Rückkehr mit Fragezeichen: Alistair Brownlee im Härtetest

Zum vierten Rennen der World Triathlon Series 2015 eröffnet am Sonntag in Kapstadt auch Olympiasieger Alistair Brownlee seine Saison. Wie es um ihn im Kräftemessen mit Lokalmatador Richard Murray und den Spaniern Javier Gómez und Mario Mola steht, ist im Vorfeld völlig unklar: Der ältere der Brownlee-Brüder kommunizierte zuletzt wieder betont sparsam.

Von > | 24. April 2015 | Aus: SZENE

Alistair Brownlee | Alistair Brownlee

Alistair Brownlee

Foto >Delly Carr / triathlon.org

Er wurde gemeldet, er wurde von verschiedenen Seiten angekündigt und erwartet - und in der Woche vor dem Rennen sagte Alistair Brownlee dann doch noch ab: Dieses Schicksal ereilte Rennveranstaltern, die auf einen Start des britischen Olympiasiegers hofften, in den letzten Jahren mehrfach. Zuletzt beim WM-Auftakt in Abu Dhabi Anfang März. Eineinhalb Monate später, beim Rennen über die olympische Distanz in Kapstadt, soll der 27-Jährige nun tatsächlich seine WM-Saison eröffnen. Doch wie stark der Olympiasieger derzeit ist, ob er zuletzt überhaupt verletzt war, wissen nur wenige. Denn die letzte Meldung über eine Verletzung Brownlees sorgte für nachhaltige Verwirrung: Während von Hundebiss bis zu einer erneuten Knöchelverletzung diverse Absagegründe die Runde machten, hüllte sich Brownlee selbst weitgehend in Schweigen. Auch das hat mittlerweile fast schon Tradition. Und es schürt Misstrauen.

Olympiaqualifikation statt Weltmeisterschaft?

Denn manche vermuten weniger eine Verletzung, als viel mehr die britischen Olympia-Selektionskriterien als Grund hinter Brownlees spätem Saisoneinstieg: Der britische Verband verlangt von seinen Athleten, die schon in diesem Jahr für das Olympia-Rennen vorgemerkt werden wollen, Podestplatzierungen sowohl beim Olympia-Testevent in Rio Anfang August, als auch beim Grand Final in Chicago Mitte September. Gelingt dieses Doppel den britischen Medaillen-Gewinnern von 2012, also den Brownlee-Brüdern, nominiert der Verband als dritten männlichen Olympia-Starter außerdem automatisch einen Helfer für die Brownlees. Das könnte der Grund dafür sein, dass sich Alistair, der sich in den letzten Jahren zunehmend schwerer tat, über mehrere Monate in guter Form und gleichzeitig gesund zu bleiben, gegen einen frühen Saisonstart entschieden und seine Titelchancen damit stark reduziert hat. Und auch, warum ihm sein Bruder Jonathan in Kapstadt mit ähnlicher Intention nun den Weg frei macht.

Der jüngere der beiden Brüder, der nach fehlerbehaftetem WM-Auftakt in Abu Dhabi in Gold Coast zuletzt eins der besten Rennen seiner Karriere zeigte, lässt den Wettkampf in Südafrika im Gegensatz zu den anderen Anwärtern auf den WM-Titel aus: Sowohl Javier Gómez, als auch Mario Mola, Fernando Alarza, Vicente Hernandez (alle ESP) und Pierre Le Corre (FRA), als auch die schnellen Läufer Richard Murray (RSA), Sven Riederer (SUI), Joao Pereira und Joao Silva (POR) wollen sich in Kapstadt mit dem Olympiasieger messen. Vor allem Murray geht vor heimischem Publikum mit einer Extraportion Motivation ins Rennen. Und nicht nur die Sympathien des Publikums, auch das übrige Starterfeld könnte dem 26-Jährigen in die Karten spielen.

Alistair Brownlee | Taktiker Alistair Brownlee - auch abseits der Rennstrecke?

Taktiker Alistair Brownlee - auch abseits der Rennstrecke?

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

Steffen Justus kehrt zurück

Denn wie Jonathan Brownlee hat sich auch dessen Kumpel Richard Varga (SVK), der beim Schwimmen gewöhnlich die Tempoarbeit übernimmt, entschlossen, das afrikanische WM-Serienrennen auszulassen. So müssen Gómez und Alistair Brownlee, dem mit Startnummer 39 zudem eine schlechte Startposition droht, beim Schwimmen entweder selbst dafür sorgen, dass sie die zahlreichen schnellen Läufern um Mola einige Sekunden distanzieren können. Oder aber sie müssen darauf hoffen, dass Henri Schoeman (RSA) oder die Russen Igor und Dmitry Polyanskiy das für sie erledigen, um die Chance zu haben, sich die Laufspezialisten auch auf dem Rad vom Leib halten zu können.

Gelingt das nicht, kommt es in Kapstadt zu einem großen Showdown auf der Zehn-Kilometer-Laufstrecke - und es würde wohl auch zumindest zwei von drei deutschen Startern in die Karten spielen: Gregor Buchholz und Steffen Justus, der nach einer auskurierten schweren Schulter-Verletzung erstmals in dieser Saison in einem WM-Rennen startet, werden im Wasser wohl noch nicht an der Spitze mithalten können. "Das deutsche Trainerteam hat keine Erwartungen an Steffens Ergebnis", versucht Elite-Bundestrainer Dan Lorang vor dem Rennen daher auch bewusst, Druck vom erfahrensten DTU-Starter zu nehmen. "Gregor ist körperlich topfit", meint der Coach über Buchholz, der vor Saisonbeginn hoch gewettet wurde, diesen Optimismus im Rennen nach einem Trainingssturz kurz vor dem Saisonauftakt aber noch nicht bestätigen konnte. "Es geht für ihn darum, mit einem stabilen Ergebnis in die WM-Serie hineinzufinden und zumindest annähernd zu zeigen, was in ihm steckt." Das Team komplettiert der 23-jährige Justus Nieschlag, dem ein schnelles Schwimmen eher entgegenkommen würde als seinen beiden Teamkollegen und der in einem 2015 bislang überwiegend enttäuschenden Männer-Team die positive Ausnahme bildete. "Wir hoffen auf eine Trendwende in Südafrika und gehen vorsichtig optimistisch in das nächste Rennen", sagt Lorang auch mit Blick auf das Frauenrennen tags zuvor.

Das Rennen der Männer wird am Sonntag um 15:06 Uhr in Kapstadt gestartet. tri-mag.de berichtet wie gewohnt zeitnah nach dem Zieleinlauf vom vierten Wettkampf der World Triathlon Series 2015.