Auckland etwas müde gefühlt, deshalb habe ich mich auf dem Rad heute zurückgehalten und mich in der Gruppe versteckt. Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden", sagte Haug, die die Spitzenposition in der World Triathlon Series verteidigte. Anja Dittmer lief als zweitbeste Deutsche auf den 16. Rang, Anja Knapp wurde einen Rang hinter der Schweizerin Melanie Hauss (ehemals Annaheim) 27.. Noch vor den beiden Deutschen erreichte Lisa Perterer das Ziel: Die junge Österreicherin verpasste eine Top-Ten-Platzierung als Zwölfte nur knapp.

World Triathlon Series San Diego | Frauen

  1. April 2013, San Diego (USA)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Gwen Jorgensen

USA

1:59:59

18:02

1:07:10

33:10

2

Non Stanford

GBR

2:00:03

18:04

1:07:02

33:20

3

Emma Moffatt

AUS

2:00:03

17:27

1:06:31

34:21

4

Anne Haug

GER

2:00:06

18:29

1:06:41

33:26

5

Jodie Stimpson

GBR

2:00:31

18:22

1:06:46

33:47

6

Andrea Hewitt

NZL

2:01:22

18:04

1:07:04

34:34

7

Sarah Groff

USA

2:01:27

17:29

1:06:42

35:46

8

Barbara Riveros Diaz

CHI

2:01:41

18:32

1:06:32

34:56

9

Ashleigh Gentle

AUS

2:01:46

18:32

1:06:32

34:59

10

Juri Ide

JPN

2:01:56

18:20

1:06:45

35:10

12

Lisa Perterer

AUT

2:02:03

18:32

1:06:37

35:14

16

Anja Dittmer

GER

2:02:33

18:34

1:06:36

35:46

26

Melanie Hauss

SUI

2:03:58

18:07

1:07:05

37:10

27

Anja Knapp

GER

2:04:04

18:02

1:07:04

37:23

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