Silbermedaille nicht genug: Schulz verpasst frühe Paralympics-Qualifikation

Ein Defekt auf dem Rad hat Deutschlands derzeit wohl erfolgreichsten Paratriathleten, Martin Schulz, die Chance auf die frühzeitige Qualifikation für die Paralympics gekostet. Eine WM-Medaille ließ er sich trotzdem nicht entgehen.

Von > | 19. September 2015 | Aus: SZENE

Martin Schulz | Martin Schulz wird Vizeweltmeister im Paratriathlon (PT2)

Martin Schulz wird Vizeweltmeister im Paratriathlon (PT2)

Foto >Jo Kleindl / DTU

Es sei das wahrscheinlich wichtigste Rennen seiner Triathlon-Karriere, schrieb Martin Schulz noch kurz vor dem Wettkampf auf seiner Facebook-Fanseite, und das Training sei gut gelaufen. Mit einem Sieg bei den Paratriathlon-Weltmeisterschaften im Rahmen des ITU Grand Final in Chicago wollte sich der Leipziger, der trotz fehlenden linken Unterarms in der 1. Triathlon-Bundesliga mithält, frühzeitig für die Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro qualifizieren.

Reifenplatzer kostet eine Minute

Zunächst sah es auch gut aus für Schulz' Vorhaben: "Ich konnte mich beim Schwimmen etwas absetzen und das Wasser als Erster verlassen", erklärt Schulz, der sich in der Auftaktdisziplin in 9:57 Minuten über 750 Meter um rund 30 Sekunden von seinen schnellsten Konkurrenten in der Klasse PT4 (leichte Behinderung) absetzte. Auch auf dem Rad sei es zunächst gut gelaufen - bis nach wenigen Kilometern sein Reifen am Vorderrad platzte. Zwar fand Schulz schnell den Weg zur Materialstation und wechselte das Rad, doch auch die schnelle Reaktion auf den Defekt kostete den Leipziger noch rund eine Minute auf seine Konkurrenten. Bis zum zweiten Wechsel nach 20 Radkilometern konnte er den führenden Kanadier Stefan Daniel wieder einholen, "doch dabei habe ich viele Körner gelassen, die mir auf der Laufstrecke dann gefehlt haben", meint Schulz, und gesteht ein: "Stefan Daniel war heute läuferisch einfach etwas stärker als ich." In 16:20 Minuten lief der Kanadier die abschließenden fünf Kilometer rund 30 Sekunden schneller als der Leipziger und sicherte sich den WM-Titel vor Schulz, der mit der Silbermedaille vor Yannick Bourseaux (FRA) Vorlieb nehmen musste.

"So ist das im Sport: Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Machmal hat man Glück, manchmal nicht. In dem Fall heißt 'verlieren' eben Platz zwei", meinte Schulz. "Die direkte Qualifikation für die Paralympics habe ich somit zwar verpasst. Ich stehe allerdings auf dem ersten Rang im Rio-Ranking und brauche mir deshalb eigentlich keine Gedanken um den Startplatz machen, weil es fast unmöglich ist, von dort verdrängt zu werden."

Keine weiteren DTU-Medaillen

Auch das übrige Paratriathlon-Team konnte die eigenen Hoffnungen in Chicago nicht erfüllen. Stefan Lösler (PT2 - schwere Behinderung) beendete das Schwimmen und Radfahren als Neunter seiner Kategorie und schob sich auf der Laufstrecke noch bis auf Rang sieben nach vorn, Markus Häusling (PT1- Rollstuhlfahrer) verletzte sich in der Auftaktdisziplin und musste das Rennen deshalb vorzeitig aufgeben. Auch die sonstige Sieggarantin Nora Hansel (PT3 - mittelschwere Behinderung) erwischte in Chicago nicht ihren besten Tag und musste ihre Hoffnungen auf eine Medaille auf der Laufstrecke aufgeben. Sie beendete das Rennen hinter Konkurrentinnen aus Australien und den Niederlanden auf dem vierten Rang.