Sophia Saller: Rio ist so nah und so fern

Kaum hat sie den Masterabschluss in der Tasche, schielt Profi-Triathletin Sophia Saller auf neue Projekte. Das ist zum einen die im Herbst beginnende Promotion in Oxford – zum anderen sind es die Olympischen Spiele 2016 in Rio. Wir haben kurz vor dem Feuer und Flamme World Triathlon Hamburg mit ihr gesprochen.

Von > | 17. Juli 2015 | Aus: SZENE

Sophia Saller | Sophia Saller ist zuversichtlich: Für den ITU World Triathlon Hamburg und das Testrennen in Rio.

Sophia Saller ist zuversichtlich: Für den ITU World Triathlon Hamburg und das Testrennen in Rio.

Foto >Maike Hohlbaum / spomedis

Mit 21 Jahren ist sie nach Laura Lindemann das zweitjüngste DTU-Teammitglied, das beim Eliterennen des ITU World Triathlon Hamburg an den Start geht. Die Vize-Europameisterin auf der Kurzdistanz (2014), amtierende U23-Weltmeisterin und frischgebackene Masterabsolventin hat sich in den letzten Wochen akribisch auf das Sprintrennen an der Alster vorbereitet. Ein kleineres Formtief ist überwunden, in Hamburg wird nun die Form für den Testwettkampf in Rio überprüft.

Sophia Saller, Sie haben Ihren Master in der Tasche. Herzlichen Glückwunsch! Haben Sie jetzt mehr Zeit für das Training?
In den letzten Wochen ist es um einiges entspannter zugegangen. Vor der DM in Düsseldorf lief es nach den Prüfungen noch nicht rund, ich musste nach der mentalen Anstrengung wohl erst mal herunterkommen. Aber ich glaube, Düsseldorf war dann der Tiefpunkt und danach kam die Ruhe zurück. Ich genieße es, Zeit für das Training zu haben und mich mittags auch mal hinlegen zu können.

Wie sah Ihre Wettkampfvorbereitung in den letzten Wochen denn dann aus? Anders als früher?
Ich war bei meinem Trainer Roland Knoll in Ingolstadt, wo ich gut trainiert habe. Weil es oft sehr heiß war, habe ich ziemlich früh trainiert und konnte mich mittags entspannen. Ich bin in den letzten Wochen sehr viel gelaufen und geschwommen. Der Fokus lag darauf, vor dem Olympia-Testwettkampf in Rio noch einen ganzen Trainingsblock zu absolvieren. Ich habe noch sehr hart trainiert und hoffe, dass sich das Konzept am Wochenende als sinnvoll herausstellt - und danachin Rio dann voll aufgeht.

Einen Preis haben Sie ja schon abgeräumt: Am Wochenende wurde Ihnen der Bayerische Sportpreis für die beste Nachwuchssportlerin verliehen. Motiviert Sie so etwas zusätzlich?
Der Bayerische Sportpreis war eine große Ehrung, und das ganze Event war etwas größer als ich gedacht hätte. Dass ich Faris Al-Sultan persönlich treffen durfte war echt cool. Der bayerische Nachwuchspreis geht normalerweise an Wintersportler oder Fußballer, deshalb war es nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die Sportart Triathlon eine große Sache.

Am Wochenende steht der Hamburg Triathlon auf dem Kalender. Das ist mit Siegen von Ricarda Lisk, Anja Dittmer und Anne Haug traditionell ein gutes Pflaster für die Deutschen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen am Samstag ein – wird das so bleiben?
Dieses Jahr ist es noch ein bisschen zu früh für mich, es den anderen gleichzutun. In den nächsten Jahren ist es wahrscheinlicher, aber Gwen Jorgensen scheint im Moment unschlagbar. Wobei – unschlagbar darf man auch nicht sagen. In London vor zwei Jahren ist sie gestürzt, und so etwas kann immer passieren. Aber wenn sie immer noch so gut drauf ist wie in den letzten Monaten, wird es für die meisten von uns ein Rennen um den zweiten Platz.

Liegt es Ihnen, dass Hamburg ein Sprintrennen ist?
Auf der olympischen Distanz hatte ich bisher die größeren Erfolge. Sie liegt mir etwas besser und macht mir mehr Spaß. Auf der Sprintdistanz darf man keinen Fehler machen, wenn man beim Wechsel ein paar Sekunden verliert, ist es auf fünf Kilometern viel schwerer sie wieder zuzulaufen als über zehn Kilometer. Ich brauche auch etwas Zeit beim Schwimmen, um richtig reinzukommen. Auf der zweiten Hälfte der Schwimmstrecke schwimme ich viel stärker. Dementsprechend liegt mir die olympische Distanz eigentlich besser. Aber in London hat es auch auf der Sprintdistanz gut geklappt, deshalb bin ich guter Dinge.

Noch kürzer als der Sprint am Samstag wäre die Team-Weltmeisterschaft am Sonntag. Die Team-Besetzung wird zwar erst am Samstagabend verkündet. Aber: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir Sie am Sonntag auf dem Jungfernstieg wiedersehen?
Ich habe extrem Bock darauf. Im letzten Jahr war ich die erste Reserve-Athletin im Team. Auf der einen Seite hat es Spaß gemacht, zuzuschauen. Auf der anderen Seite dachte ich aber auch, dass ich gern mitmachen würde. Von der Europameisterschaft in Kitzbühel weiß ich, wie viel Spaß es macht. Ich bin dort als erste gestartet und war extrem nervös. Es geht nicht nur um dich selbst, sondern auch um die anderen. Als erste Starterin kann man das Rennen zwar nicht gewinnen – aber man kann es verlieren. Nach meinem Part bin ich herum gerannt und habe mein Team so fest angefeuert wie nur möglich. In Hamburg starten zu können wäre toll. Allerdings gibt es ein paar unter uns, denen die Sprintrennen und kurze Distanzen besser liegen. Wir werden sehen!

Und was kommt danach?
Dann freue ich mich auf den Testwettkampf in Rio im August. Mich für diesen Quali-Wettkampf zu qualifizieren, war eins meiner großen Ziele dieses Jahres. Dort vor Ort zu sein, darauf freue ich mich sehr. Rio im nächsten Jahr ist so nah und doch so fern! Bei uns im Team sind alle Frauen derzeit nah beieinander – wir sind neben den USA und Australien das einzige Team, das drei Frauen in den Top-20 hat. Es gibt nicht so viele Nationen, die das können. Ich würde sehr gern bei Olympia dabei sein, aber ich weiß auch, dass ich in vier Jahren erst 25 bin. Das ist ein sehr gutes Triathlonalter, vielleicht sogar besser als 21. Ich werde mein Bestes geben und abrufen, was ich kann. Wenn es klappt, ist das toll. Wenn es nicht klappt, hat das vielleicht auch einen Grund.