Spirig nicht zu schlagen, Saller sensationell Zweite

Nicola Spirig hat sich in Kitzbühel zum vierten Mal die EM-Krone im Triathlon aufgesetzt. Im strömenden Regen verwies die Olympiasiegerin aus der Schweiz die Deutsche Sophia Saller auf den Silberrang. Hanna Philippin verpasste Bronze nach einer überragenden Aufholjagd beim Radfahren um wenige Sekunden.

Von > | 20. Juni 2014 | Aus: SZENE

Nicola Spirig | Nicola Spirig

Nicola Spirig

Foto >Jan Sägert / spomedis

Der deutsche Triathlon ist um ein erfrischendes Gesicht reicher. Im ersten Kurzdistanzrennen ihrer noch jungen Karriere schnappte sich die 20-jährige Sophia Saller nach einem beherzten und fast fehlerfreien Auftritt die Silbermedaille. Nur Olympiasiegerin Nicola Spirig war in dem vom Start bis ins Ziel verregneten Eliterennen einen Tick stärker. Hanna Philippin glänzte vor allem beim Radfahren und sicherte dem DTU-Trainerteam einen weiteren Top5-Platz.

Wenn eine Athletin an diesem Tag nichts zu verlieren hatte, dann war es Sophia Saller. Erst am späten Abend vor ihrem ersten EM-Rennen war die 20-Jährige im DTU-Quartier in Kitzbühel angekommen. Nicht etwa weil sie den Zug verpasst oder im Stau gestanden hatte. Saller studiert in Oxford Mathematik und musste am Donnerstag eine der letzten Prüfungen für den Bachelor ablegen. Nach dem Rennen erzählte sie das, als wäre es das Normalste der Welt. Alles andere als normal war das, was sich in den zwei Stunden zuvor in Kitzbühel abgespielt hatte.

Klamer stürzt, Spirig drückt aufs Tempo

Nur 38 Athletinnen stürzten sich bei sintflutartigem Regen in den Schwarzsee. Die Deutsche Triathlon Union hatte sich für den vermeintlich zweiten Anzug, die drei U23-Kaderathletinnen Hanna Philippin, Sophia Saller und Lisa Sieburger entschieden. Der Rest weilt mit Bundestrainer Dan Lorang im Höhentraining in Font Romeu. Und der verantwortliche U23-Coach Marek Jaskolka staunte nicht schlecht, als ausgerechnet Saller als erste seines Trios aus dem Wasser stieg. Ein Quintett um die niederländische Titelverteidigerin Rachel Klamer saß da schon fast im Sattel. Aber eben nur fast. Klamer sprang auf ihr Bike, rutschte aber ab, verlor das Gleichgewicht und stürzte. Ehe sie sich aufgerappelt hatte, war das Quartett, mit dem sie zuvor etwa 30 Sekunden davon geschwommen war, enteilt, und die Abgehängten konnten aufschließen. Was danach passierte, kam einem Ausscheidungsrennen gleich. Aufgesplittet in kleine Grüppchen jagten die bedauernswerten Athletinnen durch riesige Pfützen, über rutschiges Kopfsteinpflaster - und das alles noch immer bei heftigem Dauerregen. Saller erwischte die erste Verfolgergruppe, in die sich auch Nicola Spirig, die unbestrittene Topfavoritin, einsortiert hatte. Und dort, das bestätigte die in London lebende Deutsche später, gemeinsam mit Klamer 43 Kilometer lang ordentlich Druck machte.

Vorentscheidung beim zweiten Wechsel

In der dritten von sechs Runden gelang der Gruppe um Spirig und Klamer der Zusammenschluss mit den Führenden. Eine perfekte Konstellation für die Olympiasiegerin. Die gab sich damit aber noch nicht zufrieden und verschärfte trotz der miserablen äußeren Bedingungen immer wieder das Tempo. Nur eine wollte sich damit nicht abfinden. Hanna Philippin setzte in den beiden letzten Runden auf Geheiß ihrer Trainer noch einmal alles auf eine Karte und hatte Erfolg. Wenige Kilometer vor dem zweiten Wechsel schaffte es die Junioren-Europameisterin von 2011 tatsächlich, zur Spirig-Gruppe aufzuschließen. Dort wurde einmal mehr deutlich, warum der Wechsel die vierte Disziplin im Triathlon ist. Saller verlor in der Wechselzone 15 Sekunden auf die schnellsten. Sie habe ewig gebraucht, um bei der Kälte mit den klammen Händen in ihre Schuhe zu kommen, erzählte sie später. Philippin gelang der Wechsel deutlich besser. Sie ging als Zweite auf die zehn entscheidenden Kilometer. Nach zweieinhalb Kilometern schien die Goldmedaille dann vergeben. Nicola Spirig hatte ihre Konkurrentinnen, von denen am Ende nur 20 das Ziel sahen, da schon abgeschüttelt. "Das Laufen hat echt Spaß gemacht", erklärte Saller nach dem Rennen. Und wie viel Freude sie hatte, durften die Zuschauer schon nach der ersten Laufrunde bewundern. Die Mathematik-Studentin lag da nur noch knapp hinter ihrer Teamkollegin Philippin und der Italienerin Annamaria Mazzetti. Weil Spirig weiter wie ein Uhrwerk unterwegs war, änderte an dieser Konstellation auf den folgenden Kilometern nichts. Erst in der dritten Runde musste Philippin Saller und Mazzetti ziehen lassen. "Ich war energetisch am Ende", gab sie danach zu und haderte kurz damit, nicht doch ein Energiegel mit auf die Strecke genommen zu haben. Am Ende war die 21-Jährige aber zurecht stolz auf ihre Leistung.

Spirig clever, Saller sensationell

Noch ein wenig stolzer war nur eine: Sophia Saller. Im ersten Kurzdistanzrennen ihrer Karriere zündete sie im Finale noch einen Turbo, den Mazzetti nicht mehr zur Verfügung hatte. Die Italienerin war mit Bronze aber ebenfalls überglücklich. Saller hatte wenige Momente zuvor in der Zielgasse sogar noch die Nerven, sich die Deutschlandflagge zu schnappen und damit über den Zielstrich zu laufen. Sie hatte nichts zu verlieren - und gewann am Ende fast alles. Nicola Spirig zeigte - wie von vielen erwartet - keine erkennbare Schwäche und tütete letztendlich verdient ihren vierten EM-Titel ein. Lisa Sieburger, die Dritte im Bunde des DTU-Teams, kämpfte sich lange Zeit allein durch den Tiroler Regen und stieg weit abgeschlagen und unterkühlt kurz nach dem zweiten Wechsel aus.

Nicola Spirig | Die drei besten Europas: Siegerin Nicola Spirig mit Sophia Saller (links) und Annamaria Mazzetti (rechts).

Die drei besten Europas: Siegerin Nicola Spirig mit Sophia Saller (links) und Annamaria Mazzetti (rechts).

Foto >Jan Sägert / spomedis

ETU Triathlon European Championship | Frauen

  1. Juli 2014, Kitzbühel (AUT)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

43 km Bike

10 km Run

1

Nicola Spirig

SUI

2:10:24

19:11

1:13:17

36:19

2

Sophia Saller

GER

2:10:40

19:09

1:13:25

36:19

3

Annamaria Mazzetti

ITA

2:10:58

19:06

1:13:26

36:51

4

Hanna Philippin

GER

2:11:16

19:26

1:13:06

37:10

5

Lois Rosindale

GBR

2:11:35

19:18

1:13:26

37:13

6

Rachel Klamer

NED

2:11:47

18:19

1:14:10

37:35

7

Charlotte Bonin

ITA

2:11:53

18:20

1:14:10

37:21

8

Elena Danilova

RUS

2:11:54

19:12

1:13:24

37:33

9

Sara Vilic

AUT

2:11:57

18:15

1:14:14

37:38

10

Mateja Simic

SLO

2:12:00

19:04

1:13:31

37:39

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