Nordén vs. Spirig: Olympia-Revanche im Kaukasus

Knapp drei Jahre nach dem spektakulärsten Finish der Triathlongeschichte treffen Olympiasiegerin Nicola Spirig und die 2012 in London unterlegene Schwedin Lisa Nordén wieder aufeinander. Mit einem Sieg bei den ersten European Games in Baku könnten sich beide das Olympiaticket für Rio sichern. So teuer wie möglich will sich dort auch DTU-Athletin Lisa Sieburger verkaufen.

Von > | 11. Juni 2015 | Aus: SZENE

Olympia 2012 - Spirig vs. Nordén | Zielsprint in London

Zielsprint in London

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Reinhold Häußlein dürfte am vergangenen Wochenende im Kraichgau mehrmals das Herz in die Hose gerutscht sein. Zunächst erhielt der DTU-Vizepräsident Leistungssport die Nachricht, dass Jonas Breinlinger - einer seiner beiden für Baku nominierten Athleten - umgenickt sei, sich am Knöchel verletzt habe und nicht beim Bundesligarennen starten können. Am Renntag stürzte Lisa Sieburger, Häußleins zweite Baku-Starterin, im Rennen der Frauen beim Radfahren und kam mit Schrammen an Kopf und Beinen zum zweiten Wechsel. Letztlich konnte der 66-Jährige doch noch aufatmen und am Dienstag mit seinen beiden Schützlingen den Flieger nach Aserbaidschan besteigen.

Sieburger selbstbewusst

Vor allem Sieburger, die im Kraichgau trotz Sturzpech, noch die zweitschnellste Laufzeit hinlegte, macht den DTU-Verantwortlichen derzeit richtig Freude. "Lisa hat sich in den letzten Monaten in allen Disziplinen positiv entwickelt", sagt Bundestrainer Dan Lorang, der sich derzeit mit dem DTU-Kader im Höhentraining in St. Moritz auf die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf, das WM-Serienrennen in Hamburg und den Olympia-Qualifikationswettkampf in Rio vorbereitet. Besonders am Schwimmen hat Sieburger zuletzt mit Hannes Vitense gearbeitet. Er hoffe, das die erzielten Verbesserungen reichen, um beim Radfahren ins Hauptfeld zu kommen oder im Laufe des Rennens den Anschluss herstellen zu können, so Lorang weiter. Die 23-Jährige selbst geht ihr erstes großes Saisonziel ohne großen Druck, aber durchaus selbstbewusst an. Sie sei gut in Form, bestätigte Sieburger drei Tage vor dem Rennen in der Hauptstadt von Aserbaidschan. Während ihr Dan Lorang einen Platz unter den besten zwölf zutraut, sieht sich U23-Athletin sogar noch etwas weiter vorn. Wenn Sieburger ihre aktuelle Form abrufen kann, scheint tatsächlich noch etwas mehr drin zu sein.

Olympische Revanche in Baku

Das Interesse der Medien wird im Vorfeld des Frauenrennens am Samstag allerdings zwei anderen Athletinnen gelten: Denn knapp drei Jahre nach dem historischen Zielsprint im olympischen Triathlon von London treffen in Baku Olympiasiegerin Nicola Spirig und die damals um einen Wimpernschlag unterlegene Schwedin Lisa Nordén wieder aufeinander. Dieses Mal allerdings unter anderen Vorzeichen. Denn weder die Schweizerin, noch Nordén spielen in der World Triathlon Series 2015 eine entscheidende Rolle. 2012 gewann Spirig vor ihrem Olympiasieg die Rennen in Madrid und Kitzbühel, Nordén siegte nach London in Stockholm und Yokohama und wurde später Weltmeisterin. Mittlerweile haben die US-Amerikanerinnen das Kommando in der weltweit wichtigsten Kurzdistanzserie übernommen. Doch die bleiben bei den European Games natürlich außen vor, sodass zumindest Spirig, deren Klasse zuletzt beim WM-Rennen in Kapstadt schon wieder aufblitzte, gute Chancen auf den Titel und das damit verknüpfte Ticket für Olympia in Rio hat. Wie konkurrenzfähig Nordén derzeit ist, wird erst das Rennen zeigen. Die 30-Jährige hatte zuletzt große Verletzungsprobleme und musste lange mit dem Lauftraining aussetzen. Beim WM-Serienauftakt in Abu Dhabi kam sie noch als 21. ins Ziel. In Auckland und Yokohama musste sie aufgrund zu starker Schmerzen beim Laufen aufgeben.

Gold für die "Grüne" Insel

Vielleicht geht das erste Gold bei European Games aber auch nach Irland. Denn der Papierform nach ist Aileen Reed die aktuell stärkste der 53 gemeldeten Athletinnen. Die 32-Jährige war bei allen fünf WM-Serienrennen am Start und landete in Gold Coast, Yokohama und London auf den Plätzen sieben, sechs und vier. Schwimmerisch liegt sie etwa auf einem Niveau mit der Niederländerin Rachel Klamer, die ebenfalls zu den Medaillenanwärterinnen gehört. In der WM-Serie liegt der Schützling des spanischen Erfolgstrainers Joel Filliol derzeit auf Platz zwölf. Noch nicht richtig in Schwung gekommen, ist ihre Teamkollegin Maaike Caelers. Doch auch sie kann bei einem günstigen Rennverlauf im Kampf um die vorderen Plätze mitmischen. Zu beachten sind außerdem die schwimmstarke Spanieren Ainhoa Murua und die Polin Agnieszka Jerzyk, die ebenfalls aus dem Schwimmsport kommt.

Sport1 überträgt live, Unger Co-Kommentator

Wer den ersten Triathlon im Rahmen der European Games mitverfolgen will, kann das am Samstag ab 9:45 Uhr tun. Der Münchner Spartensender Sport1 überträgt das Rennen über die olympische Distanz (Start: 9:30 Uhr) live. Und Kommentator Hartwig Thöne bekommt prominente Unterstützung. Denn Triathlonweltmeister Daniel Unger wird als Experte am Mikrofon sein.