Spiele mit verdeckten Karten

Taktieren gehört auch bei den weltbesten Triathleten mittlerweile zum Handwerk. Besondere Züge nimmt das in den Jahren Olympischer Spiele an. Wie viele andere werden auch die deutschen Olympia-Kandidaten um Maik Petzold beim WM-Auftakt am Samstag in Sydney noch nicht alles zeigen. Die Brownlee-Brüder, Javier Gómez und Jan Frodeno sind gar nicht erst nach Down Under geflogen.

Von > | 12. April 2012 | Aus: SZENE

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Foto >Delly Carr / triathlon.org

Spiele mit verdeckten Karten

"Es passieren seltsame Dinge in Olympiajahren", stellte Bevan Docherty auf der Pressekonferenz vor dem Start in die vierte Saison der World Triathlon Series nüchtern fest. Und der Neuseeländer muss es wissen. Zweimal hat der 35-Jährige das Versteckspiel im Vorfeld Olympischer Spiele schon erlebt, zweimal nahm er eine Medaille mit nach Hause. Das Ticket nach London hat Docherty aber noch nicht gebucht. Ein Platz unter den besten Acht in einem der WM-Rennen fordert sein Verband und macht auch für einen seinen erfahrensten Athleten keine Ausnahme. "Klar ärgert es mich, dass ich mich nicht schon früher qualifiziert habe", gibt Docherty zu. "Trotzdem ist Sydney nicht das Rennen, auf das ich meinen Fokus lege, denn das wichtigste Event findet erst im August statt", erklärte er weiter. Als Nummer 2 seines Verbands - Neuseeland darf drei Männer nach London schicken - dürften die Verbandsoberen aber auch ohne den geforderten Leistungsnachweis kaum an ihm vorbeikommen. Das weiß Docherty.

Nicht ganz so einfach liegen die Dinge im deutschen Team. Gleich drei Athleten blieben beim Qualifikationsrennen in London 2011 unter der von der DTU geforderten Norm. Steffen Justus und Jan Frodeno halten seitdem das Ticket in den Händen. Mit einer Top-20-Platzierung bei einem der drei ersten WM-Rennen können sie es in der Tasche verschwinden lassen. Maik Petzold, in London wenige Sekunden hinter Frodeno Zwölfter, muss den holprigen Umweg über Madrid gehen. Und die Stolpersteine kommen aus dem eigenen Team.

Alle wollen nur das eine

Mindestens vier könnten seinen Traum von den zweiten Olympischen Spielen noch zerstören. Besonders große Chancen rechnen sich Sebastian Rank und Jonathan Zipf aus. Für beide wären es die ersten Spiele. Eine Top-Ten-Platzierung hat Zipf für den Auftakt am Samstag als Ziel ausgegeben. "Es soll noch nicht das beste Rennen der Saison werden, aber schon ein sehr ordentliches. Vor allem, um die nötigen Punkte für den Startplatz in Madrid zu erkämpfen", schreibt er auf seiner Website. Rank hat Petzold kürzlich beim Weltcup in Mooloolaba besiegt und dürfte deshalb ebenfalls mit einem guten Gefühl ins erste der drei Empfehlungs-Rennen gehen. Auch Christian Prochnow will noch im Kampf um das begehrte dritte Ticket mitmischen. Und der Potsdamer hat zumindest psychologisch einen kleinen Vorteil: Beim entscheidenden Qualifikationswettkampf für die Olympischen Spiele in Peking vor vier Jahren schnappte er Petzold den letzten Startplatz vor der Nase weg. In Madrid. Der frühere U23-Weltmeister Gregor Buchholz komplettiert das Sextett, das die DTU in der Nacht auf Samstag deutscher Zeit (Start: 3:26 Uhr) ins Rennen schickt.