Stanford überragt, Haug taktiert auf Platz zwei

Mit einer erneut beeindruckenden Leistung auf dem Rad hat sich Anne Haug in Madrid den zweiten Platz gesichert. Der Sieg war der jungen Britin Non Stanford allerdings nicht zu nehmen. Auch die Deutsche Anja Knapp überzeugte als Achte.

Von > | 1. Juni 2013 | Aus: SZENE

WTS Madrid_20 | Gwen Jorgensen präsentiert sich auf der Laufstrecke auch stark: Sie läuft noch auf Platz vier nach vorn. Aber feiern lassen dürfen sich an diesem Tag nur die besten drei Damen.

Gwen Jorgensen präsentiert sich auf der Laufstrecke auch stark: Sie läuft noch auf Platz vier nach vorn. Aber feiern lassen dürfen sich an diesem Tag nur die besten drei Damen.

Foto >Janos Schmidt / triathlon.org

An der Spitze des Gesamtrankings wird es immer enger. Nach dem vierten von sieben Serienrennen vor dem Grand Final in London im September hat sich Anne Haug mit dem zweiten Platz in Madrid wieder bis auf mickrige 60 Zähler an die WM-Führende Gwen Jorgensen herangeschoben - der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Platz in einem WM-Serienrennen. Auch Jodie Stimpson und Non Stanford bleiben nach dem Wettkampf in Madrid im Rennen um den WM-Titel. Bis dahin war es für sie alle im Casa de Campo der spanischen Hauptstadt aber ein weiter Weg - und einer, auf dem es für alle von ihnen auf und ab ging.

Déjà-vu für Anne Haug

Und das nicht nur, weil sich den Athletinnen auf der acht Mal zu bewältigenden Radrunde in Madrid jeweils ein langer, steiler Anstieg in den Weg stellte. Sondern auch, weil die Ausgangssituation nach dem Schwimmen für Anne Haug erneut nicht gut war. Wie im Vorjahr, als Haug sich im Olympiaqualifikationsrennen gegen Ende des Radkurses binnen weniger Kilometer in die Spitzengruppe arbeitete, verlor die Deutsche beim Schwimmen zunächst über eineinhalb Minuten auf eine fünf Frauen große Spitzengruppe um die Brasilianerin Pamela Oliveira, die Spanierin Carolina Routier, Sarah Groff (USA), Nicky Samuels (NZL) und Alice Betto (ITA). Nur 15 Sekunden hinter dieser Spitzengruppe verließ das große Hauptfeld angeführt von Anja Knapp und Anne Haugs Hauptkonkurrentinnen Gwen Jorgensen, Non Stanford und Jodie Stimpson das Wasser - und war gewillt, die Deutsche in diesem Jahr nicht schon wieder aufschließen zu lassen.

Denn während das Spitzenquintett schon am ersten Hügel zu einem Trio aus Groff, Samuels und Betto zusammenschrumpfte, aus dem sich wenige Kilometer später mit einem Sturz auch die Italienerin verabschiedete, sorgte in der 20 Frauen großen Hauptgruppe dahinter vor allem Stanford für Tempo. Die junge Britin, die in Leeds von den gleichen Trainern wie die Brüder Jonathan und Alistair Brownlee betreut wird, hielt Haug so zunächst nicht nur auf Distanz - sondern hatte sich früh im Rennen auch der Amerikanerin und WM-Führenden Jorgensen entledigt, die zwar schnell schwimmen und laufen kann, deren verbliebene Schwäche auf dem Rad den Konkurrentinnen in den vergangenen Monaten aber nicht entgangen war. Auch Anne Haug nicht.

Die Konkurrenz nutzt Jorgensens Schwäche auf dem Rad

Denn als die Amerikanerin nach knapp 20 Kilometern in die Gruppe um die Deutsche knapp eine Minute hinter dem großen Hauptfeld zurückgefallen war, attackierte Haug - und nur die Kanadierin Paula Findlay konnte folgen. Wie im Vorjahr gelang es Anne Haug mit dieser Tempoverschärfung anschließend, binnen weniger Kilometer das Loch zur Gruppe um Stanford zu schließen. "Ich wollte Anne auf Distanz halten, aber sie war zu stark", erzählte die Britin anschließend im Ziel. Also arbeiteten Haug, Stanford und auch Jodie Stimpson auf den letzten Kilometern zusammen gegen die verbliebene gemeinsame Konkurrentin, die den Sprung in die Spitzengruppe nicht geschafft hatte: Gwen Jorgensen.

Und das mit Erfolg. Der britisch-deutsche Express fuhr wenige Kilometer vor dem zweiten Wechsel nicht nur zu dem Spitzenduo auf, das sich zuvor nie weiter als 30 Sekunden hatte lösen können, sondern distanzierte die Gruppe um Jorgensen noch um über eine Minute. Ein Rückstand, der selbst für die ehemalige Läuferin auf den abschließenden zehn Kilometern zu groß war - zumindest auf Haug, Stanford und Stimpson.

Haug konzentriert sich auf den zweiten Platz

Diese drei Athletinnen setzten sich nach dem zweiten Wechsel nun sofort an die Spitze der 24 Frauen großen Führungsgruppe - und dann davon ab. Vor allem Stanford war es, die auf das Tempo drückte und so schnell sogar einige Meter zwischen sich und das Trainingskolleginnen-Duo aus Haug und Stimpson legen konnte. "Die ersten zweieinhalb Kilometer waren sehr hart, ich habe erst auf der zweiten Runde wirklich meinen Rhythmus gefunden", sagte die Deutsche später im Ziel. Und weil sie sowieso nicht in Topform gewesen sei, außerdem auf dem Rad schon viel investiert hatte, ließ sie Stanford ziehen, sich knapp hinter Stimpson zurückfallen - und konzentrierte sich auf den folgenden Kilometern darauf, den richtigen Moment zur Attacke auf den zweiten Platz zu finden. "Ich musste mit meinen Kräften haushalten und clever laufen, um zum Schluss noch einmal zulegen zu können", sagte Haug. Und tat das einen Kilometer vor dem Ziel.

Zweiter Wechsel Madrid | Anja Knapp und Anne Haug führen das Feld auf die Laufstrecke

Anja Knapp und Anne Haug führen das Feld auf die Laufstrecke

Foto >Petko Beier / DTU

Die Münchnerin lief neben Stimpson, erhöhte das Tempo zunächst nur leicht, knapp 500 Meter vor dem Ziel dann stark. Während Stanford an der Spitze bereits ihren ersten Sieg in der WM-Serie feierte, sprintete Haug souverän auf den zweiten Platz vor ihrer britischen Trainingskollegin. Gwen Jorgensen arbeitete sich aus der Verfolgergruppe noch bis auf den vierten Rang nach vorn. Anja Dittmer dagegen verlor beim Schwimmen ähnlich viel Zeit wie Haug, konnte auch auf dem Rad nicht aufschließen und lief letztlich auf dem 35. Platz ins Ziel. Besser als für die Neubrandenburgerin verlief das Rennen dagegen für Anja Knapp: Die Dettingerin, die beim Schwimmen und auf dem Rad problemlos im Hauptfeld mitgehalten hatte, lief am Ende auf den starken achten Rang.

World Triathlon Madrid 2013

  1. Juni 2013, Madrid (Spanien)

Name

Nation

Gesamt

1,5 km Swim

40 km Bike

10 km Run

1

Non Stanford

GBR

2:04:39

19:27

1:09:15

34:29

2

Anne Haug

GER

2:05:05

20:35

1:08:09

34:59

3

Jodie Stimpson

GBR

2:05:14

19:23

1:09:16

35:05

4

Gwen Jorgensen

USA

2:05:44

19:31

1:10:07

34:36

5

Felicity Abram

AUS

2:05:54

19:28

1:09:01

35:42

6

Juri Ide

JPN

2:06:16

19:26

1:09:18

36:00

7

Sarah Groff

USA

2:06:26

18:59

1:09:42

36:12

8

Anja Knapp

GER

2:06:32

19:23

1:09:17

36:26

9

Danne Boterenbrood

NED

2:06:35

19:48

1:08:50

36:28

10

Jessica Harrison

FRA

2:06:42

19:20

1:09:19

36:31

11

Sara Vilic

AUT

2:07:05

19:28

1:09:10

36:55

19

Lisa Perterer

AUT

2:07:55

20:04

1:09:32

36:43

35

Anja Dittmer

GER

2:12:36

20:31

1:11:25

39:08

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