Offroad am O-See: Al-Sultan und die Cross-Asse

Im Zittauer Gebirge werden am kommenden Samstag zum vierten Mal in der ITU-Geschichte die besten Crosstriathleten der Welt gesucht. Mit guten Aussichten auf einen Heimsieg geht Doppel-Europameisterin Kathrin Müller an den Start. Im Rennen der Männer steigen Offroad-Superstar Conrad Stoltz aus Südafrika und der amtierende Xterra-Weltmeister Ruben Ruzafa gegen den deutschen Ironmanweltmeister Faris Al-Sultan in den Ring.

Von > | 14. August 2014 | Aus: SZENE

MTB-Crashkurs_Al-Sultan - 13 | MTB-Crashkurs Faris Al-Sultan

MTB-Crashkurs Faris Al-Sultan

Foto >Petko Beier / pebe-sport.de

Es war einmal eine Kleinstadt im äußersten Zipfel Sachsens. Dort, am Ufer des Olbersdorfer Sees, trafen sich im Juli 2000 fünf mutige Männer, um herauszufinden, wer den Weg vom See über den "Stern" am Jonsberg bis auf den Hochwald am schnellsten zurücklegen kann. Einzige erlaubte Hilfsmittel bei dem aus einer Bierlaune geborenen Ausdauer-Dreikampfs: eine Badehose, ein klappriges Fahrrad, ein Paar Laufschuhe und die eigene Muskelkraft. Dass 14 Jahre später die weltbesten Crosstriathleten in die beschauliche Oberlausitz reisen und um WM-Medaillen kämpfen - davon hätte selbst der Visioär und heutige Orga-Chef Dr. Klaus Schwager damals wahrscheinlich nicht zu träumen gewagt. Zittau liegt in einer der entlegendsten Ecken Deutschlands - am kommenden Wochenende rückt das Dreiländereck im Herzen Europas für einige Stunden in den Mittelpunkt der Triathlonwelt.

Müller gräbt nach Gold

Mehr als 1.500 Athleten aus 32 Nationen haben sich für die erste ITU Cross Triathlon World Championship auf deutschem Boden angemeldet - darunter 160 deutsche Offroad-Fans, die am Samstag in den verschiedenen Altersklassen um Gold, Silber und Bronze kämpfen werden. Die Herausforderung: 1,5 Kilometer Schwimmen im Olbersdorfer See, ein knackiger Offroad-MTB-Kurs über 36 Kilometer mit fast 1.000 Höhenmetern und vielen anderen natürlichen Hindernissen sowie ein 9-Kilometer-Crosslauf, der den meisten Amateuren und Profis die letzten Körner Energie aus dem Körper jagen wird. Rund 3.300 Euro macht der Triathlon-Weltverband für die Sieger der beiden Eliterennen locker. Den Profis dürfte es neben dem Preisgeld aber vor allem ums Prestige gehen - immerhin dürfen sich die Champions ein ganzes Jahr lang Weltmeister nennen. Ein Ziel, das auch Kathrin Müller - die aktuell beste Crosstriathletin Europas - hat. Und die Chancen, sich als erste deutsche  Athletin den erst seit 2011 offiziell ausgeschriebenen WM-Titel zu schnappen, stehen nicht schlecht. Die 30-Jährige, die sich 2012 aus dem Kurzdistanzgeschehen verabschiedete und zuletzt zwei Mal EM-Gold holte, trifft auf insgesamt 27 Konkurentinnen. Ein Beinahe-Heimrennen ist die WM in der Grenzregion auch für Titelverteidigerin Helena Erbenova aus Tschechien, eine der erfahrendsten Athletinnen im Feld. Sie gehört neben Müller zu den Topfavoritinnen auf Gold. In den Kampf um die Medaillen eingreifen wollen außerdem Altmeisterin Maud Golsteyn aus den Niederlanden, die Schweizerin Renata Bucher, Flora Duffy von den Bermudas sowie die Dritte der olympischen Triathlonentscheidung von London, Erin Densham aus Australien.

O-See Challenge 2011 | Xterra Germany O-See Challenge

Xterra Germany O-See Challenge

Foto >René Pech / O-See Challenge

Alle gegen den "Caveman"

Drei Rennen, drei Siege. Mit der perfekten WM-Bilanz ist die lebende Crosstriathlon-Legende Conrad Stoltz nach Zittau gereist. Der 37-Jährige bringt es zudem auf vier Xterra-WM-Titel, die jedes Jahr im Oktober auf Maui vergeben werden. Fakt ist: Wer Gold aus dem Olbersdorfer See fischen will, muss den "Caveman" schlagen. Ruben Ruzafa hat das schon geschafft. Der amtierende Xterra-Weltmeister ist der wahrscheinlich aussichtsreichste Herausforderer des großen Favoriten aus Südafrika. Doch auch der Spanier, der 2013 die WM-Generalprobe am O-See gewann, wird auf dem schweren Kurs im Zittauer Gebirge für eine Medaille alles zeigen müssen. Ben Allen (AUS), Brice Daubord (FRA) und Josiah Middaugh (USA) sind nur drei weitere klangvolle Namen und Medaillenkandidaten im Feld der 53 Athleten. Mit dem Deutschen Meister Christian Otto, dem Leipziger Bastian Dobrowald, Sebastian Veith und dem Offroad erfahrenen Felix Schumann schickt die DTU zwar ein schlagkräftiges Quartett ins Rennen - im Gegensatz zu Kathrin Müller bei den Frauen käme eine deutsche Medaille im Männerrennen aber einer kleinen Sensation gleich. Wie ernst Faris Al-Sultan, der Fünfte im Bunde, das Event in der Lausitz nimmt, konnte man vor einigen Wochen am Stadtrand von Berlin verfolgen. Kein geringerer als Querfeldein-Ikone Mike Kluge gewährte dem Ironmanweltmeister von 2005 in einem Crashkurs Einblicke in die Kunst des Mountainbikens. Al-Sultan machte allerdings auch danach keinen Hehl daraus, dass das Rennen in Zittau sehr hart für ihn wird. "Ich bin auf dem Mountainbike technisch eher weniger begabt", gibt er offen zu. Auf dem anspruchsvollen Kurs über den 749 Meter hohen Hochwald, einen der höchsten Berge der Region, wird er beim Radfahren sicher nicht mit den Besten mithalten können. Auf den finalen neun Laufkilometern könnte das schon wieder anders aussehen.

tri-mag.de berichtet am Samstag ausführlich von der ITU Cross Triathlon World Championship im Zittauer Gebirge.